Die Bundesnetzagentur warnt: Viele Hightech-Geschenke sind heute vernetzt und nicht wenige auch mit Kamera und Mikro ausgestattet. Wir sollten darauf achten, dass sie uns nicht ausspionieren.
Saugroboter, Smartwatches für Kinder, interaktive Puppen, ferngesteuerte Drohnen oder Smart-Home-Gadgets: Praktisch alle modernen Geräte sind heute nicht nur akkubetrieben, sondern verbinden sich automatisch mit dem Internet. Das soll den Komfort erhöhen – oder die Geräte per App und Sprachassistent bedienbar machen.
Vor allem Kinderspielzeug ist anfällig: Kameras und Mikros eingebaut
Je mehr Vernetzung, desto angreifbarer
Ich selbst mag es sehr, wenn sich Geräte per App oder Sprachbefehl steuern lassen. Die Matter-kompatible Beleuchtung zum Beispiel. Oder klug vernetzte Haushaltsgeräte, die sich problemlos mit Alexa, Google Assistant oder Apple HomeKit verbinden. Aber man darf sich auch keine Illusionen machen: Viele Geräte gefährden die Privatsphäre massiv – und man sieht es ihnen nicht an.
Darauf weist weiterhin die Bundesnetzagentur hin. Vor allem Spielzeug für Kinder sei häufig in der Lage, die Umgebung kontinuierlich abzuhören oder heimlich Aufnahmen zu machen. Das gilt aber auch für viele Saugroboter der neuesten Generation: Sie hören zu, machen Aufnahmen und senden Daten an Cloud-Server – völlig unbemerkt. Wer käme schon auf die Idee, dass ein Saugroboter mittlerweile mit hochauflösenden Kameras, Mikrofon-Arrays und KI-gestützter Spracherkennung ausgestattet ist?
Viele Saugroboter haben Sensoren, Kameras und Mikros
KI macht Überwachung noch perfider
Besonders heikel wird es seit 2024 durch den Einsatz von KI-Technologien in Haushaltsgeräten. Moderne Saugroboter nutzen Computer Vision nicht nur zur Navigation, sondern erkennen auch Gesichter, analysieren Gewohnheiten und können sogar Gespräche in Echtzeit transkribieren. Diese Daten werden oft ungefiltert an Hersteller-Server übertragen – häufig nach China oder in die USA, wo europäische Datenschutzstandards nicht greifen.
Vorgeschrieben ist – und das aus nachvollziehbaren Gründen –, dass jede Aufnahme per Kamera durch eine LED-Anzeige und einen akustischen Hinweis angekündigt werden muss. Doch viele Geräte, besonders aus dem Billigsegment, verzichten völlig darauf. Bei anderen sind die Signale so schwach, dass sie praktisch unsichtbar oder unhörbar bleiben. So etwas ist laut Bundesnetzagentur in Deutschland streng verboten – die Durchsetzung hinkt aber der technischen Entwicklung hinterher.
Besonders Kinderspielzeug im Fokus
Auch bei Spielzeug hat sich die Situation verschärft: KI-gestützte Puppen lernen aus Gesprächen mit Kindern, Roboter-Haustiere reagieren auf Emotionen, und ferngesteuerte Drohnen streamen Live-Videos direkt ins Internet. Ganz ausdrücklich warnt die Behörde vor Spielzeug mit permanenter Internet-Verbindung. Bei Produkten aus chinesischer Fertigung, die über Social Media oder dubiose Online-Shops verkauft werden, ist besondere Vorsicht geboten.
Sendefähige Spielzeuge sind in Deutschland in folgenden Fällen verboten:
- Der Hersteller nimmt unbemerkt (ohne wirksame Einwilligung/Kontrolle durch den Nutzer) Sprach- oder Bilddateien vom Nutzer auf und nutzt diese für eigene Zwecke oder stellt sie dritten Unternehmen zur Verfügung.
- Das Spielzeug ermöglicht dem Nutzer, heimliche Bild- oder Tonaufnahmen von einem Dritten anzufertigen.
- Neu seit 2025: Geräte, die biometrische Daten wie Gesichtserkennung oder Stimmprofile ohne explizite Zustimmung der Erziehungsberechtigten sammeln.
Trotzdem werden solche Geräte massenhaft verkauft – oft über TikTok-Shop, Instagram-Werbung oder andere Social-Commerce-Kanäle, die direkt aus Fernost versenden. Das Problem: Wo kein Kläger, da kein Richter.
Smart Home wird zur Datenkrake
Die Integration in Smart-Home-Systeme macht die Lage noch komplizierter. Alexa, Google Home und Apple HomePod sammeln mittlerweile nicht nur Sprachbefehle, sondern analysieren Hintergrundgeräusche, Bewegungsmuster und sogar Schlafgewohnheiten. Thread- und Matter-kompatible Geräte teilen diese Informationen untereinander – oft ohne dass Nutzer davon wissen.
Besonders perfide: Viele Hersteller nutzen sogenannte „Silent Updates“, um nachträglich Überwachungsfunktionen zu aktivieren. Ein Saugroboter, der beim Kauf noch harmlos war, kann plötzlich zum Spionagegerät werden – einfach durch ein automatisches Software-Update.
Wachsam bleiben, Datenschutz ernst nehmen
Wir sind als Verbraucher also mehr denn je gefordert, kritisch zu bleiben. Die Software in vernetzten Geräten ist für uns nicht einsehbar, und Sicherheitslücken wie die regelmäßigen Supply-Chain-Angriffe oder Zero-Day-Exploits in IoT-Firmware geben Hackern, Cyberkriminellen und staatlichen Akteuren direkten Zugang zu unseren Wohnungen.
Moderne Saugroboter erstellen mittlerweile millimetergenaue 3D-Karten der gesamten Wohnung – inklusive Möbelplatzierung, Grundriss und sogar Tagesabläufen der Bewohner. Diese Daten landen regelmäßig in der Cloud und werden für Werbezwecke oder sogar an Immobilienkonzerne verkauft.
Der Tipp für 2026: Vor jedem Kauf die Datenschutzerklärung lesen, in den Geräte-Einstellungen alle unnötigen Berechtigungen deaktivieren und regelmäßig prüfen, welche Daten tatsächlich übertragen werden. Denn unsere Privatsphäre ist mehr wert als ein bisschen zusätzlicher Komfort.
Saugroboter sind mit Sensoren ausgestattet und erstellen detailgetreue Grundrisse
Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026