Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt klipp und klar einige Dinge vor, etwa deutschsprachige Nutzungsbedingungen – und sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten. Während Apps wie das ehemals gehypte Clubhouse inzwischen größtenteils verschwunden sind, bleiben die grundsätzlichen Probleme mit US-Apps und Datenschutz bestehen – und sind heute aktueller denn je.
Die Audio-App Clubhouse erlebte vor einigen Jahren in Deutschland einen regelrechten Hype. Zumindest bei Branchen-Insidern, Journalisten und einigen Politikern. In virtuellen Räumen mit anderen sprechen zu können – tatsächlich sprechen, mit der eigenen Stimme! –, das war durchaus eine charmante Idee und ein interessantes neues Konzept.
Clubhouse wirkte auf viele wie ein neues Spielzeug auf Kinder: Alle wollten damit mal spielen. Doch was ist aus dem großen Hype geworden?

Es gibt reichlich Kritik an Clubhouse – berechtigte Kritik!
Vom Hype zum Vergessen: Was ist aus Clubhouse geworden?
Clubhouse ist heute praktisch irrelevant. Die Nutzerzahlen sind dramatisch eingebrochen, die Aufmerksamkeit ist längst anderen Plattformen gewichen. Aber die damals aufgeworfenen Datenschutzprobleme sind aktueller denn je – denn sie ziehen sich durch die gesamte App-Landschaft.
X (ehemals Twitter), TikTok, Instagram Threads, BeReal und unzählige andere Apps sammeln weiterhin massenhaft Daten, oft ohne dass Nutzer wirklich verstehen, was mit ihren Informationen passiert. Die EU hat mit dem Digital Services Act (DSA) und dem Digital Markets Act (DMA) nachgelegt, doch die Probleme bleiben bestehen.
Kritik am mangelnden Datenschutz – und Verstoß gegen DSGVO
Damals hat die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) die Clubhouse-Anbieter wegen gravierender rechtlicher Mängel abgemahnt. Unter anderem wegen des fehlenden Impressums und weil es keine deutschsprachigen Datenschutzbestimmungen gab. Das teilte VZBV-Vorstand Klaus Müller damals auf Twitter mit.
Datenschützer kritisierten die Praxis von Clubhouse, alle geführten Gespräche intern aufzuzeichnen – und vor allem, dass Nutzer ihr komplettes Adressbuch bei Clubhouse hochladen mussten. Es wurden zwar nur die Nummern hochgeladen, nicht die Namen. Aber eben alle Nummern – ein massiver Eingriff in die Privatsphäre.

Das Problem ist größer geworden
Experten hatten damals herausgefunden: Die App übertrug sogar jedes Mal die Nummern im Adressbuch, sobald ein User jemanden einladen wollte. Auf diese Weise bekam Clubhouse mit, welche Nutzerin wann wen kennengelernt hatte.
Heute machen das viele Apps so oder ähnlich. TikTok steht permanent unter Verdacht, Daten an chinesische Behörden weiterzugeben. Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) sammelt Daten quer über alle Plattformen hinweg. X experimentiert mit KI-Training anhand von Nutzerdaten. Der Unterschied zu damals: Die Datensammlung ist noch umfassender und raffinierter geworden.
KI macht alles noch komplizierter
Mit dem KI-Boom seit 2023 ist ein neues Problem dazugekommen: Eure Daten werden nicht nur gesammelt und für Werbung genutzt, sondern auch zum Training von KI-Modellen. ChatGPT, Claude, Gemini – sie alle haben mit Daten aus dem Internet gelernt, oft ohne zu fragen.
Viele Apps integrieren inzwischen KI-Features und nutzen eure Eingaben zum Training. Discord Clyde, Instagram AI, X Grok – überall wird experimentiert, oft ohne dass Nutzer wirklich verstehen, was passiert.
Was können App-Stores tun?
Die Frage von damals ist aktueller denn je: Wieso tauchen Apps, die eindeutig gegen die DSGVO verstoßen, überhaupt in europäischen App-Stores auf?
Apple und Google haben ihre Transparenz-Bemühungen verstärkt. App-Tracking-Transparenz bei iOS, Privacy Labels, detailliertere Berechtigungen – das alles hilft. Aber es reicht nicht.
App-Stores müssen Verantwortung übernehmen
Nutzer vertrauen zu Recht darauf, dass Apps im App-Store gewissen Mindeststandards genügen. Meine Forderung von damals ist aktueller denn je: Die App-Stores müssen aktiv einen DSGVO-Check machen. Apps, die nicht DSGVO-konform sind, gehören entweder überhaupt nicht in einen Store – oder sollten zumindest mit einem dicken, fetten Warnhinweis versehen sein.
Der EU-Gesetzgeber hat mit DSA und DMA nachgelegt. Große Plattformen müssen transparenter werden, Algorithmen offenlegen, gegen Desinformation vorgehen. Doch die Umsetzung läuft schleppend, und kleinere Apps fallen oft durch alle Raster.
Was könnt ihr tun?
Checkt regelmäßig eure App-Berechtigungen. Lest Datenschutzerklärungen zumindest oberflächlich. Nutzt Privacy-Tools wie App-Tracking-Transparenz konsequent. Und: Seid skeptisch bei neuen Apps, besonders wenn sie aus Ländern ohne starken Datenschutz kommen.
Das Clubhouse-Beispiel zeigt: Hype ist vergänglich, aber die Daten bleiben. Überlegt euch gut, welche Apps ihr wirklich braucht und welche Daten ihr bereit seid zu teilen.
Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026