Kennst du das? Du willst ein neues Gerät kaufen und verbringst Stunden damit, Testberichte zu lesen, Preise zu vergleichen und Amazon-Bewertungen zu durchforsten. Am Ende bist du genauso schlau wie vorher – nur erschöpfter. OpenAI hat genau dieses Problem erkannt und ChatGPT kurz vor dem Weihnachtsgeschäft eine neue Funktion spendiert: Shopping Research. Der KI-Chatbot wird damit zum persönlichen Einkaufsberater.
So funktioniert der neue Shopping-Assistent
Die Idee ist simpel, aber clever umgesetzt. Du beschreibst ChatGPT einfach, was du suchst – zum Beispiel „Finde mir den leisesten Akkustaubsauger für meine kleine Wohnung“ oder „Ich brauche ein Geschenk für meine vierjährige Nichte, die gerne malt“. ChatGPT stellt dann Rückfragen zu deinem Budget und deinen Vorlieben, durchsucht das Internet nach passenden Produkten und erstellt dir innerhalb weniger Minuten einen personalisierten Kaufberater.
Das Ergebnis sieht aus wie ein gut recherchierter Testbericht: übersichtliche Produkt-Kacheln mit aktuellen Preisen, Bewertungen und den wichtigsten Eigenschaften. Du kannst die Auswahl verfeinern, indem du einzelne Produkte als „Nicht interessiert“ oder „Mehr davon“ markierst. Die KI passt ihre Empfehlungen in Echtzeit an.
Besonders spannend: ChatGPT nutzt dein Memory – also das, was du in früheren Gesprächen über dich verraten hast. Hast du mal erwähnt, dass du Allergiker bist? Der Shopping-Assistent berücksichtigt das automatisch bei der Produktauswahl.
Verfügbar für alle – auch ohne Abo
OpenAI macht die Funktion für alle ChatGPT-Nutzer zugänglich – egal ob du die kostenlose Version oder ein bezahltes Abo nutzt. Während der Weihnachtszeit soll die Nutzung sogar nahezu unbegrenzt sein. Die Funktion erscheint automatisch, wenn du eine Shopping-Frage stellst. Alternativ kannst du sie über das Plus-Menü in der Chat-Oberfläche auswählen.
Technisch basiert Shopping Research auf einer speziell trainierten Version von GPT-5 mini. OpenAI betont, dass das System darauf trainiert wurde, vertrauenswürdige Quellen zu bevorzugen und Spam-Seiten zu meiden. Nutzerbewertungen auf Reddit werden beispielsweise höher gewichtet als bezahlte Werbetexte auf Produktseiten.
Der Haken: Amazon fehlt
So praktisch die Funktion klingt – sie hat einen entscheidenden Haken. ChatGPT kann nur Produkte von Websites anzeigen, die OpenAI den Zugriff erlauben. Und Amazon gehört nicht dazu. Der E-Commerce-Riese blockiert das Crawling durch OpenAI.
Das bedeutet: Der Shopping-Berater verspricht zwar große Auswahl, zeigt aber eine kuratierte Realität. Viele Produkte, die du auf Amazon findest, tauchen in den Empfehlungen gar nicht erst auf. E-Commerce-Experten sehen das allerdings entspannt. Es gibt kaum Produkte, die ausschließlich bei Amazon erhältlich sind. Die meisten Artikel findest du auch bei anderen Händlern.
Trotzdem solltest du dir bewusst sein: Was ChatGPT nicht findet, existiert für den Shopping-Assistenten nicht. Das kann dazu führen, dass dir bessere oder günstigere Alternativen entgehen.
Vorsicht bei Preisen und Verfügbarkeit
OpenAI räumt selbst ein, dass die Funktion noch Fehler macht – besonders bei Preisen und Verfügbarkeit. In einem Test amerikanischer Journalisten zeigte ChatGPT ein Paar Ugg-Hausschuhe für 110 Dollar an. Auf der verlinkten Website kosteten sie dann 150 Dollar. Solche Abweichungen können passieren, weil sich Preise schnell ändern und die KI nicht in Echtzeit alle Shops überwacht.
Mein Tipp: Nutze die Shopping-Funktion als Ausgangspunkt für deine Recherche, aber überprüfe Preise und Verfügbarkeit immer selbst, bevor du kaufst. Besonders bei zeitkritischen Angeboten wie Black-Friday-Deals kann die angezeigte Information bereits veraltet sein.
Was das für die Zukunft bedeutet
OpenAI verfolgt mit Shopping Research eine klare Strategie: ChatGPT soll zur E-Commerce-Plattform werden. Bereits im September wurde eine Funktion namens Instant Checkout eingeführt, mit der du bei teilnehmenden Händlern direkt im Chat kaufen kannst. Shopping Research soll künftig ebenfalls diesen direkten Kauf ermöglichen – über eine Kooperation mit PayPal.
Das verändert die Spielregeln im Online-Handel grundlegend. Klassische Preisvergleichsportale und Testseiten, die von Affiliate-Provisionen leben, könnten an Bedeutung verlieren. Wenn ChatGPT die Produktrecherche übernimmt und direkt zum Händler weiterleitet, entfällt der Zwischenschritt über diese Portale.
Auch Google dürfte die Entwicklung genau beobachten. Produktsuchen sind ein wichtiger Teil des Suchmaschinen-Geschäfts. Wenn Nutzer stattdessen ChatGPT fragen, wandert dieses Geschäft zu OpenAI.
Mein Fazit: Praktisch, aber mit Vorbehalt
Shopping Research ist eine sinnvolle Erweiterung, die ChatGPT tatsächlich nützlicher macht. Gerade für komplexe Kaufentscheidungen – etwa bei Elektronik oder Haushaltsgeräten – kann die KI viel Recherchearbeit abnehmen. Die Funktion stellt intelligente Fragen, vergleicht systematisch und präsentiert die Ergebnisse übersichtlich.
Aber: Blind vertrauen solltest du dem Shopping-Assistenten nicht. Die fehlende Amazon-Anbindung schränkt die Auswahl ein, Preisangaben können veraltet sein, und wie bei allen KI-Funktionen sind Fehler möglich. Nutze ChatGPT als cleveren Recherche-Helfer – aber behalte die finale Kaufentscheidung in deiner Hand.
Für die anstehende Weihnachts-Shopping-Saison ist die Funktion trotzdem einen Versuch wert. Probier es aus und schau, ob dir die Empfehlungen weiterhelfen. Im schlimmsten Fall hast du einen guten Ausgangspunkt für deine eigene Recherche.