Second-Hand-Klamotten, Spielzeug, gebrauchte Technik: Auf Portalen wie Vinted und Kleinanzeigen könnt ihr echte Schnäppchen machen. Leider sind dort auch immer mehr Betrüger unterwegs – mit immer raffinierteren Maschen.
Die beiden Plattformen Kleinanzeigen (früher eBay Kleinanzeigen) und Vinted sind derzeit beliebter denn je: Sie bieten eine Art Flohmarkt für jedermann, rund um die Uhr. Hier verkaufen in der Regel Privatleute an Privatleute, vor allem Second-Hand-Klamotten, gebrauchte Technik oder Spielzeug. Der Boom der Nachhaltigkeit und gestiegene Lebenshaltungskosten haben diese Portale 2025/2026 noch populärer gemacht.
Kleinanzeigen und Vinted boomen – Betrüger auch
Die Portale verzeichnen Rekordnutzerzahlen, weil es hier durchaus interessante Schnäppchen gibt. Allein Vinted zählte 2025 über 65 Millionen aktive Nutzer europaweit, Kleinanzeigen bleibt mit über 50 Millionen Nutzern der deutsche Marktführer. In der Regel klappt das Kaufen und Verkaufen auch gut: Die Parteien einigen sich per Chat auf Preise und Übergabe.
Doch parallel zum Boom steigen die Betrugsfälle dramatisch an. Die Verbraucherzentralen meldeten 2025 einen Anstieg um 40% bei Beschwerden zu Online-Marktplätzen. Betrüger nutzen dabei sowohl technische Schwachstellen als auch die Vertrauensseligkeit der Nutzer aus. Sowohl Käufer als auch Verkäufer sind gefährdet! Hier die wichtigsten Fallen und Betrugsmaschen, die aktuell kursieren.
Die PayPal-Freunde-Masche
Diese Masche ist 2026 noch immer sehr verbreitet, obwohl PayPal mehrfach vor ihr gewarnt hat. Betrüger bieten vor allem höherpreisige Artikel an, erzeugen künstlich Zeitdruck durch angeblich andere Interessenten und bestehen darauf, dass mit PayPal als „Geld an Freunde senden“ bezahlt wird.
Der Unterschied ist entscheidend: Bei „Für Waren und Dienstleistungen“ habt ihr als Käufer 180 Tage Käuferschutz und könnt bei Problemen euer Geld zurückfordern. Bei „Freunde und Familie“ gibt es diesen Schutz nicht – die Funktion ist ausschließlich für vertrauensvolle, private Geldtransfers gedacht.
Betrüger kassieren das Geld und versenden niemals die Ware. PayPal kann in solchen Fällen nicht helfen, da der Service bewusst umgangen wurde. Nutzt diese Option niemals bei Käufen von Fremden.
Die „Ich hole ab“-Masche
Auch Verkäufer werden systematisch betrogen: Käufer bezahlen bewusst mit PayPals „Waren und Dienstleistungen“-Funktion (was Gebühren kostet) und vereinbaren eine persönliche Abholung. Das wirkt erstmal seriös.
Wenige Wochen später reklamieren die Betrüger bei PayPal: Sie hätten die Ware nie erhalten. Da der Verkäufer keinen Versandnachweis vorlegen kann (bei Abholung gibt es ja keinen), glaubt PayPal dem Käufer und holt das Geld zurück. Der Betrüger hat Geld und Ware – der Verkäufer steht mit leeren Händen da.
Besonders perfide: Diese Masche wird gezielt bei hochwertigen Artikeln wie iPhones, Laptops oder Spielkonsolen angewendet.
Der Dropshipping-Betrug
Eine besonders raffinierte Masche, die 2025/2026 stark zugenommen hat: Betrüger verkaufen neuwertige Waren zu attraktiven Preisen auf Vinted oder Kleinanzeigen. Nach der Bezahlung über die offiziellen Kanäle (was Sicherheit vortäuscht) bestellen sie die Artikel in eurem Namen bei großen Online-Händlern wie Otto, Zalando oder Amazon – auf Rechnung oder Ratenkauf.
Sie geben sogar korrekte Tracking-Nummern an, die Ware kommt neuwertig an. Erst Wochen später trudeln Rechnungen und Mahnungen ein – meist zu spät, um noch Unterstützung von den Plattformen zu bekommen. 2025 entstanden so Schäden in Millionenhöhe.
Die Anzahlungs-Falle
Bei teuren Artikeln verlangen Betrüger eine Anzahlung, um den Artikel „zu reservieren“ oder „den Versand zu starten“. Oft wird eine gefälschte Tracking-Nummer mitgeliefert, die anfangs sogar funktioniert (da sie von echten Paketen stammt).
Die Anzahlung soll natürlich per PayPal „Freunde“ erfolgen. Es kommt nie Ware an, das Geld ist unwiderruflich weg. Seriöse Privatverkäufer verlangen niemals Anzahlungen.
Phishing und gefälschte Zahlungsbestätigungen
2026 sind die Phishing-Attacken deutlich professioneller geworden. Betrüger senden täuschend echte E-Mails, die angeblich von PayPal, Vinted oder Kleinanzeigen stammen. Diese enthalten Links zu gefälschten Seiten, die kaum von den Originalen zu unterscheiden sind.
Neu ist auch der „Treuhand-Trick“: Verkäufer erhalten gefälschte E-Mails, wonach das Geld des Käufers auf einem „Treuhandkonto“ liegt und durch Eingabe der Kreditkartendaten freigegeben wird. Wer darauf hereinfällt, gibt Kriminellen Vollzugriff auf sein Bankkonto.
KI macht Betrüger gefährlicher
2025/2026 nutzen Betrüger verstärkt KI-Tools: Automatisch generierte, perfekt formulierte Nachrichten in fehlerfreiem Deutsch, gefälschte Produktfotos und sogar KI-generierte Bewertungen machen es schwerer, Betrug zu erkennen. Auch Deepfake-Technologie wird für gefälschte Identitäten eingesetzt.
So schützt ihr euch effektiv
Einige bewährte Regeln helfen dabei, nicht in diese Fallen zu tappen:
Für Käufer:
– Niemals PayPal „Freunde“ nutzen bei Fremden
– Bei zu günstigen Angeboten misstrauisch werden
– Profile checken: Wenige/keine Bewertungen sind verdächtig
– Niemals auf Links in Chats klicken
– Bei Zeitdruck skeptisch werden
Für Verkäufer:
– Abholungen nur gegen Bargeld
– Bei Versand immer Tracking nutzen
– Misstrauisch werden, wenn Käufer unbedingt PayPal „Waren“ nutzen wollen
– Nie Kreditkartendaten in E-Mails eingeben
Für alle:
– Kommunikation nur über die Plattformen
– Bei merkwürdigen Nachrichten nachfragen
– Bauchgefühl ernst nehmen
– Offizielle Apps der Plattformen nutzen, nicht über Browser
Der gesunde Menschenverstand bleibt der beste Schutz. Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das meist auch nicht. Lasst euch nicht unter Druck setzen und brecht Geschäfte ab, sobald euch etwas komisch vorkommt.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026









