CES

Seit Monaten keine Messen und Ausstellungen. Die weltgrößte Messe für Konsumerelektronik CES hat sich für eine komplett virtuelle Messe entschieden: Jede Menge Videos, einige virtuelle Treffen – kein Ersatz für eine “echte” Messe.

Die “Consumer Electronics Show” (CES) enthält nicht umsonst den Begriff “Show”: Die größte Messe für Unterhaltungselektronik der Welt ist normalerweise wirklich eine gigantische Show. Mit Messen in Europa nur schwer zu vergleichen.

Denn hier ist alles groß, großartig und eben Show. Das passt, denn die CES findet jedes Jahr im Januar in Las Vegas statt. Hier ist grundsätzlich alles Show.

Nun hat die CES dieses Jahr dasselbe Problem wie praktisch alle Messen auf der Welt: Corona. Trotzdem findet die CES statt – komplett virtuell.

Virtuelle Messen: Das Wow-Erlebnis bleibt aus

Kann man machen. Aber der Messegedanke schwindet dadurch noch weiter. Kein lässiges Schlendern durch Hallen, auf der Suche nach “Wow”-Erlebnissen – oder den kleinen Juwelen, die es auf jeder Veranstaltung gibt. Keinen Schnack mit Kolleginnen und Kollegen über die große Präsentation am Vortag oder empfehlenswerte Produktentdeckungen.

Stattdessen: Hochglanz-Videos in Dauerschleife. Von Konzernen wie LG Electronics, BMW, Bosch, Sony, Samsung und vielen, vielen anderen. Doch weil alles virtuell stattfindet, geht natürlich der Wow-Effekt verloren. Sich einen übermenschlich großen OLED-Fernseher neuester Technologie in Wirklichkeit anzuschauen, ist natürlich etwas komplett anderes, als das nur in einer Online-Präsentation zu tun.

Und noch etwas fällt auf: Von einer virtuellen Messe profitieren insbesondere die Großen. Die Unternehmen, die ohnehin schon jede/r kennt, bekommen natürlich leichter Aufmerksamkeit. Beim Durchschlendern von Messehallen entdecken Besucher auch andere spannende Dinge. In einer virtuellen Messe fällt das praktisch flach.

Kleine Unternehmen klar im Nachteil

Kleine Unternehmen können sich auch gar keinen professionellen Auftritt leisten. Das macht in einer virtuellen Messe einen deutlich größeren Unterschied.

Virtuelle Messen wie die CES zementieren daher den Status quo: Wer schon erfolgreich ist und über eine gefüllte Kriegskasse verfügt, kann sich auch prima präsentieren. Alle anderen sind praktisch unsichtbar. Mit einigen Ausnahmen freilich, wie Quoobo, dem Kuschel-Roboter aus Japan, der aussieht wie eine überfahrene Katze ohne Kopf und helfen soll, einsame Corona-Zeiten zu überstehen.

Die Industrie zeigt sich flexibel – und stellt sich auf Corona ein. LG Electronics preist seine Fernsehgeräte als umso wichtiger, denn das Wohnzimmer sei Kino, Klassenzimmer und Büro in einem. Klar, dass man als Corona-Gelockdownter da einen 1a Monitor braucht.

Die Industrie stellt sich auf Lockdown ein

Und wer auch nicht mehr einkaufen gehen will, kann sein Gemüse künftig in den eigenen vier Wänden züchten: Das US-Start Up Gardyn hat eine Hightech-Wand entwickelt, an der jeder seinen eigenen Salat und seine Kräuter züchten kann. Der Schrebergarten des 21. Jahrhunderts: Per App das künstliche Licht steuern. Und weil solche Instinkte heute fehlen, sagt die App einem auch, wann geerntet werden kann. Ein Abo – für 40 Euro im Monat.

Man wäre also für die nächste virtuelle Messe gerüstet. Aber nein, so machen Messen keinen Spaß. Virtuell ist keine echte Alternative.


Werbeclips in Endlosschleife: Virtuelle Messen sind nicht sonderlich reizvoll