Big Brother Awards 2025: KI-Überwachung und digitale Manipulation auf dem Vormarsch

von | 12.10.2024 | Digital

In Bielefeld wurden 2025 wieder die „Oscars für Datenkraken“ verliehen. Von KI-Gesichtserkennung bis zu intransparenten Algorithmen – wer sind die größten Datensünder unserer Zeit?

Eure Gesundheitsdaten landen weiterhin in den Händen von Forschern und Unternehmen. Euer Gesicht wird beim harmlosen Spaziergang von KI-Kameras gescannt. Social Media Algorithmen manipulieren eure Meinungsbildung. Willkommen in der schönen neuen Welt der Datenkraken 2025!

Europäischer Gesundheitsdatenraum: Patientendaten ohne Grenzen

Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) ist 2025 Realität geworden – und sorgt für heftige Kontroversen. Sensible Patientendaten fließen mittlerweile grenzüberschreitend zwischen Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und Tech-Konzernen.

Datenschützer kritisieren die schwammigen Regelungen: Zwar sind die Daten pseudonymisiert, doch durch Verknüpfung verschiedener Datensätze lassen sich Personen oft re-identifizieren. Besonders problematisch: Patienten haben kaum Kontrolle darüber, wer ihre Gesundheitsdaten zu welchen Zwecken nutzt.

„Die Büchse der Pandora ist geöffnet“, warnen Kritiker. „Was heute für medizinische Forschung genutzt wird, kann morgen für Versicherungskalkulationen oder Jobentscheidungen missbraucht werden.“

KI-Überwachung wird zum Standard

2025 ist das Jahr, in dem KI-basierte Gesichtserkennung endgültig in der deutschen Realität angekommen ist. Nicht nur in Sachsen, sondern mittlerweile in mehreren Bundesländern scannen „intelligente“ Kameras automatisch Gesichter im öffentlichen Raum.

Die neue Generation der Überwachungstechnik geht weit über simple Gesichtserkennung hinaus: Moderne Systeme analysieren Gangmuster, erkennen „verdächtige“ Verhaltensweisen und erstellen detaillierte Bewegungsprofile. Algorithmen entscheiden dabei, wer als potenzielle Bedrohung eingestuft wird.

Besonders brisant: Die KI-Systeme zeigen nachweisbare Verzerrungen. Menschen mit dunkler Hautfarbe werden signifikant häufiger als „verdächtig“ klassifiziert – ein digitaler Rassismus, der in Algorithmen eingebrannt ist.

Social Media: Die Manipulation wird raffinierter

TikTok, Instagram und Co. haben ihre Manipulationstechniken 2025 auf ein neues Level gehoben. Die Big Brother Awards würdigten mehrere Social Media Plattformen für ihre intransparenten Algorithmen, die gezielt politische Meinungen beeinflussen.

Besonders perfide: Die neuen KI-Algorithmen analysieren nicht nur, was ihr postet und liked, sondern auch, wie lange ihr bei bestimmten Inhalten verweilt, wie sich euer Scrollverhalten ändert und sogar biometrische Daten wie Herzfrequenz (bei verbundenen Wearables).

„Diese Plattformen wissen mittlerweile besser als wir selbst, was uns triggert, ängstigt oder radikalisiert“, kritisiert die Big Brother Jury. „Und sie nutzen dieses Wissen kommerziell und politisch aus.“

Deutsche Bahn: Totale Digitalisierung ohne Alternative

Die Deutsche Bahn hat 2025 den Weg zur vollständigen Digitalisierung abgeschlossen – mit fatalen Folgen für die Privatsphäre. Anonymes Reisen ist praktisch unmöglich geworden. Selbst Automaten verlangen mittlerweile eine App-basierte Authentifizierung.

Die neuen „Smart Trains“ sind gespickt mit Sensoren: Kameras, Mikrofone, Bewegungsmelder und sogar biometrische Scanner. Offiziell dienen sie der „Sicherheit und Serviceoptimierung“ – inoffiziell entsteht ein lückenloses Profil jedes Fahrgastes.

Besonders ärgerlich: Die DB verkauft diese Daten mittlerweile an Dritte weiter – natürlich „anonymisiert“, aber mit so vielen Zusatzinformationen, dass eine Re-Identifizierung meist möglich ist.

Online-Shopping: Dark Patterns werden zum Standard

Chinesische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress haben 2025 ihre manipulativen Techniken perfektioniert. „Dark Patterns“ – psychologische Tricks zur Manipulation von Kaufentscheidungen – sind mittlerweile so raffiniert, dass selbst digital versierte Nutzer darauf hereinfallen.

Die Plattformen nutzen KI-basierte Persönlichkeitsanalysen: Wer eher impulsiv kauft, bekommt andere Interface-Designs als bedächtige Käufer. Preise werden in Echtzeit angepasst, basierend auf eurem vermuteten Einkommen und eurer Kaufbereitschaft.

Gleichzeitig entziehen sich diese Unternehmen geschickt jeder Verantwortung: Kunden werden rechtlich zu Importeuren gemacht und müssen für alle Probleme selbst geradestehen – von Zollkosten bis zu Produkthaftung.

Workplace Surveillance: Der gläserne Arbeitnehmer

Ein neuer Trend, der 2025 besonders stark zugenommen hat: die totale Überwachung von Arbeitnehmern im Homeoffice und Büro. Moderne „Produktivitäts-Software“ zeichnet nicht nur Tastatureingaben und Mausbewegungen auf, sondern analysiert auch Gesichtsausdrücke, Sprechpausen und sogar biometrische Daten.

KI-Systeme bewerten permanent die „Arbeitsleistung“ und erstellen psychologische Profile. Wer als „unzuverlässig“ oder „unmotiviert“ eingestuft wird, muss mit Konsequenzen rechnen – oft ohne zu wissen, warum.

Fazit: Widerstand ist nicht zwecklos

Die Big Brother Awards 2025 zeigen ein beunruhigendes Bild: Die Überwachung wird immer raffinierter, die Manipulation subtiler und die Datenkraken mächtiger. KI-Technologien haben das Spiel verändert – nicht zum Besseren.

Doch es gibt auch Hoffnung: Immer mehr Menschen werden sensibilisiert für Datenschutzprobleme. Die DSGVO zeigt weiterhin Wirkung, auch wenn die Durchsetzung oft mangelhaft ist. Und manchmal bewirken öffentliche Proteste tatsächlich ein Umdenken bei den Unternehmen.

Unser Tipp: Nutzt datenschutzfreundliche Alternativen wo immer möglich. Informiert euch über eure Rechte. Und bleibt wachsam – denn Big Brother schläft nie.

Zuletzt aktualisiert am 16.02.2026