Von Russland finanzierte Hackertruppen stehen schon lange im Verdacht, westliche Infrastruktur zu attackieren. Die Vulkan Files haben 2023 erstmals einen direkten Blick in die Operationen gewährt – doch die Bedrohung ist heute noch viel größer.
Das „Vulkan-Files-Leak“ von 2023 war nur der Anfang: Seither haben staatlich finanzierte Hackergruppen ihre Angriffe auf westliche Infrastruktur massiv verstärkt. Was damals als Warnung galt, ist heute bittere Realität. Die Erkenntnisse von damals sind aktueller denn je – und haben sich um neue, noch gefährlichere Dimensionen erweitert.
Kritische Infrastruktur im Fadenkreuz
Die ursprünglichen Vulkan Files zeigten bereits, dass russische Hackertruppen gezielt kritische Infrastruktur ins Visier nehmen. 2024 und 2025 haben diese Angriffe eine neue Qualität erreicht: Stromnetze, Wassersysteme und Verkehrsleitsysteme stehen unter permanentem Beschuss. Besonders perfide: Die Angreifer installieren oft nur Backdoors und aktivieren sie erst bei politischen Spannungen.
Unternehmen und Behörden müssen heute von einer dauerhaften Bedrohungslage ausgehen. Zero-Trust-Architekturen sind nicht mehr optional, sondern überlebenswichtig. Jedes System muss so konzipiert sein, dass es auch bei einem Teilausfall funktionsfähig bleibt.
KI verändert das Spiel fundamental
Was 2023 noch Zukunftsmusik war, ist heute Realität: KI-gestützte Cyberangriffe haben die Landschaft völlig verändert. Angreifer nutzen maschinelles Lernen, um Sicherheitslücken automatisch zu identifizieren und maßgeschneiderte Angriffe zu entwickeln. Deepfake-Technologie macht Social Engineering so überzeugend, dass selbst erfahrene IT-Profis darauf hereinfallen.
Gleichzeitig revolutioniert KI aber auch die Verteidigung: Moderne Security Operations Centers (SOCs) können heute Angriffe in Echtzeit erkennen und automatisch Gegenmaßnahmen einleiten. Machine Learning analysiert Verhaltensmuster und erkennt Anomalien, lange bevor menschliche Analysten sie bemerken würden.
Auch Flughäfen sind offizielle Angriffsziele
Ransomware-as-a-Service boomt
Ein besonders beunruhigender Trend: Cyberkriminelle bieten ihre Dienste heute wie normale Software-Services an. „Ransomware-as-a-Service“ ermöglicht es auch technischen Laien, verheerende Angriffe zu starten. Die Einstiegshürden sind dramatisch gesunken, während die Angriffe gleichzeitig professioneller werden.
Moderne Ransomware verschlüsselt nicht nur Daten, sondern stiehlt sie vorher – sogenannte „Double Extortion“. Selbst wer Backups hat, steht vor der Wahl: Zahlen oder die Veröffentlichung sensibler Daten riskieren.
Supply Chain: Das schwächste Glied
Die Vulkan Files haben bereits gezeigt, wie Angreifer über Drittanbieter in Systeme eindringen. Diese Taktik hat sich zur bevorzugten Angriffsmethode entwickelt. Warum direkt die gut geschützte Festung angreifen, wenn man über den weniger gesicherten Lieferanten hineinkommt?
Jedes Unternehmen ist heute nur so sicher wie sein schwächstes Glied in der Lieferkette. Regelmäßige Sicherheitsaudits aller Partner sind unverzichtbar geworden. Viele Organisationen führen inzwischen „Cyber-Stress-Tests“ durch, bei denen sie simulieren, was passiert, wenn wichtige Zulieferer kompromittiert werden.
Quantum Computing: Neue Bedrohung am Horizont
Was 2023 noch ferne Zukunft schien, rückt immer näher: Quantum Computing bedroht die Grundlagen unserer heutigen Verschlüsselung. Zwar sind praktikable Quantencomputer noch Jahre entfernt, aber Angreifer sammeln bereits heute verschlüsselte Daten – in der Hoffnung, sie später entschlüsseln zu können.
Unternehmen beginnen bereits mit der Migration zu „Post-Quantum-Kryptografie“. Der Übergang wird Jahre dauern und Milliarden kosten – aber er ist unvermeidlich.
Was ihr jetzt tun müsst
Sofortmaßnahmen:
– Implementiert Multi-Faktor-Authentifizierung überall
– Führt regelmäßige Penetrationstests durch
– Erstellt und testet Incident-Response-Pläne
– Schult Mitarbeiter kontinuierlich in Cybersecurity
Mittelfristig:
– Migration zu Zero-Trust-Architekturen
– Investition in KI-basierte Sicherheitslösungen
– Aufbau redundanter Systeme
– Etablierung von Threat-Intelligence-Programmen
Langfristig:
– Vorbereitung auf Post-Quantum-Kryptografie
– Entwicklung von Cyber-Resilienz-Strategien
– Aufbau internationaler Kooperationen
Die Vulkan Files waren nur der Anfang. Die heutige Bedrohungslage ist komplexer und gefährlicher als je zuvor. Aber sie ist auch beherrschbar – wenn wir sie ernst nehmen und entsprechend handeln. Cybersecurity ist kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Prozess. Wer das versteht und umsetzt, kann auch in dieser neuen Ära der Cyberbedrohungen bestehen.
Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026