Elon Musks größenwahnsinniger Plan: Ein Rechenzentrum im Weltall

von | 03.02.2026 | KI

Elon Musk ist bekannt für seine visionären – manche sagen größenwahnsinnigen – Ideen. Der Mann hat Elektroautos massentauglich gemacht, private Raumfahrt revolutioniert und bastelt an Gehirn-Computer-Schnittstellen. Jetzt plant er etwas, das selbst für seine Verhältnisse ambitioniert klingt: Ein Rechenzentrum im Weltall. Klingt nach Science-Fiction? Ist es auch. Aber bei Musk weiß man nie, was am Ende wirklich Realität wird.

Warum überhaupt ein Rechenzentrum im All?

Die Idee ist nicht komplett aus der Luft gegriffen. Rechenzentren auf der Erde haben massive Probleme. Sie verbrauchen Unmengen an Energie – weltweit etwa zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Tendenz steigend, vor allem durch KI-Training. Und sie produzieren Hitze. Wahnsinnig viel Hitze. Die muss aufwendig weggekühlt werden, was wieder Energie frisst.

Im Weltall sieht die Sache anders aus. Dort oben gibt es reichlich Sonnenenergie, 24 Stunden am Tag, ohne Wolken oder Nacht. Und Kühlung? Die ist im Vakuum des Alls sogar einfacher als auf der Erde – Wärme wird einfach ins All abgestrahlt. Keine gigantischen Klimaanlagen nötig.

Musks Vision: Riesige Rechenzentren in der Erdumlaufbahn, die mit Solarenergie betrieben werden und von dort aus Datendienste für die Erde bereitstellen. Verbunden natürlich über Starlink, Musks Satelliten-Internet. Das würde den Energiehunger auf der Erde reduzieren und gleichzeitig praktisch unbegrenzte Rechenpower ermöglichen.

Die Satelliten tauschen per Laserstrahl Daten aus und so entsteht ein Netzwerk
Die Satelliten tauschen per Laserstrahl Daten aus und so entsteht ein Netzwerk

Die technischen Herausforderungen sind gigantisch

So schön die Theorie klingt, die Praxis ist brutal kompliziert. Fangen wir mit dem Transport an: Ein einziges modernes Rechenzentrum wiegt tausende Tonnen. Das alles ins All zu schießen, würde hunderte, wenn nicht tausende Raketenstarts erfordern. Selbst mit SpaceX’s Starship – dem größten Raketensystem, das je gebaut wurde – wäre das ein logistischer Albtraum.

Dann die Kühlung. Ja, im Vakuum kann man Wärme abstrahlen. Aber eben nur abstrahlen, nicht wie auf der Erde mit Luft oder Wasser wegblasen. Das bedeutet: riesige Kühlkörper, die die Wärme aufnehmen und an die Weltraumkälte abgeben. Diese müssten so dimensioniert sein, dass sie mit der enormen Abwärme moderner Prozessoren klarkommen.

Und dann wäre da noch die Strahlung. Im Weltall gibt es keine schützende Atmosphäre. Kosmische Strahlung und Sonnenstürme würden Computerchips regelrecht grillen. Du bräuchtest massive Abschirmung oder spezielle strahlungsresistente Hardware. Beides teuer und schwer.

Reparaturen? Vergiss es. Wenn auf der Erde ein Server ausfällt, kommt ein Techniker vorbei. Im Orbit müsstest du entweder Roboter oder Astronauten losschicken. Oder du baust alles so redundant, dass ausgefallene Komponenten einfach ersetzt werden können. Das treibt die Kosten noch weiter hoch.

Luftaufnahme von einem Atomkraftwerk mit Gigawatt-Anzeige.

Die Latenz-Frage: Schnell genug für die Erde?

Ein kritischer Punkt ist die Verzögerung bei der Datenübertragung. Ein Rechenzentrum im niedrigen Erdorbit – sagen wir 500 Kilometer Höhe – würde eine Signallaufzeit von etwa 3-5 Millisekunden haben. Für viele Anwendungen wäre das okay. Videostreaming, KI-Berechnungen, Cloud-Speicher – alles machbar.

Aber für zeitkritische Anwendungen wie Hochfrequenzhandel, Online-Gaming oder autonomes Fahren wäre das zu langsam. Diese Dienste brauchen Millisekunden-Reaktionszeiten. Ein Rechenzentrum auf der Erde ist da einfach näher dran.

Musks Starlink-Satelliten könnten die Verbindung herstellen. Die schwirren schon zu Tausenden im Orbit herum und bieten globales Internet. Ein Rechenzentrum im All wäre die logische Erweiterung dieser Infrastruktur. Daten könnten zwischen Satelliten per Laser übertragen werden – schneller als durch Glasfaserkabel auf der Erde.

Was macht wirtschaftlich Sinn?

Hier wird es interessant. Die Kosten für einen Raketenstart sinken. SpaceX hat das Spiel verändert. Ein Kilogramm Nutzlast ins All zu bringen, kostet mittlerweile „nur“ noch etwa 1.500 Dollar – früher waren es über 50.000 Dollar. Mit Starship könnte es noch günstiger werden.

Aber selbst bei optimistischen Schätzungen: Ein komplettes Rechenzentrum ins All zu schießen würde Milliarden kosten. Auf der Erde baust du ein hochmodernes Rechenzentrum für ein paar hundert Millionen. Die Kostendifferenz ist brutal.

Es sei denn, du hast einen Anwendungsfall, der die Mehrkosten rechtfertigt. Zum Beispiel: KI-Training im großen Stil. Diese Prozesse brauchen irrsinnige Rechenpower über Monate hinweg. Im All hättest du unbegrenzte Sonnenenergie und müsstest keine Stromrechnungen bezahlen. Über Jahre gerechnet könnte sich das amortisieren.

Oder: Dienste für andere Satelliten und zukünftige Mondbasen. Wenn die Menschheit ernsthaft den Weltraum besiedeln will – und Musk ist da ja ganz vorne dabei – bräuchten wir Infrastruktur dort oben. Ein Rechenzentrum wäre der logische erste Schritt.

Ist Musk verrückt genug, es zu versuchen?

Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Elon Musk hat schon Dinge realisiert, die Experten für unmöglich hielten. Wiederverwendbare Raketen? Check. Elektroautos als Massenmarkt? Check. Globales Satelliten-Internet? Im Aufbau.

Ein Rechenzentrum im Weltall wäre sein bisher ambitioniertestes Projekt. Aber es würde in sein größeres Narrativ passen: Die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies machen. Dafür brauchst du Infrastruktur im All. Kommunikation, Energie, Rechenpower.

Vermutlich würde er klein anfangen. Nicht gleich ein komplettes Rechenzentrum, sondern Testmodule. Ein paar Server im Orbit, um die Machbarkeit zu beweisen. Wenn das funktioniert, skalieren. Das ist die SpaceX-Methode: Schnell scheitern, schnell lernen, schnell verbessern.

Die Vision dahinter

Letztlich geht es Musk nicht nur um Rechenzentren. Es geht um die Infrastruktur für eine Zukunft, in der Menschen dauerhaft im Weltraum leben. Auf dem Mond, auf dem Mars, auf Raumstationen. Diese Menschen brauchen Internet, Cloud-Dienste, KI-Unterstützung.

Ein Rechenzentrum im All wäre der Backbone für diese Zukunft. Von dort aus könnten Dienste sowohl zur Erde als auch zu Mars-Kolonien gesendet werden. Eine Art kosmisches Cloud-Computing-Netzwerk.

Klingt größenwahnsinnig? Absolut. Aber genau das sagen Leute seit Jahren über Musks Ideen. Und trotzdem landen SpaceX-Raketen mittlerweile auf schwimmenden Plattformen im Ozean und fahren zurück zum Startplatz. Was gestern Science-Fiction war, ist morgen vielleicht Alltag.

Die Frage ist nicht, ob ein Rechenzentrum im Weltall technisch möglich ist. Die Frage ist, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist – und ob jemand verrückt genug ist, es zu versuchen. Bei Elon Musk lautet die Antwort auf die zweite Frage: Definitiv ja.