Moderne Smartphone-Kameras und Spiegelreflexkameras speichern automatisch GPS-Koordinaten, Aufnahmezeit und technische Details in den EXIF-Daten eurer Fotos. Diese Metadaten sind extrem praktisch für die Verwaltung und Organisation eurer Fotosammlung. Aber was passiert mit eingescannten Papierfotos, historischen Aufnahmen oder Bildern von älteren Kameras ohne GPS?
Genau hier liegt das Problem: Gescannte Fotos aus Familienalben, digitalisierte Dias oder Bilder von analogen Kameras enthalten meist keine oder falsche Standortdaten. Das Aufnahmedatum zeigt den Scan-Zeitpunkt statt den tatsächlichen Moment, als das Foto entstanden ist. Die handschriftlichen Notizen „Mallorca-Urlaub 1985“ oder „Hochzeit München“ aus dem Fotoalbum gehen dabei komplett verloren.

Für Windows-Nutzer bietet EXIFGeoTagger eine elegante Lösung für dieses Problem. Die App kostet mittlerweile 3,49 Euro im Microsoft Store und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der aktuellen Version könnt ihr nicht nur einzelne Bilder bearbeiten, sondern ganze Ordner-Strukturen systematisch mit korrekten Metadaten versehen.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Ihr ladet eure gescannten Fotos in die App, klickt auf eine interaktive Karte und setzt den Marker auf den gewünschten Ort. Die GPS-Koordinaten werden automatisch übernommen. Zusätzlich könnt ihr Aufnahmedatum, Kameramodell und andere EXIF-Daten manuell anpassen.
Besonders praktisch ist die Batch-Funktion: Wenn ihr einen ganzen Ordner mit Urlaubsfotos aus Rom habt, markiert ihr alle Bilder und weist ihnen gemeinsam den Standort „Rom, Italien“ sowie das korrekte Datum zu. Bei Bedarf könnt ihr anschließend einzelne Fotos noch spezifischer verorten – etwa „Kolosseum“ oder „Trevi-Brunnen“.
Alternativ zu EXIFGeoTagger gibt es auch kostenlose Tools wie ExifTool oder GeoSetter. ExifTool ist allerdings ein Kommandozeilen-Tool und erfordert technisches Know-how. GeoSetter bietet eine grafische Oberfläche, wurde aber seit 2019 nicht mehr aktualisiert und läuft auf aktuellen Windows-Versionen teilweise instabil.
Für Mac-Nutzer ist HoudahGeo eine bewährte Alternative, kostet aber deutlich mehr. Die Vollversion schlägt mit etwa 40 Euro zu Buche. Eine günstigere Option ist Preview – Apples hauseigener Bildbetrachter kann seit macOS Big Sur grundlegende EXIF-Daten bearbeiten, bietet aber keine Karten-Integration.
Eine interessante Entwicklung sind KI-gestützte Tools, die Standorte anhand von Bildinhalten erraten können. Google Photos macht das bereits automatisch, allerdings nur bei Fotos in der Cloud. Für lokale Sammlungen gibt es noch keine ausgereiften Lösungen.
Wichtig ist der Datenschutz: Standortdaten in Fotos sind sensible Informationen. Wenn ihr Bilder online teilt, solltet ihr vorher prüfen, ob die GPS-Koordinaten wirklich öffentlich werden sollen. Viele soziale Netzwerke entfernen EXIF-Daten automatisch, aber bei direkten Uploads auf Webseiten oder Clouds bleiben sie oft erhalten.
Bei der Digitalisierung alter Fotos empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen: Sortiert die Bilder zunächst chronologisch und nach Ereignissen. Notiert euch verfügbare Informationen aus Fotoalben oder Beschriftungen. So könnt ihr später effizienter arbeiten und müsst nicht jedes Bild einzeln recherchieren.
EXIFGeoTagger unterstützt alle gängigen Bildformate wie JPEG, TIFF und RAW-Dateien. Die App funktioniert auch mit Bildern aus professionellen Scannern und berücksichtigt verschiedene Farbprofile. Backup-Funktionen schützen vor versehentlichen Änderungen.
Für ambitionierte Hobbyfotografen lohnt sich die Investition definitiv. Wer nur gelegentlich einzelne Fotos bearbeitet, kann auch auf Online-Tools wie Jeffrey’s Image Metadata Viewer zurückgreifen. Diese funktionieren browserbasiert und erfordern keine Software-Installation.
Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026
