Amazon Prime Video erhöht indirekt die Preise

Amazon: Reklame im Streamingdienst „Prime Video“

Seit Anfang Februar präsentiert Amazon im Streamingdienst „Prime Video“ regelmäßig Werbung. Wer das nicht will, muss künftig drei EUR im Monat extra zahlen. Über die Hintergründe und was sich für Nutzer konkret ändert.

Amazon ist nicht nur der größte Online-Marktplatz der Welt, sondern längst auch ein Medienimperium mit eigenem Streamingdienst. Alle, die ein „Amazon Prime“-Abo (9 EUR iM Monat, 90 EUR im Jahr) abgeschlossen haben, können bei „Amazon Prime Video“ ohne weitere Kosten zahlreiche Filme und Serien streamen.

Längst produziert Amazon für seinen Streamingdienst auch eigene Filme und Serien, um gegen andere Streamingdienste wie Netflix, Disney+ oder Wow.

Filme und Serien bei Amazon Prime Video
Filme und Serien bei Amazon Prime Video

Ab Montag (05.02.2024) ist Werbung Standard

Nun führt Amazon überraschend eine Neuerung ein: Ab 5. Februar wird der Streamingdienst auch in Deutschland „in begrenztem Umfang“ Werbung in Filmen und Serien schalten. Nähere Angaben zu Länge und Häufigkeit etwaiger Reklame-Spots machte der Konzern zunächst nicht. Nur so viel: Das Unternehmen wolle „deutlich weniger Werbung als lineare TV- und andere Streaming-Fernsehanbieter zeigen.“

In ausgeliehenen oder gekauften Inhalten, die zusätzlich berechnet werden, sollen hingegen keine Reklameeinspielungen enthalten sein, sondern ausschließlich in der „Prime Video“ genannten Flatrate. Die Werbeschaltungen sollen dem Konzern neue Einkommensquellen bescheren.

Für Abonnenten bedeutet das eine Preiserhöhung um 30%. Wer keine Werbung will, soll dafür ab Montag monatlich 2,99 Euro zusätzlich zahlen. „Prime Video Ad Free“, nennt das der Konzern. Statt rund neun EUR im Monat fallen dann zwölf EUR monatlich an, wenn die Streams weiterhin werbefrei bleiben sollen. Amazon-Kunden werden ab Montag eine Möglichkeit sehen, dieses „Upgrade“ mit den damit verbundenen Kosten zu buchen.

Amazon PrimeVideo führt Werbung ein - und verlangt mehr Geld, wenn Streaming werbefrei sein soll
Amazon PrimeVideo führt Werbung ein – und verlangt mehr Geld, wenn Streaming werbefrei sein soll

Verbraucherschützer wollen klagen

Verbraucherschützer kündigen dagegen Widerstand an, denn sie sehen in der Schaltung von Werbung eine „wesentliche Vertragsänderung“. Dafür muss nach gesetzlichen Vorgaben zunächst eine Zustimmung der Nutzer eingeholt werden. Die bloße Bekanntmachung dieser Neuerung reiche nicht aus.

Laut Verbraucherschützern handle es such um eine „versteckte Preiserhöhung“, da Kunden künftig knapp drei Euro mehr für dasselbe Angebot zahlen müssten. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat eine Klage dagegen angekündigt.

Werbung: Trend am Streaming-Markt

Amazon ist nicht der erste Streamingdienst, der sich durch Werbung zusätzliche Einnahmen sichern will. Anbieter wie Disney+ oder Netflix haben bereits vor einiger Zeit günstigere werbefinanzierte Abo-Modelle eingeführt. Netflix hat das preiswerteste Abomodell sogar ganz abgeschafft und das nun günstigste Modell mit Werbeeinblendungen gekoppelt. Wer keine Werbung sehen will, muss auch hier mehr bezahlen.

Amazon zieht also gewissermaßen nach und argumentiert, dass es auf diese Weise möglich sei, „weiterhin in attraktive Inhalte zu investieren und diese Investitionen über einen langen Zeitraum weiter zu steigern“.

Werbung ist für die Streamingdienste attraktiv

In Wahrheit stagnieren die Umsatzzahlen und der Wettbewerb wird härter. Wer mit Eigenproduktionen punkten will, braucht Kapital, um die kostspieligen Produktionen bezahlen zu können.

Es geht aber auch darum, all jene Kunden an das Unternehmen zu binden, denen ein Standardabonnement zu teuer ist. Denn die Konkurrenz wird immer größer: Netflix und Amazon Prime Video sind schon lange am Markt, später kamen Disney+, Apple TV+, Joyn und einige weitere dazu.

 

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