De-Mail ist gescheitert: Warum Deutschlands sichere E-Mail nie funktionierte

von | 09.03.2015 | Tipps

De-Mail ist gescheitert – das muss man 2026 ehrlich sagen. Was als sichere Alternative zur normalen E-Mail beworben wurde, hat sich als Millionengrab entpuppt. Die von Telekom, United Internet und anderen Anbietern beworbene Deutschland-Mail sollte die Kommunikation mit Behörden revolutionieren. Stattdessen nutzt sie praktisch niemand. Zeit für eine schonungslose Bilanz.

Wahrscheinlich geht es den meisten so wie mir: Ihr habt zwar mal ein De-Mail-Postfach eingerichtet, aber dann doch irgendwie nie benutzt. Mein De-Mail-Postfach ist seit Jahren tot – und das aus gutem Grund.

Dabei klang das Konzept verlockend: Rechtssichere E-Mails, digitale Behördengänge, sichere Kommunikation mit Versicherungen. Doch von Anfang an fehlte das Wichtigste: eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Warum? Damit Behörden im Zweifel alles mitlesen können. Das macht eine „sichere“ E-Mail zum schlechten Witz.

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PGP kam zu spät – und brachte nichts mehr

Ab 2015 führten die Anbieter tatsächlich PGP-Verschlüsselung ein. Private User, Unternehmen und Ämter konnten dann per De-Mail vertrauliche Inhalte per PGP Ende-zu-Ende schützen. Die Browser-Erweiterung „Mailvelope“ machte es möglich – aber nur in Firefox und Chrome.

Doch der Schaden war bereits angerichtet. Wer eine sichere E-Mail-Lösung brauchte, war längst zu ProtonMail, Tutanota oder anderen Anbietern gewechselt. Diese boten von Anfang an, was De-Mail jahrelang verweigerte: echte Sicherheit als Standard, nicht als nachträglich aufgepfropfte Option.

Warum De-Mail wirklich scheiterte

Das Problem war nie nur die fehlende Verschlüsselung. De-Mail scheiterte an mehreren Fronten:

Zu teuer: Während normale E-Mails kostenlos sind, kostete De-Mail monatliche Gebühren. Für einen Service, der nicht besser war als die kostenlosen Alternativen.

Zu kompliziert: Die Einrichtung war umständlich, die Nutzung unintuitiv. Warum sollte man sich das antun, wenn Gmail oder Outlook.com einfacher funktionieren?

Zu wenig Akzeptanz: Behörden und Unternehmen implementierten De-Mail nur halbherzig. Oft war der klassische Postweg immer noch nötig.

Vertrauensverlust: Nach den NSA-Enthüllungen und Diskussionen über Vorratsdatenspeicherung glaubte niemand mehr daran, dass ein staatlich geförderter E-Mail-Service wirklich privat ist.

Was heute funktioniert

Während De-Mail vor sich hin dümpelt, haben sich längst praktikablere Lösungen durchgesetzt:

Signal und WhatsApp für schnelle, verschlüsselte Nachrichten – auch mit Behörden und Unternehmen.

ProtonMail und Tutanota für sichere E-Mail-Kommunikation mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Standard.

Digitale Behördendienste laufen heute über Portale wie das Bundesportal oder Länderportale – ohne De-Mail.

Elektronische Signatur funktioniert über eIDAS-konforme Anbieter deutlich besser als über De-Mail.

Die Lehren aus dem De-Mail-Desaster

De-Mail zeigt exemplarisch, wie digitale Transformation in Deutschland oft läuft: zu spät, zu teuer, zu bürokratisch. Statt auf bewährte Standards zu setzen, wurde eine deutsche Sonderlösung entwickelt, die niemand brauchte.

Während andere Länder auf bewährte Technologien setzten, bastelte Deutschland an einer Lösung, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Die Kosten: Hunderte Millionen Euro Steuergeld und Jahre verlorener Zeit bei der Digitalisierung.

De-Mail soll sicherer werden: Ab April mit #pgp Ende zu Ende Verschlüsselung möglich #instaSchieb

Ein von schieb.de (Jörg Schieb) (@schiebde) gepostetes Video am

Was bleibt von De-Mail?

Heute, 2026, ist De-Mail praktisch tot. Die meisten Anbieter haben den Service eingestellt oder auf Sparflamme gesetzt. Die wenigen verbliebenen Nutzer sind hauptsächlich Unternehmen, die gesetzlich dazu verpflichtet sind.

Die Ironie: Ausgerechnet jetzt, wo De-Mail endgültig gescheitert ist, funktioniert sichere digitale Kommunikation besser denn je. Signal, ProtonMail, Threema und andere haben gezeigt, wie es richtig geht: Sicherheit von Anfang an, benutzerfreundlich und ohne staatliche Hintertüren.

De-Mail sollte eine Lehre sein für alle zukünftigen Digitalisierungsprojekte: Deutsche Sonderwege führen meist in die Sackgasse. Besser wäre es, auf internationale Standards zu setzen und diese konsequent umzusetzen.

Zuletzt aktualisiert am 16.04.2026