Es ist ein schöner Spaß: Mit TheOldNet könnt Ihr Euch anschauen, wie Webseiten oder Online-Dienste in den 90er oder 00er Jahren ausgesehen haben. Eine kleine Zeitreise – und ein faszinierendes Projekt. Für Profis geht es sogar mit eigenem Retro-Browser – und für alle anderen als App.
Moderne Webseiten sehen irgendwie alle gleich aus: Auf Glanz poliert, immer mit denselben Styles – fast schon uniform. Das zumindest meint Richard Bettridge, der auch beklagt, dass es kaum noch Amateur-Seiten gibt.
Das stimmt: Früher hat sich jeder seine eigene Webseite zusammengebastelt. Heute erledigen das Baukastensysteme oder fertige Templates für WordPress und andere Systeme, die Webseiten ins Netz bringen – und alles soll immer möglichst professionell aussehen. Während das Web von 2026 von KI-generierten Inhalten und einheitlichen Design-Frameworks geprägt ist, war das Internet der 90er noch wild und experimentell.
Retro-PCs: In den 90er Jahren sah die Welt noch ganz anders aus
TheOldNet: Webseiten wie damals – und von damals
Viele – vor allem jüngere Menschen – können sich gar nicht (mehr) vorstellen, wie die ersten Webseiten ausgesehen haben. Sie hatten wirklich nichts gemein mit den Webangeboten von heute: Pixelige Grafiken, alberne Texte – und unbeholfene Gestaltung. Das Motto damals: Hauptsache, wir sind im Netz.
Aber wie sahen Webseiten früher aus? Bettridge hat deshalb ein Projekt gestartet, das sich TheOldNet nennt. Die Seite ist gestaltet wie in den 80er Jahren. Doch es wird noch besser: Wer mag, kann sich prominente Webseiten oder auch Blogs anschauen, wie sie früher ausgesehen haben. Dazu einfach die Webadresse eingeben – und das Jahr auswählen (mittlerweile von 1991 bis 2015).
TheOldNet kramt dann im offiziellen „Internet Archive„: Ein kleiner Juwel im Netz. Denn das Portal scans seit 1996 Webseiten – und merkt sie sich im sorgsam kuratierten Online-Archiv. Laut aktuellen Angaben sind auf diese Weise mittlerweile über 735 Milliarden Webseiten archiviert worden. Es ist zum Beispiel kein Problem, sich meine Webseite schieb.de anzuschauen, wie sie 2001 ausgehen hat – hier entlang.
Die „Wayback Machine“ vom Internet Archive macht’s möglich.
So sah meine Webseite vor 20 Jahren aus
Abtauchen per App und Browser-Extension
Wer daran Gefallen findet, kann auch ganz ins Gestern abtauchen: Durch das Installieren einer entsprechenden Browser-Erweiterung lässt sich jede Webseite über das Archiv laden – ohne TheOldNet ansteuern zu müssen. Einfach im Browser Adresse eingeben – und Zieljahr auswählen. Fertig. Die Extensions sind mittlerweile für alle gängigen Browser verfügbar, einschließlich Chrome, Firefox, Edge und sogar Safari.
Der Betreiber der Seite erklärt hier, welche Einstellungen dafür nötig sind. Praktisch: Die Browser-Erweiterung funktioniert auch mit modernen Sicherheitsstandards und HTTPS-Verbindungen.
Wer sich derart für Webseiten in der Optik von damals begeistern kann, dem steht auch eine TheOldNet-App zur Verfügung – für iOS und Android. Die Apps wurden kontinuierlich weiterentwickelt und unterstützen mittlerweile auch Touch-Gesten und moderne Smartphone-Features. Ideal, um damit Wartezeiten zu überbrücken – oder einfach ein bisschen nostalgisch im Netz zu surfen.
Neue Features und Entwicklungen
Seit dem Start hat TheOldNet einige interessante Features hinzugefügt: So gibt es jetzt einen „Random Walk“-Modus, der euch zufällige archivierte Webseiten aus verschiedenen Epochen zeigt. Besonders spannend ist auch die „Evolution View“, die zeigt, wie sich eine bestimmte Webseite über die Jahre entwickelt hat.
Ein Highlight ist der neue „Retro Chat“-Bereich, wo sich Nostalgiker über ihre Lieblings-Websites aus der Vergangenheit austauschen können. Hier findet ihr auch kuratierte Listen mit den interessantesten archivierten Seiten – von den ersten Online-Shops bis hin zu längst vergessenen Social Networks wie Friendster oder MySpace.
Warum diese Zeitreise so wertvoll ist
Das Projekt ist mehr als nur Nostalgie: Es dokumentiert die Entwicklung des Internets und zeigt, wie sich Web-Design, Nutzerverhalten und Online-Kultur entwickelt haben. Während heute KI-Tools wie ChatGPT oder Claude Inhalte generieren und Design-Systeme für Einheitlichkeit sorgen, war das frühe Web ein wildes Experimentierfeld.
Für Web-Designer und Entwickler ist TheOldNet eine Fundgrube an Inspiration – manchmal ist weniger wirklich mehr. Und für alle anderen ist es eine faszinierende Reise in eine Zeit, als das Internet noch nicht von Algorithmen und Tracking dominiert wurde.
So sieht das aus, wenn man mit „The Old Net“ im Web surft…
Ein Blick in die digitale Archäologie
TheOldNet macht uns alle zu digitalen Archäologen. Jeder Klick durch die Archive zeigt, wie schnell sich das Internet gewandelt hat – und wie viele interessante Experimente und Ideen dabei verloren gegangen sind. In einer Zeit, in der das moderne Web von wenigen großen Plattformen dominiert wird, erinnert uns das Projekt daran, wie vielfältig und kreativ das Netz einmal war.
Probiert es einfach mal aus: Gebt eure Lieblingswebseite ein und schaut, wie sie vor 15 oder 20 Jahren ausgesehen hat. Ihr werdet überrascht sein – garantiert.
Zuletzt aktualisiert am 24.02.2026