Zuckerberg

Der US-Senat hört eine Whistleblowerin an, die Kritik äußert und Zustände beschreibt, die wir alle kennen. Doch Mark Zuckerberg reagiert wie immer: Indem er die Realität ignoriert und alles schönredet.

Es läuft alles andere als rund für Facebook – und das ist eine gute Nachricht. Für uns, die Gesellschaft. Denn nur unter Druck verändern sich Dinge. Nur unter Druck agiert die Politik, reagieren Unternehmen, berichten Medien.

Und deshalb freue ich mich, dass Facebook dank der Berichte im Wall Street Journal (WSJ) und vor allem dank der Whistleblowerin Frances Haugen jetzt im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

Frances Haugen

Frances Haugen hat zwei Jahre bei Facebook gearbeitet

Whistleblowerin spricht aus, was alle eigentlich wissen

Es ist doch so: Im Grunde sagt Frances Haugen nichts, was jemand, der mit offenen Augen die Aktivitäten der “Social Media” beobachtet, nicht ohnehin wüsste und empört zur Kenntnis nimmt. Es kann unmöglich gesund sein, wenn jeder in einer nie dagewesenen Öffentlichkeit alles ungefiltert raushauen kann. Wenn brutalstmöglich auf kommerziellen Profit getrimmte Algorithmen entscheiden, was vielen Userinnen und Usern angezeigt wird, man könnte auch sagen: gehypt wird.

Wenn ein Konzern und vor allem seine alle Entscheidungen treffenden Algorithmen darauf getrimmt sind, maximalen Profit zu machen, kommen Moral, Ethik und Anstand zwangsweise unter die Räder. Es liegt an der Führungsspitze, da nachzujustieren – und anderen Werten eine Priorität einzuräumen. Etwa dem Klimaschutz, dem Wohlbefinden der Arbeitnehmer oder eben gesellschaftlichen Interessen. Das kostet die Unternehmen aber meistens Geld und muss deswegen proaktiv vorangebracht werden.

Mark Zuckerberg

Zuckerberg reagiert völlig unangemessen

Alles, was man von Mark Zuckerberg hört, klingt nach Verleugnung der Probleme. Auch was der Facebook-Chef jetzt auf die Vorwürfe von Frances Haugen antwortet: Zuckerberg argumentiert, man habe vor einigen Jahren entschieden, den Usern mehr Fotos und Videos von direkten Freunden zu zeigen. Facebook verdiene mit Werbeanzeigen, deren Auftraggeber nicht wünschten, ihre Werbung “neben schädlichen oder Wut erregenden Inhalten” zu sehen. Er kenne keinen Tech-Konzern, der Produkte herstelle, die Menschen wütend oder depressiv machten. Kann also alles nicht stimmen, was Haugen sagt? Und was kann Zuckerberg dafür?

Das ist die Logik eines Menschen, der die Realität schlichtweg nicht sehen will. Der in seiner eigenen Welt lebt, der Facebook-Bubble. Es ist ungefähr so, wie wenn ein Fabrikant unbeirrbar behauptet, der aus seinen Schloten aufsteigende dunkelgelbe Rauch sei vollkommen unbedenklich. Die Farbe sei doch so schön.

Es braucht dringend eine Intervention. Denn Facebook, Instagram und WhatsApp sind heute eine Öffentlichkeit eigener Art (was man am Montagabend gemerkt hat, als die Dienste wegen eines technischen Problems weltweit stundenlang down waren). Wir können nicht zulassen, die Kontrolle darüber einem Mann zu überlassen, der erkennbar nicht in der Lage ist, die Verantwortung für das Handeln seines Weltkonzerns zu übernehmen.

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Das Wall Street Journal veröffentlicht interne Details