Der EU Digital Markets Act zwang Apple 2024 zur Öffnung seines App-Stores. Nach zwei Jahren zeigt sich: Die Umsetzung brachte zwar neue Marktplätze, aber auch neue Kontroversen. Während alternative Stores wie AltStore PAL und Setapp Mobile etabliert sind, kämpfen Entwickler weiterhin mit Apples Gebührenmodell. Ein Überblick über den aktuellen Stand.
Seit März 2024 ist der Digital Markets Act (DMA) der EU in Kraft – und hat Apples geschlossenes App-Store-Ökosystem grundlegend verändert. Als designierter „Gatekeeper“ musste Apple seine strikte Kontrolle lockern und alternative App-Marktplätze zulassen.
Die Realität nach knapp zwei Jahren: Apple hat die EU-Vorgaben technisch erfüllt, aber auf eine Art, die weiterhin für Diskussionen sorgt.
Alternative Marktplätze haben sich etabliert
Mittlerweile sind mehrere alternative App-Stores verfügbar. AltStore PAL fokussiert sich auf Emulation und experimentelle Apps, während Setapp Mobile sein Abo-Modell für Produktivitäts-Apps auf iOS gebracht hat. Epic Games Store bietet Fortnite und andere Gaming-Titel direkt an, ohne Apples 30%-Provision.
Die Installation alternativer Stores ist allerdings noch immer umständlich: Nutzer müssen explizit in den iOS-Einstellungen bestätigen, dass sie Apps von Drittanbietern installieren möchten. Apple warnt dabei vor „Sicherheitsrisiken“ – eine Praxis, die Kritiker als „Scare Screen“ bezeichnen.
Mittlerweile gibt es mehrere alternative Marktplätze – mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Die Million-Dollar-Hürde bleibt bestehen
Apples ursprüngliche Bedingung einer Million Dollar Bürgschaft für alternative Marktplätze gilt weiterhin. Diese Hürde hat tatsächlich viele kleinere Anbieter ausgeschlossen, wie Kritiker vorhergesagt hatten.
Zusätzlich müssen alle Apps – auch die in alternativen Stores – weiterhin Apples „Notarisierung“ durchlaufen. Dabei prüft Apple die Apps auf Malware und schädlichen Code. Diese Maßnahme hat sich bewährt: Auch zwei Jahre nach der Öffnung sind iOS-Geräte deutlich seltener von Schadsoftware betroffen als Android-Smartphones.
Im Android-Ökosystem laden Nutzer bereits seit Jahren Apps aus beliebigen Quellen – mit entsprechenden Sicherheitsrisiken. Laut aktuellen Studien sind etwa 15% der Apps außerhalb des Google Play Stores mit Malware infiziert.
Gebührenstreit eskaliert vor Gericht
Das kontroverseste Thema bleibt Apples Gebührenmodell. Die „Core Technology Fee“ von 50 Cent pro App-Download (ab einer Million Downloads jährlich) führte 2025 zu mehreren Gerichtsverfahren.
Spotify klagte bereits erfolgreich gegen diese Gebühr, nachdem der Musikstreaming-Dienst trotz Wechsels zu einem alternativen Store weiterhin Millionen an Apple zahlen musste. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Apples Gebührenmodell dem DMA widerspricht.
Entwickler berichten von einem „Lock-in-Effekt“: Wer einmal über eine Million Downloads erreicht, zahlt die Technikgebühr lebenslang – auch wenn die App später weniger genutzt wird. Diese Regelung betrifft besonders kostenlose Apps mit großer Reichweite.
Transparenz vs. Kontrolle: Apple balanciert zwischen EU-Compliance und eigenen Interessen
Browser-Engines und Payment-Systeme
Neben alternativen App-Stores zwang der DMA Apple zu weiteren Öffnungen: Alternative Browser-Engines sind jetzt erlaubt, sodass Chrome und Firefox echte Safari-Konkurrenz bieten können. Zuvor mussten alle Browser auf iOS WebKit verwenden.
Bei Zahlungssystemen hat sich ebenfalls etwas getan: Apps dürfen jetzt auf externe Payment-Anbieter verweisen, allerdings nur mit umständlichen Umleitungen. Apple kassiert weiterhin eine reduzierte Provision von 12-17%, selbst wenn Zahlungen extern abgewickelt werden.
Ausblick: Weitere Regulierung in Sicht
Für 2026 plant die EU weitere Verschärfungen. Der Digital Services Act könnte Apple zu echtem „Sideloading“ zwingen – also direkten App-Installationen ohne Marktplatz-Umweg. Auch die US-Kartellbehörden erhöhen den Druck.
Apple argumentiert weiterhin mit Sicherheitsbedenken und verweist auf die niedrigeren Malware-Raten im iOS-Ökosystem. Tatsächlich zeigen Sicherheitsstudien: iOS-Nutzer sind seltener von Cyberangriffen betroffen als Android-User.
Die App-Store-Einnahmen bleiben für Apple eine wichtige Säule: 2025 erwirtschaftete der Konzern geschätzte 1,3 Milliarden Dollar allein mit App-Store-Provisionen – trotz alternativer Marktplätze.
Das Fazit nach zwei Jahren DMA: Apple hat sich den EU-Regeln angepasst, aber auf eine Weise, die maximale Kontrolle und Einnahmen erhält. Ob das langfristig ausreicht, werden weitere Gerichtsverfahren und regulatorische Schritte zeigen.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026