Entlassungswelle im Silicon Valley

Entlassungen in der Tech-Branche

Das Silicon Valley fällt in den letzten Wochen mit Entlassungen auf: Twitter, Facebook, Stripe und andere entlassen Tausende von Arbeitskräften. Menschen, die einfach freigestellt werden – weil die Zahlen nicht stimmen.

Die Nachrichten aus dem Silicon Valley haben sich in den letzten Wochen doch entschieden verändert.

Eigentlich sind wir gewohnt, immer wieder neue Rekorde zu vermelden. Umsatzrekorde zum Beispiel. Oder neue Produkte oder Technologien zu feiern. Irgendwelche Durchbrüche… Doch der Wind scheint sich gedreht zu haben. Elon Musk bringt schon seit Wochen keine guten Nachrichten mit: Hickhack bei der Übernahme des Konzerns.

Dann Entlassung von 50% der Mitarbeiter. Und nun hat auch Facebook respektive der dahinterstehende Konzern „Meta“ die Freistellung von weltweit 11.000 Mitarbeitern angekündigt. Was ist da los im Silicon Valley – und was bedeutet das am Ende auch für uns?

Das Silicon Valley: Das unaufhörliche Wachstum hat eine Grenze erreicht
Das Silicon Valley: Das unaufhörliche Wachstum hat eine Grenze erreicht

Chaos bei Twitter: 50% der Beschäftigen entlassen

Am meisten wird im Augenblick ja über die Entlassungen bei Twitter gesprochen.

Chaos bei Twitter, seitdem Elon Musk dort die Kontrolle übernommen hat. Vor einer Woche sind etwa 3700 Leute – die Hälfte der Belegschaft – auf die Straße gesetzt worden. Auf die denkbar uneleganteste Weise, die man sich vorstellen kann: Die Mitarbeiter haben aus einer E-Mail erfahren, alle gleichzeitig, ob sie noch einen Arbeitsplatz haben oder nicht.

Turbokapitalismus as its best.

Musk ist mit dem Rasenmäher durch die Abteilungen. In der Presse- und PR-Abteilung sind nur noch zwei Leute, vorher waren es 80 bis 100. In der Abteilung „Safety und Integrität“ sind 15% der Belegschaft gekündigt worden – dabei braucht es hier eher mehr als weniger Angestellte.

Die Mitarbeiter, die sich als Tweeps bezeichnen, haben am Tag der Entlassung unter dem Hashtag #OneTeam ihre Geschichten erzählt.

Nach wie vor auf Twitter. Die meisten dort gerne gearbeitet. Aber, das gehört zur Wahrheit dazu: Twitter hat schon vor der Übernahme durch Musk regelmäßig rote Zahlen geschrieben. So gesehen ein desaströses Unternehmen.

Elon Musk schreibt: "Der Vogel ist befreit!"
Elon Musk schreibt: „Der Vogel ist befreit!“

Zuckerberg entlässt 13% der Angestellten

Auch Mark Zuckerberg stellt Mitarbeiter frei: 11.000, rund 13 Prozent der Belegschaft. Wie kommt es dazu?

Es ist der größte Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens – und zweifellos auch einer der größten der Tech-Branche. Von einem Unternehmen, das nicht pleite ist, sondern weitermacht. 11.000 Stellen, 13 Prozent der Belegschaft. Das ist ein herber Einschnitt. Mark Zucker persönlich hat diese Maßnahme bekannt gegeben.

Er begründet sie damit, dass er den Online-Boom am Anfang der Pandemie falsch eingeschätzt und in Folge zu viele neue Mitarbeiter eingestellt habe. Nun aber sei das Online-Geschäft zu früheren Trends zurückgekehrt. Zudem lasteten die schwächelnde Konjunktur und verstärkte Konkurrenz auf den Erlösen.

Auf Deutsch: Die Kunden schalten weniger Werbung. Sie halten sich zurück. Das merkt ein Unternehmen, das praktisch ausschließlich mit Werbung Geld verdient, natürlich enorm. Zuckerberg sagt, er übernehme die Verantwortung für die Entscheidungen und ihre Folgen. Was immer auch das bedeuten soll: Den Schaden haben die Menschen, die jetzt keinen Job mehr haben.

Mark Zuckerberg verwirrt mit Zielvorgaben
Mark Zuckerberg verwirrt mit Zielvorgaben und Entlassungen

Das Silicon Valley in der Krise?

Kann man denn davon sprechen, dass die großen Plattformen aus dem Silicon Valley in einer richtigen Krise sind?

Zumindest muss man feststellen, dass das unaufhörliche, fast schon automatische Wachstum ein Ende hat. Irgendwann hat jeder Twitter, der Twitter benutzen möchte. Jeder hat WhatsApp, Instagram, Facebook – eine weltweite Sättigung tritt ein. Aber mehr als das: Es gibt ja auch Konkurrenz. Vor allem TikTok, ein chinesisches Unternehmen, das das Wachstum von Instagram deutlich bremst – und mittlerweile Werbegelder abgreift.

Hinzu kommt aber, dass Krieg, Inflation und allgemeine Verunsicherung dazu führen, dass Werbekunden sich zurückhalten – und weniger Werbung buchen. Also entschleunigt sich das Wachstum an Nutzern, teilweise gehen Nutzerzahlen sogar zurück – und die Werbeeinnahmen gehen zurück.

Das bleibt nicht ohne Konsequenzen. Für Konzerne, die nahezu ausschließlich mit Werbung Geld verdienen, ist das ein großes Problem. Auch Google ist davon betroffen. Allerdings ist der Konzern Google breiter aufgestellt. Und die Suchmaschine Google und der Videodienst Youtube sind beide gleichbleibend erfolgreich.

Boom zu Ende?

Aber wie geht’s weiter? Wird es zum Beispiel weitere Entlassungen bei den Digitalkonzernen geben?

Auch die kleineren Unternehmen haben Stellenabbau angekündigt, etwa der Zahlungsabwickler Stripe. Stripe will 14% der Belegschaft entlassen. 1.100 Mitarbeiter. Der Stripe-Chef kündigt das sogar auf Twitter an und bietet anderen Unternehmen an, die Mitarbeiter zu übernehmen.

Auch hier: Die Betroffenen haben das „innerhalb von 15 Minuten“ per E-Mail erfahren. Auch der Fahrdienst-Vermittler Lyft hat 13% seiner 5000 Leute vor die Tür gesetzt. Kahlschlag – und das in einer absolut sozial-unverträglichen Art. Die sich lässig gebenden Leader in T-Shirt und Polohemd exekutieren ihre Mitarbeiter eiskalt und gnadenlos, emotionsloser als so mancher Banker.

Klar ist: Die Digitalkonzerne aus den USA sind ungewöhnlich hohe Erträge gewohnt. Die könnte es in Zukunft womöglich so nicht mehr geben. Es muss mehr investiert werden, die Risiken nehmen zu. Das ist man im Silicon Valley nicht wirklich gewohnt.

 

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