Apple zeigt sich gerne von der sympathischen Seite. Aber Apple bleibt ein knallhart kalkulierendes Unternehmen, das gerne die Hand aufhält. Richtig gut verdient das Unternehmen zum Beispiel an Apps und In-App-Käufen. Hohe Provisionen, selbst unter widrigen Umständen. Dagegen regt sich weiterhin Widerstand – und erste regulatorische Maßnahmen zeigen Wirkung.
Apple, Google und Meta sind so groß und verdienen so viel Geld, weil sie machtvolle Unternehmen sind – und häufig großzügig von eben dieser machtvollen Position Gebrauch machen. Das bekommen wir Kunden und Benutzer zu spüren – aber auch Geschäftspartner. Denn die sind immer kleiner und damit schwächer als die Großen. Also bestimmen die Großen die Regeln.
Zankapfel Provisionen: Wann und wieviel?
Beispiel: Apple. Der Konzern verdient nicht nur kräftig an der verkauften Hardware, sondern noch viel besser an seinen sorgsam und klug aufgebauten Ökosystemen – iTunes und Apples App Store. Beim Verkauf der Hardware klingelt nur einmal die Kasse. Bei App-Store und iTunes andauernd. Wurden früher pauschal 30 Prozent Provision fällig, hat sich das Modell mittlerweile differenziert – auch dank regulatorischen Drucks.

Seit 2021 zahlen kleinere Entwickler mit weniger als einer Million Dollar Jahresumsatz nur noch 15 Prozent Provision im Small Business Program. Für große Anbieter bleiben es weiterhin 30 Prozent im ersten Jahr, dann 15 Prozent für Abonnements. Das kommt ganz schön was zusammen, wie man sich leicht vorstellen kann. Die Provision lässt sich aber gut verargumentieren: Apple stellt die Plattform bereit, macht Werbung, sorgt für das Inkasso und vieles andere mehr.
Der Digital Markets Act bringt Bewegung
Doch der Widerstand gegen Apples rigide App-Store-Politik trägt Früchte. Seit März 2024 ist der Digital Markets Act (DMA) der EU in Kraft, der Apple als „Gatekeeper“ einstuft. Das bedeutet: Alternative App-Stores sind in der EU nun erlaubt, Sideloading ist möglich und Entwickler können andere Zahlungsanbieter nutzen. Apple hat reagiert – widerwillig, aber immerhin.
In der EU führte Apple das neue „Core Technology Fee“ Modell ein: Entwickler können zwischen dem traditionellen App-Store-Modell oder einem reduzierten Provisionssatz (10-17%) plus einer jährlichen Gebühr von 0,50 Euro pro Installation nach den ersten eine Million Downloads wählen. Kritiker sehen darin einen Versuch, die EU-Regulierung zu umgehen.
Streit um Online-Services geht weiter
Besonders umstritten bleiben Apples Provisionen bei Online-Kursen, digitalen Events und Services. Während der Pandemie eskalierte der Konflikt, als Apple auch von Airbnb-Online-Erlebnissen oder ClassPass-Sportkursen 30 Prozent Provision verlangte. Das Argument: Was über den App-Store oder mit InApp-Käufen gekauft und bezahlt wird und online stattfindet, das ist generell provisionspflichtig.
Hier hat sich die Lage etwas entspannt. Apple zeigt sich bei „Reader Apps“ (Netflix, Spotify, etc.) flexibler und erlaubt seit 2021 Links zu externen Zahlungsseiten. Für viele Service-Anbieter ist das aber nicht genug – sie fordern mehr Flexibilität bei der Preisgestaltung und Kundenkommunikation.
Epic vs. Apple: Ein Präzedenzfall
Der spektakulärste Streit spielte sich zwischen Apple und Epic Games (Fortnite) ab. Epic umging bewusst Apples Zahlungssystem, wurde aus dem App Store verbannt und klagte. Das Verfahren endete 2021 mit einem gemischten Urteil: Apple darf sein App-Store-Monopol behalten, muss aber Anti-Steering-Regeln lockern.
Interessant: Epic gewann vor dem EU-Gericht deutlicher. Seit 2024 ist Epic wieder im europäischen App Store – ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Regulierung global verläuft.
Alternative App-Stores etablieren sich
In der EU nutzen erste Anbieter die neuen Möglichkeiten. Setapp Mobile startete als alternativer App Store, Epic plant einen eigenen Store auch für iOS. Auch wenn die Hürden hoch sind – Apple verlangt eine Million Euro Bankbürgschaft von alternativen App-Store-Betreibern – entsteht langsam Konkurrenz.
Spannend wird, wie Nutzer reagieren. Erste Umfragen zeigen: Die meisten iPhone-Nutzer bleiben beim gewohnten App Store. Sicherheitsbedenken und Bequemlichkeit wiegen schwerer als potentiell günstigere Apps.
Ausblick: Regulierung nimmt Fahrt auf
Der Druck auf die Tech-Giganten steigt weltweit. Die USA arbeiten an eigenen Gesetzen, auch wenn sich dort weniger bewegt als in Europa. Großbritannien, Japan und andere Länder verschärfen ihre Kartellgesetze. Für Apple bedeutet das: Das goldene Zeitalter der unantastbaren 30-Prozent-Provision neigt sich dem Ende zu.
Dennoch bleibt Apple ein Meister darin, neue Regeln im eigenen Sinne auszulegen. Die Core Technology Fee in Europa zeigt: Der Konzern sucht kreative Wege, um Umsätze zu sichern. Der Kampf um faire Marktbedingungen ist noch lange nicht vorbei.
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Zuletzt aktualisiert am 28.02.2026