Digitaler Euro kommt 2028: EZB startet Vorbereitungsphase

von | 28.06.2023 | Digital

Der digitale Euro kommt: Die EZB hat 2024 grünes Licht für die Vorbereitungsphase gegeben. Das CBDC-Projekt wird zur Realität – mit Offline-Funktionen, strengen Datenschutzregeln und als echte Alternative zu BigTech-Bezahldiensten.

Nach jahrelanger Entwicklung ist der digitale Euro nicht mehr nur Vision, sondern wird Realität. Die Europäische Zentralbank (EZB) startete im November 2024 offiziell die zweijährige Vorbereitungsphase für Europas Central Bank Digital Currency (CBDC). Das bedeutet: Spätestens 2028 könnt ihr mit dem digitalen Euro bezahlen – vorausgesetzt, die EU-Gesetzgeber nicken das finale Regelwerk ab.

Der digitale Euro soll als vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel funktionieren, das überall im Euroraum akzeptiert werden muss. Besonders spannend: Anders als bei Bitcoin oder anderen Kryptowährungen steht hier eine Zentralbank dahinter, die für Stabilität und Vertrauen sorgt.

Bargeld wird digital

Bargeld wird digital

EZB setzt auf Privacy-by-Design

Ein Kernproblem bisheriger CBDC-Konzepte war der Datenschutz. Niemand will, dass die Zentralbank jeden Kaffee-Kauf mitverfolgt. Die EZB hat 2025 deshalb ein „Privacy-by-Design“-Konzept entwickelt: Kleinere Transaktionen (unter 50 Euro) laufen vollständig anonym ab – ähnlich wie Bargeld heute. Erst bei größeren Beträgen greifen Identifikationspflichten, um Geldwäsche zu verhindern.

Das technische Fundament basiert auf einer hybriden Blockchain-Architektur, die sowohl Online- als auch Offline-Zahlungen ermöglicht. Offline-Funktionen waren ein absolutes Must-have aus den Bürgerbefragungen 2023/24. Ihr könnt also auch ohne Internet oder bei Netzausfällen bezahlen – die Transaktionen werden später synchronisiert.

Zugriff bekommt zunächst jeder EU-Bürger mit Wohnsitz im Euroraum. Die Wallet läuft entweder über eure bestehende Banking-App oder eine offizielle EZB-App. Auch Nicht-EU-Bürger können teilnehmen, wenn sie ein Konto bei einem europäischen Zahlungsdienstleister haben. Längerfristig sind sogar Cross-Border-Funktionen mit anderen CBDC-Projekten geplant – China testet bereits entsprechende Brücken mit dem digitalen Yuan.

Direkte Konkurrenz zu Apple Pay und PayPal

Der digitale Euro zielt direkt auf die Marktmacht von Apple Pay, Google Pay und PayPal ab. Während diese US-Konzerne eure Transaktionsdaten sammeln und monetarisieren, bleibt der digitale Euro unter europäischer Kontrolle. Die EZB verspricht: Keine Datensammlung, keine Profiling, keine Verkäufe an Dritte.

Besonders interessant sind die geplanten Smart-Contract-Funktionen. Bedingte Zahlungen werden möglich – etwa automatische Mietzahlungen oder Splits bei Gruppenrechnungen. Das macht den digitalen Euro flexibler als klassisches Bargeld, aber kontrollierter als dezentrale Kryptowährungen.

Für Händler entstehen deutlich geringere Kosten als bei Kartenzahlungen. Während Visa und Mastercard bis zu 1,5% Gebühren verlangen, plant die EZB kostenlose oder minimal kostenpflichtige Transaktionen. Das könnte besonders kleineren Geschäften helfen und die Akzeptanz fördern.

Ein Pilotprojekt mit 50.000 Teilnehmern aus fünf EU-Ländern läuft seit Anfang 2026. Erste Ergebnisse zeigen hohe Akzeptanz, besonders bei der jüngeren Generation. 78% der Tester würden den digitalen Euro regelmäßig nutzen, 65% sehen ihn als Bargeld-Ersatz für kleine Beträge.

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Bargeld bleibt, wird aber ergänzt

CBDC-Kritiker befürchten das Ende des Bargelds. Die EZB betont jedoch: Der digitale Euro ergänzt, ersetzt aber nicht die physischen Scheine und Münzen. Bargeld soll weiter produziert und akzeptiert werden. Allerdings zeigen Studien, dass Bargeldnutzung ohnehin zurückgeht – von 80% aller Transaktionen 2019 auf etwa 60% heute.

Ein wichtiger Unterschied zu Bankguthaben: Der digitale Euro ist echtes Zentralbankgeld, kein Buchgeld bei Geschäftsbanken. Das bedeutet null Ausfallrisiko, selbst wenn eure Bank pleitegeht. Dafür ist das Guthaben pro Person auf 3.000 Euro limitiert – größere Beträge müssen auf normale Konten.

Die Banken-Lobby sieht das kritisch, weil Kunden Geld von Bankkonten auf CBDC-Wallets verschieben könnten. Die EZB hat deshalb Kompromisse gemacht: Banken bleiben die hauptsächlichen Verteiler und können zusätzliche Services anbieten. Zinsen auf digitale Euro-Guthaben sind aber ausgeschlossen.

Technisch setzt die EZB auf bewährte Kryptografie und dezentrale Validierung, aber ohne energieintensive Mining-Prozesse. Die Umweltbilanz soll deutlich besser werden als bei Bitcoin – ein wichtiger Punkt für die EU-Klimaziele.

Der Zeitplan ist ambitioniert: 2026/27 laufen die Pilottests, 2027 soll das finale Design stehen. Bei grünem Licht der EU-Politik könnte der digitale Euro 2028 starten – zunächst in begrenztem Umfang, dann sukzessive ausgeweitet. Europa wäre damit nach China und einigen karibischen Staaten eine der ersten großen Wirtschaftsregionen mit funktionierender CBDC.

Für euch als Nutzer bedeutet das: Mehr Wahlfreiheit, weniger Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und ein europäisches Zahlungssystem, das Datenschutz ernst nimmt. Die Frage ist nur noch: Wann genau könnt ihr damit euren ersten digitalen Euro ausgeben?

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026