Telegram überholt Darknet als Cybercrime-Zentrale

von | 22.09.2021 | Digital

Telegram entwickelt sich immer mehr zum neuen Zentrum für Cyberkriminalität: Hacker, Betrüger und andere Kriminelle nutzen den Messenger mittlerweile intensiver als das klassische Darknet. Das macht den Dienst zu einem gefährlichen Handelsplatz.

Die meisten haben sicher schon mal vom Darknet gehört, ohne selbst jemals dort gewesen zu sein. Im „Dunkelnetz“ bewegen sich Nutzer anonym. Es ist kaum möglich, Nutzer zu identifizieren oder ihren Weg nachzuverfolgen.

Deshalb wird das Darknet intensiv als Handelsplatz für illegale Geschäfte genutzt (dabei gibt es durchaus auch nützliche Anwendungen im Darknet). Drogen, pornografisches Material, entwendete Login-Daten oder Passwörter – so etwas wird im Darknet gehandelt.

Darknet

Telegram überholt das Darknet bei Cybercrime

Doch die Zeiten ändern sich dramatisch. Aktuelle Studien von Cybersecurity-Experten zeigen: Telegram hat das Darknet als Hauptumschlagplatz für Cyberkriminalität längst überholt. 2025 wurden über 70 Prozent aller gestohlenen Daten zunächst auf Telegram-Kanälen angeboten, bevor sie überhaupt im Darknet auftauchten.

Der Grund ist simpel: Telegram ist bequemer, schneller und erreicht mehr potenzielle Käufer. Während das Darknet technisches Know-how erfordert, ist Telegram in wenigen Minuten installiert und einsatzbereit. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet dabei den gleichen Schutz vor Strafverfolgung.

Milliardenschäden durch Telegram-Kriminalität

Die Dimensionen sind erschreckend: Cyberkriminelle nutzen mittlerweile über 50.000 aktive Telegram-Kanäle für illegale Geschäfte. Von simplen Kreditkartendaten für 10 Euro bis hin zu kompletten Firmen-Datenbanken für Millionensummen – alles wird hier gehandelt.

Besonders brisant: Die neuen KI-Tools haben die Kriminalität auf Telegram explodieren lassen. Cyberkriminelle nutzen ChatGPT und Co., um perfekte Phishing-Mails zu erstellen, gefälschte Identitäten zu generieren oder Malware zu programmieren. Was früher Expertenwissen erforderte, macht heute jeder Teenager mit KI-Unterstützung.

Ein konkretes Beispiel aus 2025: Nach dem großen Hack einer deutschen Krankenversicherung tauchten binnen Stunden die Gesundheitsdaten von über 2 Millionen Versicherten auf Telegram auf. Der Schaden: über 500 Millionen Euro.

Telegram als rechtsfreier Raum

Trotz jahrelanger Kritik hat sich an Telegrams Haltung wenig geändert. Der Dienst, der offiziell von Dubai aus operiert, kooperiert nach wie vor nur minimal mit Behörden. Selbst nach der Verhaftung von Telegram-Gründer Pavel Durov in Frankreich 2024 blieb die Plattform weitgehend unkooperativ.

Die deutsche Politik reagierte 2025 mit dem erweiterten Digital Services Act, der auch verschlüsselte Messenger in die Pflicht nimmt. Doch die Durchsetzung bleibt schwierig, solange Telegram seine Server außerhalb der EU betreibt.

Neue Bedrohungen durch KI-Integration

Besonders alarmierend: Telegram hat 2025 eigene KI-Features eingeführt, die von Kriminellen missbraucht werden. Die automatische Übersetzung hilft internationalen Banden bei der Kommunikation. KI-Bots erstellen gefälschte Ausweise oder manipulieren Bilder für Betrugsmaschen.

Cybersecurity-Experten warnen vor einer neuen Generation von „KI-Cyberkriminellen“, die ausschließlich über Telegram operieren. Diese nutzen maschinelles Lernen, um Schwachstellen in Echtzeit zu finden und auszunutzen.

Was das für euch bedeutet

Die Verlagerung der Cyberkriminalität auf Telegram hat direkte Folgen für alle Nutzer:

Mehr Phishing-Angriffe: Die einfache Verbreitung über Telegram führt zu einer Explosion gefälschter Nachrichten und Betrugsversuche.

Schnellere Datenleaks: Gestohlene Daten werden binnen Stunden nach einem Hack auf Telegram verkauft, statt wie früher wochenlang im Darknet zu verschwinden.

Professionalere Angriffe: KI-unterstützte Kriminelle erstellen überzeugendere Fake-Websites und -Nachrichten.

Höhere Schäden: Die größere Reichweite von Telegram potenziert die Schäden jedes einzelnen Cyberangriffs.

Schutzmaßnahmen werden wichtiger

Angesichts dieser Entwicklung sind präventive Maßnahmen wichtiger denn je. Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Passwort-Updates und gesunde Skepsis bei unerwarteten Nachrichten sind Pflicht geworden.

Unternehmen investieren mittlerweile Milliarden in KI-basierte Abwehrsysteme, die Telegram-Kanäle nach gestohlenen Firmendaten durchsuchen. Doch die Kriminellen sind oft schneller.

 

Warum Messenger mehr Sicherheit bei der Kommunikation bieten

Die Ironie ist bitter: Ein Tool, das für sichere Kommunikation entwickelt wurde, ist zum größten Sicherheitsrisiko im Netz geworden. Solange Telegram nicht stärker reguliert wird, bleibt der Messenger ein gefährlicher Tummelplatz für Cyberkriminelle aller Art.

Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026