Meta hat gemeinsam mit Sonnbrillen-Hersteller RayBan eine Reihe von „Smart Glasses“ auf den Markt gebracht: Sie sind Brille, Kamera, Kopfhörer und Sprachassistent in einem. Eine Gefährdung für die Privatsphäre anderer?
Wie viel Privatsphäre gibt es in der Öffentlichkeit eigentlich noch? Alle laufen mit einem Smartphone herum und machen dauernd Fotos oder Videos. Es gibt kaum ein Entkommen. Aber immerhin sieht man noch, dass da jemand steht und Aufnahmen macht.
Was, wenn diese Aufnahmen unbemerkt entstehen? Das passiert inzwischen häufiger, denn Meta – die Mutter von Facebook, Instagram und WhatsApp – hat gemeinsam mit RayBan eine „Smart Glasses“ herausgebracht, die sich etabliert hat. Brillen, die mit Kameras, Mikros und Lautsprechern ausgestattet sind – und mittlerweile deutlich smarter geworden sind.
Einmal drücken für Foto, einmal lange drücken für Video
Meta Ray-Ban Smart Glasses: Schickes Design und viel mehr Technik
Da Meta hier mit dem bekannten Brillenhersteller RayBan kooperiert, sehen die Brillen richtig schick aus. Ich sage Brillen, denn es gibt verschiedene Modelle, mit verschiedenen Formen und Größen, unterschiedlichen Gläsern – braune oder grüne Sonnenbrille oder transparentes Glas –, und zu unterschiedlichen Preisen.
Zwischen 299 und 549 EUR ist alles möglich. Wer mag, kann sich sogar reguläre Gläser in seiner Stärke einsetzen lassen. Diese Brille sieht aus wie eine ganz normale Brille. Sie ist allerdings etwas schwerer, sitzt aber gut.
Wenn man sie aufsetzt, kann man damit Musik hören, wenn man mag, denn es gibt etliche diskrete Lautsprecher mit überraschend gutem Klang. Nur man selbst hört die Musik – die Lautstärke lässt sich durch lässige Wischbewegungen am rechten Bügel steuern. Umstehende praktisch nichts. Tja, und wenn man mag, kann man Fotos oder Videos machen.
Es reicht, einmal auf den Button zu drücken – dann entsteht ein Foto mit 12 Megapixel Auflösung. Oder lange drücken, dann entsteht ein Video von maximal 3 Minuten Länge in 1080p Qualität. Die Aufnahmen landen automatisch in der Meta View App auf dem gekoppelten Smartphone.
Eingebaute Lautsprecher sorgen für einen vergleichsweise guten Klang
KI-Features machen den Unterschied
Was die aktuellen Smart Glasses wirklich von der ersten Generation unterscheidet: Meta AI ist integriert. Ihr könnt die Brille jetzt auf Deutsch ansprechen: „Hey Meta, was sehe ich da?“ Und die KI analysiert in Echtzeit, was die Kamera erfasst.
Das funktioniert erstaunlich gut. Die Brille kann Texte vorlesen, Objekte erkennen, bei der Navigation helfen oder sogar beim Kochen assistieren – alles über die eingebauten Lautsprecher. Für Sehbehinderte ist das ein echter Gamechanger.
Neu ist auch die Live-Übersetzung: Schilder in anderen Sprachen werden automatisch übersetzt und vorgelesen. Das macht die Brille zum praktischen Reisebegleiter.
Meta Smart Glasses warnt Umstehende – diskret
Man kann mit der Hightech-Brille jederzeit Fotos und Videos machen – aber bekommen das die Umstehenden denn mit, werden sie gewarnt?
Man selbst, als Träger der Brille, hört einen kurzen Ton zur Bestätigung. Den hören Umstehende aber nicht. Das einzige, was die Menschen sehen, ist, dass der Träger der Brille kurz an den rechten Bügel fasst, denn dort ist der Button verbaut.
Es gibt aber auch eine LED in der Brille vorne. Bei einem Foto leuchtet die kurz weiß auf. Beim Filmen eines Videos bleibt die LED an. Die Helligkeit dieses LED lässt sich in den Einstellungen nicht mehr komplett ausschalten – Meta hat hier nachgebessert, um Missbrauch zu verhindern. Trotzdem ist sie draußen im Hellen oft kaum zu erkennen.
Mit so einer Brille lassen sich also diskretere Fotos und Videos machen als mit einem Smartphone: Da sieht ja eigentlich jeder, wenn man fotografiert oder filmt.
Hier würde jeder sehen: Da stimmt doch was nicht — in der Smartglasses fällt die Kamera kaum auf
Livestreaming direkt auf Instagram und Facebook
Ein Feature, das besonders Content Creator lieben: Direktes Livestreaming auf Instagram oder Facebook. Einfach „Hey Meta, starte einen Livestream“ sagen und schon geht’s los. Bis zu 30 Minuten am Stück sind möglich.
Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten für spontane, authentische Inhalte. Aber genau hier liegt auch die Krux: Wer weiß schon, dass gerade live gestreamt wird? Die LED leuchtet zwar, aber erkennt das jeder?
Der Sprachassistent wird immer besser
Wer mag, kann seine Brille komplett mit Sprachkommandos steuern. „Hey Meta: Mach ein Foto“ oder „Hey Meta: Wie wird das Wetter?“ funktioniert mittlerweile auch auf Deutsch. Die Spracherkennung ist deutlich zuverlässiger geworden.
Das würden die Umstehenden natürlich hören, es sei denn man ist weit weg. Praktisch: Die Brille funktioniert auch ohne Internetverbindung für grundlegende Kamerafunktionen, die smarten KI-Features brauchen aber eine Verbindung zum Smartphone.
Das Google Glass Desaster – was ist heute anders?
Viele erinnert das an die „Google Glass“-Brille, die es vor über zehn Jahren schon mal gegeben hat. Die ist wieder in der Versenkung verschwunden. Was ist jetzt anders?
Das stimmt, die Google Glass war sehr ähnlich. Sie wurde April 2012 vorgestellt und nach Protesten 2015 wieder eingestellt. Der Preis war zu hoch: 1500 Dollar. Nur wenige waren bereit, einen solchen Preis zu zahlen.
„Don’t be a glasshole“, das gab es damals in vielen Lokalen in Form von Plakaten und Schildern zu lesen. Ein Wortspiel: „Sei kein Arschloch“ leicht abgewandelt, funktioniert nur in Englisch. Die Menschen hatten ernsthafte Sorgen, jederzeit beobachtet oder gefilmt zu werden.
Heute ist die Situation anders: Smart Glasses sind günstiger, die Gesellschaft digitaler geworden. Wir haben uns an Überwachungskameras, Dashcams und ständiges Smartphone-Gefilme gewöhnt. Die Diskussion dreht sich weniger um das „Ob“, sondern um das „Wie“.
Datenschutz und rechtliche Aspekte
Meta hat aus den Google-Glass-Fehlern gelernt. Die Brille speichert Aufnahmen lokal zwischen, bevor sie aufs Smartphone übertragen werden. Nutzer können einstellen, dass Videos automatisch gelöscht werden.
Trotzdem gilt: Bildrechte anderer müssen respektiert werden. In Deutschland ist das Recht am eigenen Bild streng geregelt. Heimliche Aufnahmen von Personen sind ohne deren Einwilligung grundsätzlich verboten – egal ob mit Smartphone oder Smart Glasses.
Besonders heikel: Aufnahmen in Umkleiden, Toiletten oder anderen privaten Bereichen sind strafbar. Das gilt auch für die neuen Livestream-Funktionen.
Smart Glasses sind längst Mainstream
Ein cooler Spaß für Influencer oder eine Gefahr für die Privatsphäre von uns allen?
Für alle, die Social-Media-Kanäle betreiben und immer gute Inhalte brauchen, ist die Brille eine feine Sache. Sie liefert eine sehr gute Bildqualität und man hat die Hände frei beim Fotografieren oder Filmen.
Das kann in bestimmten Situationen ein echter Vorteil sein. Ohne den geringsten Aufwand bekommt man Aufnahmen in der Ich-Perspektive. Die KI-Features machen die Brille auch jenseits von Social Media nützlich – als Navigationsgerät, Übersetzer oder Assistent für Menschen mit Sehbehinderungen.
Aber natürlich kommt es darauf an, dass die Träger dieser Brille die Fähigkeiten verantwortungsvoll nutzen. Die Gesellschaft ist heute – über zehn Jahre nach Google Glass – digitaler und aufgeklärter. Gleichzeitig sind auch die Gesetze klarer geworden.
Smart Glasses werden bleiben. Die Frage ist nur: Schaffen wir es, sie verantwortungsvoll zu nutzen?
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026
