Saugroboter verkaufen eure Wohnungsdaten

von | 25.07.2017 | Hardware

Warum sich nicht ein bisschen bei der Hausarbeit helfen lassen? Saugroboter sind längst keine Zukunftsmusik mehr – sie navigieren geschickt durch eure Wohnungen und sammeln dabei Krümel, Staub und Dreck auf. Doch sie sammeln nicht nur Schmutz, sondern auch hochsensible Daten. Und die werden inzwischen zu einem lukrativen Geschäftsmodell für die Hersteller.

Was vor Jahren noch eine Befürchtung war, ist heute bittere Realität geworden. Hersteller wie iRobot, Roborock, Ecovacs und andere nutzen die von ihren Saugerobotern gesammelten Daten längst als zusätzliche Einnahmequelle. Die dabei entstehenden Wohnungsgrundrisse und Nutzungsprofile sind für Smart-Home-Anbieter, Möbelhersteller und Versicherungen Gold wert.

Die Saugeroboter vermessen mit ihren LiDAR-Sensoren, Kameras und anderen Technologien permanent eure Wohnung: Wo sind Wände, wo Treppen, wo stehen Möbel? Welche Räume werden wie oft genutzt? Wie groß ist die Wohnfläche? Diese Daten sind wichtig, damit der Robot seine Arbeit optimieren kann. Moderne Geräte erstellen dabei extrem präzise 3D-Karten eurer vier Wände.

Datenhandel als Geschäftsmodell

iRobot war nur der Anfang. Heute verkaufen praktisch alle großen Hersteller von Saugrobotern Nutzungsdaten an Dritte. Nach der Übernahme von iRobot durch Amazon 2022 wurde diese Praxis noch systematischer ausgebaut. Die gesammelten Grundrisse fließen direkt in Amazons Smart-Home-Ökosystem und werden für zielgerichtete Werbung genutzt.

Auch chinesische Hersteller wie Roborock oder Xiaomi leiten Daten ihrer europäischen Kunden an Partnerunternehmen weiter – oft mit unklaren Datenschutzbestimmungen. Das Problem: Viele Nutzer haben dem in den ellenlangen AGBs zugestimmt, ohne es zu merken.

Die Daten sind extrem wertvoll: Versicherungen können Risiken präziser bewerten, wenn sie wissen, wie groß eure Wohnung ist und welche Einrichtung ihr habt. Möbelhersteller erfahren, wo noch Platz für neue Stühle oder Regale wäre. Energieversorger können den Verbrauch besser kalkulieren, wenn sie die Wohnungsgröße kennen.

Saugroboter erstellen heute zentimetergenaue Grundrisse der Wohnung

Überwachung im eigenen Zuhause

Die heutigen Saugroboter sind rollende Spionagezentralen geworden. Viele Modelle haben inzwischen Kameras verbaut, die angeblich nur zur Navigation dienen. Tatsächlich nehmen sie aber auch Bilder eurer Einrichtung auf – und laden diese in die Cloud hoch.

2025 wurde bekannt, dass Hacker sich Zugang zu den Kameras von Ecovacs-Robotern verschafft hatten und Nutzer ausspionieren konnten. Bei anderen Herstellern gab es ähnliche Datenlecks, bei denen Wohnungsgrundrisse von Millionen von Haushalten öffentlich einsehbar waren.

Besonders problematisch: Moderne Saugroboter erkennen mittlerweile auch, welche Art von Schmutz sie aufsaugen. Sie wissen, ob ihr Haustiere habt, wie oft ihr staubsaugt, welche Räume ihr meidet. Diese Verhaltensdaten sind für Werbetreibende extrem wertvoll.

Werft man all die Daten zusammen, die von Smart-Home-Geräten gesammelt werden, entstehen detaillierte Profile eures Privatlebens. Thermostate verraten eure Gewohnheiten, Smart-TVs wissen, was ihr schaut, vernetzte Steckdosen messen euren Stromverbrauch. Der Saugroboter liefert dazu den kompletten Grundriss.

So schützt ihr euch

Trotzdem müsst ihr nicht auf die praktischen Helfer verzichten. Achtet beim Kauf auf Hersteller, die explizit auf Datenweitergabe verzichten – wie etwa der deutsche Anbieter Vorwerk oder einige europäische Marken.

In den Einstellungen könnt ihr oft die Datenübertragung in die Cloud deaktivieren. Dann funktioniert der Roboter zwar offline, aber eure Grundrisse bleiben privat. Einige Geräte bieten auch lokale Speicherung der Karten an.

Prüft regelmäßig die Datenschutzeinstellungen in den Hersteller-Apps. Oft werden dort neue „Features“ automatisch aktiviert, die weitere Daten sammeln. Lest die AGBs – ja, wirklich – besonders die Passagen zur Datenweitergabe.

Alternativ gibt es inzwischen auch Open-Source-Firmware wie Valetudo, mit der ihr viele Saugroboter vom Internet trennen und trotzdem alle Funktionen nutzen könnt.

Der Datenhandel mit unseren privatesten Räumen ist längst Realität geworden. Aber mit dem richtigen Bewusstsein und den passenden Einstellungen könnt ihr eure Privatsphäre schützen – auch mit Saugroboter im Haus.

Zuletzt aktualisiert am 02.04.2026