Von Twitter zu X: Bilanz nach Musks radikaler Transformation

von | 23.07.2023 | Social Networks

Twitter ist Geschichte: Elon Musks radikale X-Transformation hat die Social-Media-Landschaft für immer verändert. Drei Jahre nach der Übernahme zeigt sich, welche seiner Visionen Realität wurden – und welche scheiterten.

In der dynamischen Welt der Technologie ist Veränderung die einzige Konstante.

Dieses Prinzip wird wohl von niemandem besser verkörpert als von Elon Musk, dem Besitzer der ehemals als Twitter bekannten Plattform X. Was 2023 als kontroverse Ankündigung begann, ist heute Realität: Der blaue Vogel ist Geschichte.

Musk, bekannt für seine disruptiven Ideen und seine Fähigkeit, die Grenzen des Möglichen zu verschieben, hat seine Vision einer „Everything App“ konsequent umgesetzt – allerdings mit gemischten Ergebnissen.

Twitter hat damit angefangen, blaue Haken gegen Bezahlung anzubieten

Twitter hat damit angefangen, blaue Haken gegen Bezahlung anzubieten

Von Twitter zu X: Die radikale Transformation ist vollzogen

Was 2023 noch als Musks kryptische Ankündigung galt, ist heute selbstverständlich: X hat Twitter vollständig ersetzt. Das ikonische Vogel-Logo gehört der Vergangenheit an, das stilisierte ‚X‘ ist zum neuen Markenzeichen einer Plattform geworden, die weit mehr sein will als nur ein Kurznachrichtendienst.

Die X Corp., ursprünglich als Rechtsnachfolger von Twitter Inc. gegründet, hat sich zu einem Tech-Konglomerat entwickelt, das Messaging, Bezahlfunktionen und sogar Video-Streaming unter einem Dach vereint. Musks Vision einer „Everything App“ nach chinesischem Vorbild (WeChat) ist zumindest teilweise Realität geworden.

Doch der Weg war steinig: Millionen Nutzer wanderten zu Konkurrenten wie Threads, Bluesky oder Mastodon ab. Die Plattform kämpft noch immer mit Reichweitenproblemen und Advertiser-Flucht.

Verifizierung und Premium-Features: Das neue Zwei-Klassen-System

Was einst als „Twitter Blue“ begann, ist heute zu einem ausgeklügelten Abonnement-System geworden. X Premium (ehemals Twitter Blue) kostet inzwischen 11 Euro monatlich und bietet deutlich mehr Features als ursprünglich geplant:

  • Längere Posts (bis zu 25.000 Zeichen)
  • Erweiterte Video-Upload-Funktionen
  • Prioritäre Anzeige in Antworten
  • Reduzierte Werbung
  • Integration von xAI (Musks KI-Chatbot Grok)

Die ursprünglich angekündigten Beschränkungen für Direktnachrichten wurden tatsächlich umgesetzt, aber weniger drastisch als befürchtet. Nicht-Premium-Nutzer können täglich 50 DMs an neue Kontakte senden – eine Maßnahme, die Spam deutlich reduziert hat.

Durch diese Änderung können Premium-Kunden alle anderen X-Nutzer direkt kontaktieren, ohne Kontaktanfrage. Ihre Nachrichten landen direkt im Posteingang. Eine effektive, wenn auch umstrittene Anti-Spam-Strategie.

X Pay und Creator Economy: Die Monetarisierung

Eine der erfolgreichsten Neuerungen ist X Pay, das Bezahlsystem der Plattform. Nutzer können Geld senden, Content-Creator direkt unterstützen und sogar für Premium-Inhalte bezahlen. Die Integration funktioniert nahtlos und hat neue Einnahmequellen für Influencer geschaffen.

Das Creator-Programm zahlt inzwischen monatlich Millionen an Nutzer aus – basierend auf Engagement und Premium-Abonnenten. Viele Journalist:innen und Content-Creator haben dadurch neue Einnahmequellen erschlossen.

KI-Integration: Grok als Game Changer

Seit Ende 2024 ist Grok, Musks KI-Assistent, fest in X integriert. Premium-Nutzer können direkt in der App mit der KI interagieren, Posts analysieren lassen oder sogar automatische Antworten generieren. Die KI lernt aus dem gewaltigen Datenpool der Plattform und bietet oft überraschend treffsichere Einschätzungen zu aktuellen Ereignissen.

Die neuen Einstellungen und Features

Die Einstellungen für Direktnachrichten findet ihr unter „Einstellungen und Support“ → „Datenschutz und Sicherheit“ → „Direktnachrichten“. Dort könnt ihr zwischen verschiedenen Stufen wählen:

  • „Von allen“ (nur Premium)
  • „Von verifizierten Konten“
  • „Von Personen, denen du folgst“
  • „Nur von Premium-Abonnenten“

Zusätzlich gibt es neue Filter für:
– Automatische Spam-Erkennung durch KI
– Keyword-Blocking
– Zeitbasierte Beschränkungen

Bilanz nach drei Jahren: Erfolg oder Desaster?

Die Transformation von Twitter zu X bleibt kontrovers. Einerseits hat Musk seine Vision einer integrierten Super-App weitgehend umgesetzt. X bietet heute deutlich mehr Funktionen als das alte Twitter.

Andererseits kämpft die Plattform mit sinkenden Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen. Viele Nutzer vermissen die Einfachheit des alten Twitter. Die politische Polarisierung hat zugenommen, auch wenn die Spam-Probleme tatsächlich zurückgegangen sind.

Eines steht fest: Mit Musk am Steuer wird es nie langweilig. Die nächsten geplanten Features – von VR-Integration bis hin zu Kryptowährungs-Handel – versprechen weitere radikale Veränderungen.

Ob X langfristig erfolgreich sein wird, hängt davon ab, ob die Plattform ihre Nutzer halten und neue Zielgruppen erschließen kann. Der blaue Vogel mag tot sein – aber sein digitaler Nachfolger ist lebendiger denn je.

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026