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Sprachassistenten: Wissenschaftlicher Dienst hat Bedenken

von | 10.07.2019 | Digital

Wenn wir mit unseren eigenen Sprachassistenten sprechen, ist das eine Sache. Wir wissen, dass sie da sind, wo sie stehen und auf welche Schlüsselbegriffe sie reagieren. Doch Besucher wissen das nicht – und Kinder können die Risiken nicht einschätzen. Durchaus problematisch, findet der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages – und das Problem hat sich seit 2019 noch verschärft.

In praktisch jedem zweiten Haushalt stehen heute Sprachassistenten wie Alexa, Google Home, HomePod oder die neuen KI-Assistenten von Samsung und anderen Herstellern. Die Bewohner sollten schon wissen, auf was sie sich da einlassen.

Aber was ist mit den Gästen, die die Wohnung betreten – und nicht wissen, dass möglicherweise Sprachfetzen aufgezeichnet werden? Mittlerweile ist hinreichend bekannt, dass Assistenten wie Alexa, Google Assistant oder Siri gerne schon mal Gespräche aufzeichnen und in der Cloud speichern – obwohl das dafür nötige Schlüsselwort gar nicht gefallen ist.

Wer schützt Besuch vor dem Belauschtwerden?

Ein Aspekt, an den viele gar nicht denken: Wer gar nicht weiß, dass er möglicherweise abgehört wird, aber trotzdem von „smarten“ Lautsprechern belauscht wird, geht ein erhebliches Risiko ein. Laut einer Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ist das in der Tat problematisch.

Das Problem hat sich sogar noch verschärft: Moderne KI-Assistenten wie ChatGPT Voice, Claude oder die neuen Gemini-Funktionen sind deutlich gesprächiger geworden und reagieren auf mehr Auslösewörter. Sie verstehen Kontext besser und können längere Gespräche führen – was mehr Daten bedeutet, die potenziell gespeichert werden.

Wie damit umgehen? Vielleicht mit Aufklebern, wie wir sie aus dem Öffentlichen Raum kennen: „Dieser Bereich wird video-überwacht“, steht meistens drauf – daneben eine Videokamera.

Wäre das nicht eine mögliche Lösung? Auf der eigenen Haustür klebt ein Sticker: „Achtung, in dieser Wohnung hört Alexa mit – und merkt sich alles!“. Amazon könnte die Aufkleber ja liefern.

Neue Datenschutz-Regeln greifen zu kurz

Seit 2025 gelten zwar neue EU-Richtlinien für KI-Systeme (AI Act), die auch Sprachassistenten betreffen. Doch diese konzentrieren sich hauptsächlich auf gewerbliche Nutzung und hochrisiko-KI. Für den privaten Hausgebrauch gibt es weiterhin wenig konkrete Regelungen.

Das ist problematisch, denn die Geräte sind nicht nur zahlreicher, sondern auch intelligenter geworden. Matter-kompatible Smart-Home-Geräte können mittlerweile mit mehreren Assistenten gleichzeitig kommunizieren. Bedeutet: In einem Raum hören potenziell drei verschiedene Systeme mit – Amazon, Google und Apple.

Kinder besonders gefährdet

Und noch ein Problem gibt es laut Wissenschaftlichem Dienst: Kinder und Jugendliche. Auch wenn sie sprechen, hören die Assistenten zu und speichern das möglicherweise. Ohne dass die Eltern explizit zustimmen würden.

Weiteres Problem: Kinder und Jugendliche könnten über die neuen KI-Funktionen Inhalte abrufen, die gar nicht für sie gedacht oder geeignet sind. ChatGPT, Gemini und Co. können via Sprachbefehl alle möglichen Inhalte generieren – Jugendschutz-Filter greifen hier oft nicht.

Besonders brisant: Viele neue Sprachassistenten nutzen generative KI, die auf Nachfrage auch bedenkliche Inhalte erstellen kann. Ein Kind fragt unschuldig nach einer Geschichte – und bekommt möglicherweise ungeeignete Inhalte präsentiert.

Politik ignoriert weiterhin das Problem

Und die Politik? Zuckt mit den Achseln. Wie immer. Das Bundesinnenministerium fühlt sich nach wie vor nicht zuständig – außer wenn es um die Auswertung der Daten geht.

Wenn es darum geht, die aufgezeichneten Gespräche und Daten auszuwerten, fühlt sich das Innenministerium durchaus zuständig. Wenn es aber darum geht, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Bürger geschützt werden können, ist amtlich verordneter Tiefschlaf angesagt.

Immerhin: Einige Hersteller haben reagiert. Apple hat 2024 neue Datenschutz-Features eingeführt, Google bietet seit 2025 einen „Gast-Modus“ an. Doch das reicht nicht aus, wenn Nutzer diese Funktionen gar nicht kennen oder aktivieren.

Was können wir selbst tun?

Bis die Politik aufwacht, solltet ihr selbst aktiv werden:

Physische Stummschaltung nutzen: Alle modernen Geräte haben Hardware-Buttons zum Deaktivieren
Gäste informieren: Ein einfacher Hinweis beim Betreten der Wohnung
Kindersicherung aktivieren: Bei allen Herstellern verfügbar, aber oft versteckt
Regelmäßige Datenprüfung: Aufzeichnungen alle paar Wochen kontrollieren und löschen
Alternative Standorte: Sprachassistenten nicht im Wohnzimmer, sondern in weniger frequentierten Räumen

Das Grundproblem bleibt: Wir haben praktisch unkontrollierbare Abhörgeräte in unseren Wohnungen installiert – und die Politik schaut weg. Zeit, dass sich das ändert.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026

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