Privacy Labels: Wie Apple Transparenz in App-Stores brachte

von | 16.12.2020 | iOS

Welche Daten eine App erhebt und speichert, welche Tracking-Methoden eingesetzt werden: Das sieht man als User einer App nicht an. Ein riesiges Problem – und das Gegenteil von Transparenz. Apple hat mit Privacy Labels schon vor Jahren einen wichtigen Schritt gemacht – doch die Entwicklung geht weiter. Mit iOS 17.4 und dem Digital Markets Act kommen neue Regeln für mehr Transparenz.

Bei der Corona Warn App wurde ganz genau hingeschaut, wann welche Daten zu welchem Zweck erhoben, gespeichert und weitergegeben werden. Doch das war die Ausnahme.

Normalerweise laden die Menschen die App ihrer Wahl, klicken hektisch AGBs und was auch immer ab. Und: Los geht’s… Kaum einer interessiert sich dafür, was in puncto Datenerhebung und Tracking passiert. Weil es auch ziemlich schwierig ist.

Privacy Labels: Apples Transparenz-Initiative

Seit 2020 hat Apple eine wichtige Regel eingeführt: App-Entwickler müssen sogenannte „Privacy Labels“ bereitstellen. Diese digitalen „Beipackzettel“ zeigen genau auf, welche Daten eine App sammelt und wofür sie verwendet werden. Die Regel gilt für alle Apps im Apple App-Store, egal ob für iPhone, iPad, Mac, Apple TV oder Apple Watch.

In diesen Privacy Labels müssen Entwickler präzise angeben: Wird der Nutzer getrackt? Welche persönlichen Daten werden gesammelt? Werden diese Daten mit anderen Unternehmen geteilt? Die Informationen erscheinen direkt auf der App-Store-Seite jeder Anwendung – gut sichtbar und verständlich aufbereitet.

App Tracking Transparency verschärft die Regeln

Noch einen Schritt weiter ging Apple 2021 mit „App Tracking Transparency“ (ATT). Seitdem müssen Apps explizit um Erlaubnis fragen, bevor sie euch über andere Apps und Websites hinweg verfolgen können. Diese Pop-up-Abfrage kennt ihr alle: „App XYZ möchte dich über Apps und Websites anderer Unternehmen hinweg verfolgen.“

Das Ergebnis? Über 80 Prozent der iOS-Nutzer lehnen das Tracking ab. Meta (Facebook) verlor dadurch allein 2022 geschätzte 10 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wirksam echte Transparenz und Wahlfreiheit sind.

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Was die Privacy Labels verraten

Die Datenschutz-Labels zeigen verschiedene Kategorien von Daten auf, die Apps sammeln können:

  • Kontakt-Info: E-Mail-Adresse, Name, Telefonnummer
  • Standortdaten: Präzise oder grobe Standortinformationen
  • Nutzungsdaten: Produktinteraktionen, Werbedaten, andere Nutzungsdaten
  • Diagnose: Absturzdaten, Performance-Daten, andere Diagnosedaten
  • Finanzinformationen: Zahlungsinformationen, Kreditinformationen
  • Gesundheit und Fitness: Gesundheits- oder Fitnessdaten
  • Sensible Informationen: Ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, religiöse Überzeugungen

Für jede Kategorie wird erklärt, ob die Daten zur Verfolgung verwendet, mit eurer Identität verknüpft oder nicht mit euch verknüpft werden.

Digital Markets Act bringt EU-weite Änderungen

Seit 2024 sorgt der EU Digital Markets Act (DMA) für weitere Bewegung. Große Tech-Konzerne wie Apple müssen ihre Plattformen öffnen und mehr Transparenz schaffen. Das bedeutet konkret:

  • Alternative App-Stores sind auf iOS möglich (ab iOS 17.4 in der EU)
  • Nutzer können Standard-Apps wie Browser oder Mail-Client frei wählen
  • Interoperabilität zwischen verschiedenen Messaging-Diensten wird Pflicht

Apple hat in der EU bereits reagiert und erlaubt erstmals alternative App-Stores auf iPhones. Allerdings mit strengen Sicherheitsauflagen und einer neuen „Core Technology Fee“ für große Entwickler.

Google und andere ziehen nach

Der Druck auf andere Plattformen wächst. Google hat 2022 ähnliche Datenschutz-Labels im Play Store eingeführt, allerdings weniger detailliert als Apple. Der Unterschied: Google verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung und Datensammlung, Apple mit Hardware-Verkäufen. Das macht Apple zu einem glaubwürdigeren Anwalt der Privatsphäre.

Microsoft folgte 2023 mit ähnlichen Transparenz-Features im Microsoft Store. Selbst alternative Android-Stores wie F-Droid setzen verstärkt auf Datenschutz-Informationen.

Was bringen die Maßnahmen wirklich?

Die Privacy Labels sind ein wichtiger erster Schritt, haben aber Schwächen: Sie basieren auf Selbstauskunft der Entwickler. Kontrollen gibt es kaum. Studien zeigen, dass manche Apps mehr Daten sammeln, als sie in den Labels angeben.

Trotzdem ist der Effekt spürbar. Viele Nutzer achten mittlerweile bewusst auf die Datenschutz-Angaben. Apps mit exzessivem Datensammeln bekommen schlechtere Bewertungen. Der Markt belohnt zunehmend datenschutzfreundliche Alternativen.

Ausblick: KI macht alles komplizierter

Mit dem Aufstieg von KI-Features wird Datenschutz noch komplexer. Apples „Apple Intelligence“ verarbeitet viele Daten lokal auf dem Gerät – ein Vorteil für die Privatsphäre. Andere Anbieter setzen auf Cloud-basierte KI, was mehr Datenübertragung bedeutet.

Die Privacy Labels müssen daher ständig weiterentwickelt werden. Apple hat bereits angekündigt, die Kategorien für KI-Funktionen zu erweitern. Auch die Kennzeichnung von Inhalten, die von KI generiert wurden, wird wichtiger.

Fazit: Apples Privacy Labels waren ein Wendepunkt für mehr Transparenz in App-Stores. Zusammen mit neuen EU-Regeln und wachsendem Nutzer-Bewusstsein entsteht endlich echter Druck auf datensammelnde Apps. Der Weg zu echter digitaler Privatsphäre ist noch lang – aber die Richtung stimmt.

Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026