Kleinanzeigen hat sich vom eBay-Konzern gelöst und präsentiert sich mit neuem Look und eigener App. Doch trotz frischem Design sind die alten Betrügereien geblieben – und haben sich sogar weiterentwickelt. Wer nicht aufpasst, kann schnell viel Geld verlieren.
Auch wenn vieles anders erscheint, haben sich bewährte Betrugsmaschen nahtlos auf die neue Plattform übertragen. Die Betrüger sind dabei immer raffinierter geworden und nutzen moderne Kommunikationswege geschickt aus. Zwei besonders perfide Methoden dominieren das Geschehen – und beide zielen darauf ab, euch um euer Geld zu bringen.
Der Speditionsversand – klassisch aber effektiv
Diese Masche hat sich bewährt und funktioniert auch 2026 noch erschreckend gut. Potenzielle Käufer – meist junge, attraktive Frauen auf den Profilbildern – melden sich über WhatsApp oder andere Messenger-Dienste. Sie zeigen großes Interesse an eurer sperrigen Ware und bieten sofortige Bezahlung plus Speditionsabholung an.
Die Geschichte klingt plausibel: Sie wohnen weit weg, haben keine Transportmöglichkeit, aber dringenden Bedarf. Für die Überweisung benötigen sie eure IBAN. Kurz nach der Weitergabe erhaltet ihr eine professionell gefälschte Bestätigung „eurer Bank“, dass das Geld eingegangen sei. Diese E-Mails werden immer authentischer – die Betrüger nutzen eure IBAN, um die richtige Bank zu identifizieren und entsprechende Templates zu erstellen.
Besonders perfide ist die Überzahlungs-Variante: Die vermeintliche Überweisung liegt deutlich über dem Kaufpreis. Der „Käufer“ bittet um Rücküberweisung der Differenz – natürlich bevor klar wird, dass nie Geld eingegangen ist. Parallel dazu taucht oft eine vermeintliche Spedition auf, die die Ware schnell abholt.
Die erbeuteten IBANs werden nicht nur für den aktuellen Betrug genutzt, sondern auch weiterverkauft oder für andere kriminelle Aktivitäten missbraucht. Die goldene Regel bleibt unverändert: Erst das Geld – selbst überprüft auf dem eigenen Konto – dann die Ware!
Gefälschte Sicherheitszahlungen – die moderne Variante
Diese Betrugsmasche hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und nutzt das gestiegene Sicherheitsbewusstsein der Nutzer geschickt aus. Viele kennen mittlerweile den offiziellen Bezahldienst von Kleinanzeigen und fühlen sich bei dessen Erwähnung sicher.
Die Betrüger spielen genau mit diesem Vertrauen: Ein interessierter Käufer meldet sich, zeigt Kaufbereitschaft und schlägt die „sichere Zahlung über Kleinanzeigen“ vor. Dafür benötigt er angeblich eure Handynummer. Das klingt seriös – schließlich kennen viele den Service und wissen, dass er tatsächlich existiert.
Nach Weitergabe der Nummer erhaltet ihr per SMS oder WhatsApp einen professionell aussehenden „sicheren Zahlungslink“. Die verlinkten Seiten sind täuschend echt gestaltet und imitieren das Design bekannter Zahlungsdienstleister oder sogar von Kleinanzeigen selbst.
Auf diesen Fake-Seiten sollt ihr eure Zahlungsdaten eingeben – Kreditkarteninformationen, Online-Banking-Zugänge oder andere sensible Daten. Der Vorwand: Kleinanzeigen müsse die Daten verifizieren, um euch das Geld vom Käufer zu überweisen. Was natürlich nie passiert. Stattdessen werden eure Daten sofort missbraucht, und ihr findet später unerklärliche Abbuchungen auf euren Konten.
Neue Entwicklungen und Schutzmaßnahmen
Die Betrüger haben ihre Methoden 2025 und 2026 weiter verfeinert. Sie nutzen mittlerweile KI-generierte Profilbilder, die schwerer als Fakes zu erkennen sind. Auch die Kommunikation wird natürlicher – teilweise setzen sie ChatGPT oder ähnliche Tools ein, um glaubwürdige Nachrichten zu verfassen.
Kleinanzeigen hat reagiert und verschiedene Sicherheitsfeatures eingeführt: Verdächtige Profile werden schneller erkannt, Nutzer bekommen Warnhinweise bei riskanten Transaktionen, und der offizielle Bezahldienst wurde weiter ausgebaut. Trotzdem liegt der beste Schutz bei euch selbst.
So schützt ihr euch effektiv
Vertraut niemals auf Zahlungsbestätigungen per E-Mail oder Screenshot. Prüft Geldeingänge ausschließlich über euer eigenes Online-Banking oder die offizielle Banking-App. Gebt keine Bankdaten per Messenger weiter und lasst euch nicht unter Zeitdruck setzen.
Bei Zahlungslinks prüft immer die URL genau: Offizielle Links von Kleinanzeigen beginnen immer mit „kleinanzeigen.de“. Alles andere ist verdächtig. PayPal bleibt eine sichere Option, ebenso die Abholung mit Barzahlung vor Ort.
Falls ihr den offiziellen Zahlungsservice nutzen möchtet, meldet euch direkt über die Kleinanzeigen-Website oder -App an – nie über Links aus Nachrichten. Der Service ist mittlerweile gut ausgebaut und bietet tatsächlich Schutz vor den meisten Betrugsversuchen.
Bleibt wachsam: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meist auch. Besonders bei hochwertigen Artikeln solltet ihr auf persönliche Übergabe bestehen. Euer gesunder Menschenverstand ist oft der beste Schutz gegen diese sich ständig weiterentwickelnden Betrugsmaschen.
Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026
