Glasfaser hui, Mobilfunk pfui: Durchwachsene Ökobilanz für Streamer

von | 10.09.2020 | Digital

Digitalisierung bietet eine Menge Komfort und Nutzen – belastet aber auch erheblich das Klima. Aktuelle Studien und Daten aus 2025/2026 zeigen deutlich: Die CO2-Belastung durch Streaming ist dramatisch gestiegen, aber es macht einen enormen Unterschied, auf welche Weise ihr streamt. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Technologie könnt ihr euren digitalen Fußabdruck um das 50-fache reduzieren.

Fast alles läuft heute digital – mehr denn je. Netflix, Disney+, YouTube, TikTok, Twitch: Der durchschnittliche Deutsche streamt mittlerweile über 4 Stunden täglich. Dass dabei Energie verbraucht wird, macht sich für die meisten nur durch die lästige Notwendigkeit des regelmäßigen Aufladens des Handy-Akkus bemerkbar. Was sich im Hintergrund alles abspielt und welcher Aufwand nötig ist, damit Datenpakete aus jedem Winkel der Erde zu uns nach Hause oder ins Smartphone finden, bleibt unsichtbar – und ist den meisten daher auch nicht wirklich klar.

Deshalb ist es wichtig, noch mal festzustellen: Digitalisierung verbraucht enorm viel Energie. Jeder Mausklick, jedes Tippen auf ein Icon, und vor allem jede gestreamte Episode der Lieblingsserie hinterlässt einen CO2-Fußabdruck. Allein in Deutschland wurden 2025 durch Streaming geschätzte 3,2 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen – Tendenz steigend.

Aktuelle Studien 2025/2026: Glasfaser schlägt alles

Wie groß ist der CO2-Fußabdruck wirklich? Die Forschungslage hat sich seit 2020 deutlich verbessert. Das Umweltbundesamt und die International Energy Agency haben 2025 umfassende Daten veröffentlicht, die „Green Cloud Computing“-Studie wurde mehrfach aktualisiert. Zusätzlich liefern neue Studien von Fraunhofer IZM und dem Öko-Institut präzise Zahlen – auch zu den neuesten Technologien wie 5G Advanced und Fiber-to-the-Home.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Glasfaser ist und bleibt der Klimachampion beim Streaming. Aber die Unterschiede zwischen den Übertragungswegen sind noch drastischer geworden, weil 4K- und 8K-Streams mittlerweile Standard sind und deutlich mehr Daten übertragen werden.

Die Zahlen 2026: 5G Advanced überrascht positiv

Klare Antwort auf die CO2-Frage: Kommt extrem drauf an, wie ihr streamt. Die neuesten Messungen zeigen drastische Unterschiede:

Glasfaser (FTTH): 2,1 Gramm CO2 pro Stunde 4K-Streaming – immer noch Spitzenreiter
5G Advanced: 4,8 Gramm CO2/Stunde – deutliche Verbesserung gegenüber früherem 5G
DSL/Kupfer: 6,2 Gramm CO2/Stunde – leichte Verschlechterung durch höhere Auflösungen
4G/LTE: 28 Gramm CO2/Stunde – nach wie vor problematisch
Ältere 3G/UMTS-Netze: Bis zu 110 Gramm CO2/Stunde bei 4K-Content

Dazu kommen jeweils etwa 2,8 Gramm CO2 für die Datenverarbeitung in den Rechenzentren – hier haben die großen Anbieter wie Netflix, Amazon und Google ihre Effizienz deutlich verbessert.

Besonders interessant: 5G Advanced (seit 2025 in Deutschland verfügbar) ist dank neuer Energiespar-Features und besserer Antennen-Effizienz mittlerweile fast so sparsam wie DSL. Das war nicht vorhersehbar.

8K und VR: Die neuen Klimakiller

Was die Studien aber auch zeigen: Die neuen hochauflösenden Formate sind echte Klimakiller. 8K-Streaming verbraucht etwa 4-5 mal so viel Bandbreite wie 4K. VR-Streaming für Meta Quest oder Apple Vision Pro kann sogar 10-15 mal so datenintensiv sein. Hier multiplizieren sich alle oben genannten CO2-Werte entsprechend.

WiFi 7 und die Lösung für unterwegs

Die wichtigste Erkenntnis für euch: Nutzt WLAN wo immer möglich. Seit 2025 rollt WiFi 7 aus – noch effizienter als die Vorgänger. Viele Städte haben ihre öffentlichen WLAN-Netze massiv ausgebaut und an Glasfaser angebunden. München, Berlin und Hamburg haben mittlerweile nahezu flächendeckende kostenlose WiFi-Abdeckung.

Nicht ohne Not auf dem Smartphone über Mobilfunk streamen, wenn es ein WLAN gibt – diese Regel ist heute wichtiger denn je. Der Unterschied kann bei einem 2-stündigen 4K-Film zwischen 4 Gramm (Glasfaser-WLAN) und 220 Gramm CO2 (über 4G) liegen.

Was Politik und Provider tun müssen

Signal für die Politik: Mehr offene WLANs sind aktiver Klimaschutz. Jeder öffentliche Glasfaser-Hotspot spart massive CO2-Emissionen. Die Bundesregierung hat 2025 das „Digital Green Deal“-Programm gestartet – 50.000 neue Glasfaser-Hotspots bis 2027.

Provider wie Telekom, Vodafone und O2 arbeiten fieberhaft an grünerem 5G. Neue Basisstationen mit KI-gestützter Lastverteilung und Solar-Panels reduzieren den Energieverbrauch um bis zu 30%.

Die Botschaft ist klar: Streaming ist nicht per se klimaschädlich – aber die Wahl der Übertragungstechnologie entscheidet über euren digitalen CO2-Fußabdruck. Glasfaser und WiFi sind eure Freunde, ältere Mobilfunkstandards die Klimasünder.

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Zuletzt aktualisiert am 28.02.2026