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Favicon-Tracking und KI: Neue Super-Cookies umgehen jeden Schutz

von | 25.01.2021 | Digital

Cookies sind zwar besser als ihr Ruf, lassen sich aber ohne jeden Zweifel missbrauchen. Vor allem zum Tracking. Obwohl moderne Browser umfangreiche Cookie-Kontrollen bieten, erfinden findige Unternehmen ständig neue Methoden, um Nutzer zu verfolgen. Die neueste und raffinierte Masche: Favicons, Browser-Fingerprinting und sogar KI-basierte Verhaltensmuster werden zum Tracking missbraucht.

Cookies sind nach wie vor ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ermöglichen sie Komfort – der Warenkorb bleibt gefüllt, Logins werden gespeichert, persönliche Einstellungen bleiben erhalten. Diese kleinen Datenhäppchen, die Websites auf euren Geräten hinterlegen, sind für ein funktionierendes Web unverzichtbar.

Andererseits nutzen Werbetreibende und Datensammler Cookies intensiv für Tracking. Sie erstellen damit detaillierte Nutzerprofile, verfolgen euer Surfverhalten über dutzende Websites hinweg und verkaufen diese Daten gewinnbringend weiter.

Cookie

Cookie-Banner nerven – aber Tracking geht weiter

Seit der DSGVO und dem Digital Services Act sind Cookie-Banner allgegenwärtig. Diese verwirrenden Popup-Fenster sollen uns Kontrolle geben, führen aber meist nur zu genervtem Wegklicken. Das Problem: Während ihr euch durch komplizierte Cookie-Einstellungen kämpft, haben Tracking-Unternehmen längst neue, noch raffiniertere Methoden entwickelt.

Browser wie Chrome, Firefox und Safari haben zwar ihre Tracking-Schutz verstärkt – Chrome schafft Third-Party-Cookies bis Ende 2026 komplett ab, Firefox blockiert sie standardmäßig, und Safari geht mit Intelligent Tracking Prevention noch weiter. Doch die Werbebranche ist kreativ und weicht auf cookielose Tracking-Methoden aus.

Browser-Fingerprinting wird immer präziser

Eine etablierte Alternative zu Cookies ist das sogenannte Browser-Fingerprinting. Dabei sammeln Websites hunderte von Informationen über euer System: Browser-Version, Betriebssystem, Bildschirmauflösung, installierte Fonts, Zeitzone, Sprache, Hardware-Spezifikationen und sogar die Art, wie euer Gerät JavaScript ausführt.

Moderne Fingerprinting-Techniken sind 2026 so ausgereift, dass sie euch mit über 99-prozentiger Genauigkeit identifizieren können – ganz ohne Cookies. Canvas-Fingerprinting analysiert, wie euer Gerät Grafiken rendert, AudioContext-Fingerprinting nutzt winzige Unterschiede in der Audiowiedergabe, und WebGL-Fingerprinting untersucht eure Grafikkarte.

Favicon-Tracking: Der unsichtbare Spion

Eine besonders perfide Methode ist das Favicon-Tracking. Favicons sind die kleinen Bildchen neben Website-Adressen in Browser-Tabs. Forscher der University of Illinois deckten auf, wie Tracker diese scheinbar harmlosen Icons missbrauchen.

Der Trick funktioniert so: Jeder Nutzer bekommt eine einzigartige Favicon-Kombination zugewiesen. Da Browser Favicons automatisch laden und dauerhaft im Cache speichern, entsteht ein unsichtbarer Tracking-Code. Selbst wenn ihr alle Cookies löscht oder im privaten Modus surft – die Favicons bleiben und verraten eure Identität.

Favicon

KI macht Tracking noch raffinierter

Neue Tracking-Methoden nutzen mittlerweile Künstliche Intelligenz. Machine-Learning-Algorithmen analysieren euer Klickverhalten, die Art wie ihr scrollt, wie lange ihr auf bestimmten Bereichen verweilt, sogar die Geschwindigkeit eurer Mausbewegungen. Diese „Behavioral Biometrics“ erstellen einen so präzisen digitalen Fingerabdruck, dass euch Tracker selbst bei komplett geleertem Cache und VPN-Nutzung wiedererkennen.

Server-Side Tracking verlagert die Datensammlung komplett weg vom Browser auf die Server-Seite. Google Analytics 4 und ähnliche Tools sammeln Daten über serverseitige APIs, die für Browser-Blocker unsichtbar sind. First-Party-Daten werden über Login-Systeme, Newsletter-Anmeldungen und Kundenprogramme gesammelt und dann mit Drittanbietern geteilt.

Was könnt ihr dagegen tun?

Kompletter Tracking-Schutz ist 2026 schwieriger denn je, aber nicht unmöglich. Browser wie Brave und der Tor-Browser bieten starken Schutz. Firefox mit aktiviertem „Strenger“ Tracking-Schutz und Erweiterungen wie uBlock Origin helfen ebenfalls.

Regelmäßiges Löschen des Browser-Cache, verschiedene Browser für verschiedene Zwecke und VPN-Nutzung erschweren das Tracking. Am radikalsten ist die Nutzung virtueller Maschinen oder Browser-Compartmentalisierung mit Container-Tabs.

Gesetze hinken der Realität hinterher

Das Grundproblem bleibt: Während wir uns mit nervigen Cookie-Bannern herumschlagen, tracken Unternehmen längst mit Methoden, die kein Gesetz regelt. Der EU AI Act und neue Datenschutzgesetze berücksichtigen moderne Tracking-Techniken kaum.

Wirklich helfen würden drakonische Strafen für unzulässiges Tracking – unabhängig von der verwendeten Technologie. Solange Tracking lukrativer ist als die Gefahr erwischt zu werden, bleibt es ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Trackern und Datenschützern.

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Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026

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