HFS+-Festplatten am PC lesen

von | 21.05.2021 | Hardware, Linux, macOS, Tipps

Festplattenformate und -formatierungen sind ein Graus: Vor allem wenn ihr mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeitet, dann kann der Austausch von Daten über eine USB-Festplatte ein Problem werden. Zwischen PC und Mac könnt ihr normalerweise mittlerweile das exFAT-Format verwenden, das können beide Geräte lesen und schreiben. Wenn ihr allerdings auf einem Mac oder einem NAS das HFS+-Format für die Festplatte verwendet habt, dann ist diese auf dem PC nicht lesbar. Es sei denn, ihr verwendet eines der folgenden Tools.

Das HFS+-Format ist immer noch gebräuchlich bei älteren macOS-Geräten und bei vielen Netzwerkfestplatten von QNAP, Synology und anderen Herstellern. Obwohl Apple seit macOS High Sierra (2017) standardmäßig auf APFS (Apple File System) gesetzt hat, sind viele externe Festplatten und NAS-Systeme weiterhin mit HFS+ formatiert. Das liegt vor allem daran, dass diese Systeme auf Unix basieren und HFS+ für viele Anwendungsfälle stabil und bewährt funktioniert.

Solange Microsoft hier noch keine native Unterstützung in Windows geschaffen hat, braucht ihr Zusatzsoftware. Die Situation hat sich seit 2019 kaum verbessert – Windows 11 kann HFS+ weiterhin nicht von Haus aus lesen.

Kostenlose Lösung: HFSExplorer

Die einfachste und kostenlose Lösung ist weiterhin der HFSExplorer. Das Tool wird regelmäßig aktualisiert und funktioniert auch unter Windows 11 zuverlässig. Der Nachteil bleibt jedoch: Das Programm verwendet die HFS+-Festplatte quasi als Archiv, aus dem die Dateien und Ordner extrahiert werden müssen. Das geht bei einigen wenigen Dateien, wenn ihr aber große Datenmengen kopieren müsst, ist das mühsam.

Der HFSExplorer eignet sich besonders für gelegentliche Zugriffe oder wenn ihr nur einzelne Dateien von einer HFS+-Festplatte benötigt. Die Bedienung ist intuitiv und das Tool erkennt angeschlossene HFS+-Datenträger automatisch.

Professionelle Lösung: Paragon HFS+ für Windows

Die kostenpflichtige Alternative ist HFS+ for Windows von Paragon. Für etwa 24,95 EUR (Preisstand 2026) bekommt ihr einen Treiber, der sich nahtlos in Windows integriert. Damit wird die HFS+-Festplatte direkt vom Explorer gelesen und kann auch beschrieben werden. Es macht also gefühlt keinen Unterschied zu einer FAT- oder NTFS-Festplatte.

Die Software wurde kontinuierlich weiterentwickelt und unterstützt mittlerweile auch Windows 11 vollständig. Besonders praktisch: Der Treiber arbeitet auf Kernel-Ebene, wodurch alle Windows-Anwendungen transparent auf HFS+-Datenträger zugreifen können.

Alternative: MacDrive

Eine weitere professionelle Option ist MacDrive von Mediafour, das für etwa 49,99 USD erhältlich ist. MacDrive unterstützt nicht nur HFS+, sondern auch das neuere APFS-Format von Apple. Das macht es zur ersten Wahl, wenn ihr regelmäßig mit modernen Mac-Festplatten arbeitet.

MacDrive integriert sich ähnlich wie die Paragon-Lösung nahtlos in Windows und bietet zusätzlich Features wie die Möglichkeit, Mac-Festplatten zu partitionieren oder zu formatieren.

Warum ist native Windows-Unterstützung unwahrscheinlich?

Microsoft hat bislang wenig Interesse daran gezeigt, HFS+ nativ zu unterstützen. Das liegt zum einen an der abnehmenden Verbreitung des Formats (Apple setzt seit Jahren auf APFS), zum anderen an potenziellen Lizenzproblemen. Für Microsoft ist der Business Case einfach zu klein, um hier Entwicklungsressourcen zu investieren.

Praktische Tipps für den Alltag

Wenn ihr regelmäßig Daten zwischen Mac und PC austauscht, solltet ihr langfristig auf exFAT oder NTFS umsteigen. Moderne Macs können NTFS lesen (wenn auch nicht schreiben, dafür gibt es aber Tools wie NTFS for Mac). ExFAT funktioniert bidirektional problemlos, hat aber Beschränkungen bei Dateiberechtigungen.

Für NAS-Systeme prüft, ob ihr auf ext4 oder andere Unix-Dateisysteme umsteigen könnt, die oft bessere Cross-Platform-Tools haben. Viele moderne NAS-Geräte bieten auch SMB-Shares, die das Dateisystem-Problem elegant umgehen.

Fazit

HFS+-Unterstützung unter Windows bleibt ein Nischenproblem, das sich mit den genannten Tools aber gut lösen lässt. Für gelegentliche Nutzung reicht der kostenlose HFSExplorer, für professionelle Anwendungen sind die kostenpflichtigen Treiber von Paragon oder MacDrive die bessere Wahl. Langfristig solltet ihr aber über einen Wechsel zu moderneren, plattformübergreifenden Dateisystemen nachdenken.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026