Das Klimakabinett der Bundesregierung fokussiert sich hauptsächlich auf Bereiche wie Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft. Ein entscheidender Aspekt bleibt jedoch unterrepräsentiert: die Digitalisierung. Denn während digitale Technologien durchaus beim CO2-Einsparen helfen können, sind sie selbst extrem energiehungrig.
Wenn ihr mit dem Smartphone eine Nachricht verschickt oder eine Zeitung digital lest, habt ihr doch Ressourcen geschont: Es musste kein Papier bedruckt werden. Auch Akten verschwinden in der Cloud, es landet nicht mehr alles auf Papier. Ist Digitalisierung grün und nachhaltig – oder eher nicht?
Die Antwort lautet: Es kommt drauf an.
Natürlich kann Digitalisierung helfen, Energie einzusparen. Ob im Smart Home, weil die Waschmaschine optimal arbeitet oder das Licht ausgeht, wenn niemand zu Hause ist. Im Büro oder in der Industrie noch verstärkt. In der Landwirtschaft, indem Geräte optimal genutzt werden. Aber: Digitalisierung verbraucht eine Menge Energie. Vor allem Strom, zum Betreiben der Rechenzentren. Die sehen wir nicht, aber sie sind da. Überall. Der Energiebedarf ist gigantisch.

KI und Cloud-Dienste treiben Energieverbrauch in die Höhe
Besonders deutlich wird das beim Boom der Künstlichen Intelligenz. ChatGPT, Claude, Midjourney und Co. benötigen für ihre Berechnungen enorme Rechenkapazitäten. Eine einzige ChatGPT-Anfrage verbraucht etwa 2,9 Wattstunden – das ist zehnmal mehr als eine Google-Suche. Bei Millionen von KI-Anfragen täglich summiert sich das gewaltig.
Google selbst verbraucht mittlerweile etwa 0,26 Wattstunden pro Suchanfrage – weniger als früher dank effizienterer Hardware, aber bei gestiegenen Anfragevolumen. Hundert Suchanfragen lassen eine LED-Lampe also etwa eine Stunde leuchten. Das klingt wenig, aber bei täglich 8,5 Milliarden Google-Suchen weltweit addiert sich das zu einem enormen Energiebedarf.

Videostreaming und Social Media: Die größten Energiefresser
Videostreaming klimaschädlich? Viele denken immer noch, es sei besser als DVDs zu kaufen, die man wieder wegschmeißt. Das stimmt längst nicht mehr. Video-Streaming ist heute für über 65% des weltweiten Internet-Traffic verantwortlich – und damit für den Löwenanteil des CO2-Footprints des Internets.
Durch Binge-Watching schauen wir deutlich mehr als früher auf DVD. Und weil die Auflösungen steigen – 4K ist Standard, 8K kommt – explodiert der Energiebedarf. Netflix allein verbrauchte 2024 mehr Energie als ganze Länder wie Portugal. TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts verstärken das Problem: Kurze Videos werden millionenfach gestreamt, oft nebenbei.
Besonders problematisch: Livestreaming auf Plattformen wie Twitch oder bei Gaming. Hier entstehen Datenströme in Echtzeit, die besonders energieintensiv sind. Ein vierstündiger 4K-Livestream verbraucht so viel Energie wie ein Haushalt in einer ganzen Woche.
Kryptowährungen und NFTs: Energieschleudern par excellence
Bitcoin und andere Proof-of-Work-Kryptowährungen sind wahre Energiemonster. Das Bitcoin-Netzwerk allein verbraucht jährlich so viel Strom wie Argentinien. Auch wenn viele Miner mittlerweile auf erneuerbare Energien setzen, bleibt der Gesamtverbrauch gigantisch.
Ethereum ist 2022 auf Proof-of-Stake umgestiegen und verbraucht nun 99,95% weniger Energie. Das zeigt: Es geht auch anders. Neuere Blockchains wie Solana oder Cardano sind von Anfang an energieeffizienter konzipiert.
Das Internet als Klimafaktor: Zahlen, die schockieren
Das Internet insgesamt ist mittlerweile für etwa 4,6% der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – Tendenz steigend. Das entspricht ungefähr den Emissionen der gesamten Luftfahrt. Bis 2030 könnte sich dieser Anteil verdoppeln, wenn nicht gegengesteuert wird.
Rechenzentren allein verbrauchen etwa 1% des weltweiten Stroms. Die großen Tech-Konzerne reagieren darauf: Google ist seit 2007 CO2-neutral, Microsoft will bis 2030 CO2-negativ werden, Amazon bis 2040. Aber der wachsende Energiebedarf durch KI und Streaming macht diese Bemühungen zunichte.
Praktische Tipps für bewussteren Digital-Konsum
Ihr könnt euren digitalen CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren:
Streaming optimieren: Netflix und Co. nicht „leer“ laufen lassen. Autoplay-Features deaktivieren. Nur in 4K streamen, wenn ihr wirklich ein entsprechendes Display habt. Bei YouTube-Musik das Video deaktivieren oder gleich YouTube Music nutzen.
KI bewusst nutzen: Nicht jede Kleinigkeit ChatGPT fragen. Mehrere Fragen in einer Anfrage bündeln statt einzeln zu stellen.
Cloud-Dienste aufräumen: Alte Fotos, Videos und Dateien löschen. Weniger Backup-Versionen erstellen. E-Mails mit Anhängen regelmäßig aufräumen.
Geräte länger nutzen: Das umweltfreundlichste Smartphone ist das, was ihr bereits besitzt. Reparieren statt ersetzen.
Grüne Alternativen: Suchmaschinen wie Ecosia nutzen, die mit den Werbeeinnahmen Bäume pflanzen. Oder DuckDuckGo für mehr Datenschutz bei geringerem Energieverbrauch.
Die Digitalisierung ist nicht per se schlecht fürs Klima – aber wir müssen bewusster damit umgehen. Jeder Klick zählt.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026