eBooks weg: Die Last des DRM wird immer größer

von | 06.07.2019 | Digital

Streaming-Dienste verschwinden, Online-Shops schließen – und mit ihnen alle jemals gekauften digitalen Inhalte. Was das Microsoft eBook-Debakel 2019 eindrucksvoll zeigte, ist heute relevanter denn je: Digital Rights Management macht uns zu Gefangenen im eigenen digitalen Regal.

Bücher, Musik, Filme, Spiele – gibt’s heute alles online. Wir kaufen eBooks, lauschen Musik-Streams, verfolgen Hörbücher, leihen oder kaufen Filme beim Anbieter unseres Vertrauens – und lassen uns immer öfter sogar auf Games-Streamer ein.

Das alles scheint so unheimlich bequem: Keine Bücher mehr transportieren müssen, keine CDs mehr suchen und auf gefühlt nahezu alle Filme zugreifen können. Man könnte meinen: Wir befinden uns im Unterhaltungs-Paradies – tun wir aber nicht.

DRM bedeutet: Gekauft – aber nicht deins

Was den meisten jedoch gar nicht bewusst ist: Die überwiegende Mehrheit aller gekauften oder geliehenen Inhalte – ob eBooks, Musik oder Filme – sind mit einem „Digital Rights Management“ (DRM) versehen. Wir bemerken das in der Regel nicht – außer, irgendwas läuft schief. Im Hintergrund wird regelmäßig überprüft, ob wir die Inhalte überhaupt nutzen dürfen. Sind wir die Käufer – und sind wir noch Kunde?

Das kann fatale Folgen haben. Microsoft zeigte 2019 exemplarisch, was passiert, wenn Konzerne ihre digitalen Läden dichtmachen: Alle gekauften eBooks verschwanden einfach aus den Regalen der Kunden. Lassen sich nicht mehr öffnen. Und das, obwohl die Inhalte gekauft wurden – sie waren nicht etwa nur geliehen!

Die Sache wird immer schlimmer

Seitdem hat sich das Problem verschärft. 2024 verschwanden plötzlich gekaufte PlayStation-Inhalte, als Sony Lizenzverträge auslaufen ließ. Nutzer verloren Hunderte Euro teure Spielesammlungen über Nacht. Amazon löschte 2023 ohne Vorwarnung E-Books aus Kindle-Bibliotheken – wegen „Lizenzproblemen“. Sogar bei Apple iTunes sind gekaufte Filme plötzlich nicht mehr verfügbar, wenn Verträge mit Studios enden.

Dabei zahlen wir oft genauso viel wie für physische Medien – manchmal sogar mehr. Ein digitaler Film bei Apple kostet häufig 13,99 Euro, die Blu-ray im Laden nur 9,99 Euro. Welcher Kunde würde bewusst mehr für weniger Rechte bezahlen?

Nur geliehen und nicht gekauft

Was belegt: Uns gehören die Dinge nicht, für die wir Geld bezahlen. Das könnte uns auch mit Filmen passieren, die wir bei Apple oder Amazon Prime gekauft haben. Während die Microsoft-eBooks wenigstens auf unseren eigenen Geräten gespeichert waren, verbleiben gekaufte Filme bei Apple, Amazon und Co. auf deren Servern. Wir haben sie gekauft und dürfen sie auch beliebig häufig anschauen – sie gehören uns aber trotzdem nicht.

Würde Apple, Amazon oder ein anderer Anbieter seinen Dienst einstellen – nicht eben Klitschen -, sind die Inhalte futsch. Für immer. Das „Digital Rights Management“ (DRM) ist schuld, mit dem sich Verlage, Musiklabels oder Studios absichern wollen, dass gekaufte Inhalte nicht einfach weitergegeben werden.

Was können wir dagegen tun?

Einige Anbieter haben reagiert. Steam führte 2025 ein „Offline-Forever-Mode“ für gekaufte Spiele ein – nach jahrelangem Kundendruck. GOG verkauft schon lange DRM-freie Games. Bei eBooks sind Anbieter wie der Kobo-Store oder kleinere Verlage mit DRM-freien EPUB-Dateien eine Alternative.

Bei Musik hat sich das Problem größtenteils erledigt: Spotify, Apple Music und Co. sind ehrlich und verkaufen Zugang, nicht Besitz. Dafür sind die monatlichen Abos transparent kalkulierbar.

Als Verbraucher sollten wir:
– DRM-freie Alternativen bevorzugen
– Physische Medien für wichtige Inhalte kaufen
– Bei „Kauf“ genau hinschauen: Steht im Kleingedruckten „Lizenz“ statt „Eigentum“?
– Anbieter meiden, die schon mal Inhalte gelöscht haben

Die Politik muss handeln

Die EU diskutiert bereits schärfere Regeln für digitale Inhalte. Frankreich erwägt ein Gesetz, das „Kauf“ nur erlaubt, wenn Kunden die Dateien auch lokal speichern dürfen. Das wäre ein Anfang.

Die Anbieter sollten nicht von kaufen sprechen, wenn sie nur ausleihen meinen – eigentlich nicht mal das: Denn ausgeliehene Bücher kann ich weitergeben, online geliehene Inhalte aber nicht. Die sind mit meinen Geräten und meinen Konten verknüpft.

Mehr Freiheit? Nein: weniger. Die Digitalisierung treibt schon merkwürdige Blüten. Höchste Zeit, dass wir als Verbraucher das nicht mehr klaglos hinnehmen.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026