Der jahrelange Kampf zwischen Apple und Epic Games um App-Store-Regeln hat die gesamte Tech-Branche verändert. Während die EU mit dem Digital Markets Act neue Standards setzt, zeigen aktuelle Entwicklungen: Die Macht der Plattform-Giganten bröckelt – doch der Wandel kommt langsamer als erhofft.
Ein neues Auto. Hurra!
Wie schick es doch ist. Diese schönen Formen. Die Farbe – der Lack! Im Innenraum Komfort satt. Da will man sich doch gleich reinsetzen und losfahren …
Doch was ist das? Das Autoradio spielt nur Sender, die der Autohersteller genehmigt. Getankt werden darf nur mit der Tankkarte des Herstellers, der bei jedem Tankvorgang Provision abzwackt. Die Reifen dürfen nur in der Vertragswerkstatt ersetzt werden – natürlich nur durch Modelle, die der Autohersteller zertifiziert.

Apple entscheidet, was im App-Store landet und was nicht
Apple entscheidet, was aufs Handy darf
Unvorstellbar? Bei Autos zum Glück schon. Bei Handys war das bis vor kurzem noch Realität – und ist es teilweise immer noch.
Vor allem bei Apple. Welche Apps im App-Store landen, entscheidet noch immer primär Apple. Auch, welche Regeln diese zu befolgen haben. Und wenn es etwas zu verdienen gibt, dann will Apple seine Provision haben – die seit 2021 zwar für kleinere Entwickler auf 15 Prozent reduziert wurde, für die großen Player aber weiterhin bei 30 Prozent liegt.
Diese Macht über das Ökotop „iPhone und iPad“ störte schon lange viele App-Anbieter. Der Games-Entwickler Epic Games, bekannt durch seinen Blockbuster „Fortnite“, wagte 2020 den offenen Kampf mit Apple. Der daraus resultierende Rechtsstreit und seine Folgen haben die gesamte Branche nachhaltig geprägt.
Der Rechtsstreit und seine Folgen
Was 2021 in Oakland vor Gericht verhandelt wurde, wirkt bis heute nach. Obwohl Epic Games den Prozess größtenteils verlor – Apple durfte seine grundsätzlichen App-Store-Regeln behalten – gab es wichtige Teilerfolge. Apple musste zugestehen, dass Entwickler auf alternative Zahlungsmethoden hinweisen dürfen.
Viel wichtiger jedoch: Der Fall sensibilisierte Regulierungsbehörden weltweit. In der EU führte dies zum Digital Markets Act (DMA), der seit März 2024 in Kraft ist. Apple musste daraufhin erstmals alternative App-Stores in Europa zulassen – auch wenn die Umsetzung zunächst mit hohen Hürden versehen war.
Europa zwingt Apple zum Umdenken
Der Digital Markets Act hat Apple zu grundlegenden Änderungen gezwungen. In der EU können iPhone-Nutzer seit 2024 Apps aus alternativen Stores installieren. Entwickler dürfen eigene Zahlungssysteme verwenden und müssen nicht mehr zwangsläufig Apples 30-Prozent-Gebühr zahlen.
Allerdings machte es Apple anfangs kompliziert: Eine „Core Technology Fee“ von 50 Cent pro App-Installation nach den ersten einer Million Downloads sollte alternative Stores unattraktiv machen. Nach massiver Kritik ruderte Apple teilweise zurück und führte flexiblere Modelle ein.
Auch der Streamingdienst Spotify, der sich jahrelang über Apples Praktiken beschwerte, profitiert von den neuen Regeln. Spotify kann nun direkt in der App auf günstigere Abo-Preise außerhalb des App-Stores hinweisen – ein wichtiger Durchbruch nach Jahren des Protests.
Fortnite kehrt zurück – aber anders
Ein symbolischer Moment: Ende 2024 kehrte Fortnite nach vier Jahren Abwesenheit auf iPhones zurück – allerdings nicht über Apples App-Store, sondern über den eigenen Epic Games Store. Möglich machte das der Digital Markets Act. Für Millionen von Spielern war das ein lang ersehnter Sieg.
Epic Games nutzt seinen eigenen Store clever: Niedrigere Preise für In-Game-Käufe, da keine Apple-Provision anfällt, und exklusive Inhalte locken Nutzer. Andere große Entwickler wie Meta und Microsoft prüfen ähnliche Schritte.
Die USA hinken hinterher
Während Europa voranschreitet, bleibt die Situation in den USA weitgehend unverändert. Zwar gibt es verschiedene Gesetzentwürfe im Kongress, doch politische Blockaden verhindern durchgreifende Reformen. Apple profitiert davon und kann auf dem wichtigsten Markt weiterhin seine strengen Regeln durchsetzen.
Interessant: Googles Play Store steht unter ähnlichem Druck. Epic Games gewann 2023 auch gegen Google – mit der Begründung, Android sei zwar theoretisch offener, Google verhindere aber faktisch Konkurrenz durch Deals mit Geräteherstellern.
Was bedeutet das für euch?
Als iPhone-Nutzer in Europa habt ihr heute mehr Wahlfreiheit – wenn auch begrenzt. Alternative App-Stores etablieren sich langsam, echte Konkurrenz zu Apples Angebot gibt es aber noch nicht flächendeckend.
Die Preise sinken teilweise: Apps und Spiele können günstiger werden, wenn Entwickler auf alternative Vertriebswege setzen. Allerdings steigt auch die Komplexität – ihr müsst mehr selbst entscheiden und auf Sicherheit achten.
Apple argumentiert weiterhin mit Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Tatsächlich bleibt der App-Store der sicherste Weg, Apps zu installieren. Alternative Stores müssen erst beweisen, dass sie ähnlich hohe Standards halten können.
Ausblick: Der Kampf geht weiter
Der Epic-Apple-Streit war nur der Anfang. Weitere Regulierung ist absehbar: Die EU prüft bereits, ob Apples DMA-Umsetzung ausreicht. In den USA könnten die nächsten Wahlen neue Bewegung bringen.
Für die Tech-Branche bedeutet das: Das Zeitalter der unkontrollierten Plattform-Macht neigt sich dem Ende zu. Ob das letztendlich gut für Verbraucher ist, wird sich zeigen. Mehr Auswahl ist prinzipiell positiv – aber auch komplexer und potenziell riskanter.
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Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026





