Was bei Twitter als „Super Follows“ begann, hat sich zu einem komplexen Creator-Ökosystem entwickelt. X (ehemals Twitter) kämpft 2026 mit verschiedenen Monetarisierungsmodellen um Relevanz – während andere Plattformen längst die Nase vorn haben.
Twitter war lange der digitale VW Käfer unter den sozialen Netzwerken: funktional, aber wenig innovativ. Während TikTok, Instagram und YouTube ihre Creator-Programme perfektionierten, hinkte Twitter bei der Monetarisierung hinterher. Das sollte sich mit „Super Follows“ ändern – einem Feature, das 2021 große Hoffnungen weckte, aber nie richtig abhob.
2024 wurde Twitter zu X umbenannt und grundlegend umstrukturiert. Elon Musks Übernahme brachte radikale Änderungen: Vom kostenpflichtigen Verifikationssystem bis hin zu Creator-Beteiligungen an Werbeerlösen. Doch die Realität 2026 sieht anders aus als ursprünglich geplant.
Von Super Follows zu X Premium: Ein steiniger Weg
Das ursprüngliche Super-Follows-Konzept war simpel: Creator konnten exklusive Inhalte gegen eine monatliche Gebühr (damals 4,99 Euro) anbieten. Fans bekamen Zugang zu Premium-Content, Newsletter und besonderen Insights. Die Idee war gut, die Umsetzung jedoch holprig.
2026 gibt es Super Follows in dieser Form nicht mehr. Stattdessen setzt X auf ein mehrstufiges Creator-Programm: X Premium subscribers können längere Posts verfassen, weniger Werbung sehen und an Werbeerlösen partizipieren. Das System ist komplexer geworden, aber auch erfolgreicher als die ursprünglichen Super Follows.
Die wichtigsten Änderungen:
– X Premium Basic (3 Euro/Monat): Weniger Werbung, längere Posts
– X Premium Plus (8 Euro/Monat): Noch weniger Werbung, erweiterte Features
– Creator Revenue Sharing: Anteil an Werbeerlösen basierend auf Engagement
– Spaces Monetization: Bezahlte Audio-Räume für Premium-Content
Die Konkurrenz ist davongezogen
Während X mit verschiedenen Bezahlmodellen experimentierte, haben andere Plattformen ihre Creator-Economy perfektioniert. YouTube Shorts zahlt Milliarden an Creator aus, TikTok hat mit dem Creator fund und Live-Geschenken ein funktionierendes Ökosystem geschaffen. Instagram bietet mit Reels Play Bonus und Creator Fund attraktive Verdienstmöglichkeiten.
X hinkt trotz aller Bemühungen hinterher. Viele erfolgreiche Creator sind abgewandert oder nutzen X nur noch als Traffic-Quelle für andere Plattformen. Die Werbeeinnahmen sind seit der Übernahme drastisch gesunken, was auch die Creator-Ausschüttungen begrenzt.
Community Notes statt Premium-Content
Ein Erfolg der X-Transformation waren die Community Notes – ein System zur Faktenkontrolle durch die Community selbst. Dieses Feature funktioniert erstaunlich gut und zeigt, dass kollektive Intelligenz auf der Plattform durchaus möglich ist.
Doch für Monetarisierung reicht das nicht. Während LinkedIn mit Newsletter-Abos und Creator-Programmen punktet, kämpft X noch immer um ein funktionierendes Geschäftsmodell jenseits der Werbung.
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Was 2026 wirklich funktioniert
Die erfolgreichen Creator-Monetarisierungsmodelle 2026 sind vielfältig:
Newsletter und Paid Subscriptions: Substack, Ghost und Beehiiv haben sich als ernsthafte Alternativen etabliert. Creator können dort direkt ihre Audience monetarisieren.
Live-Commerce: TikTok Shop und Instagram Shopping haben den Direktverkauf revolutioniert. Creator werden zu Mini-Unternehmern.
AI-Generated Content: Tools wie ChatGPT, Claude und Midjourney ermöglichen es auch kleineren Creatorn, hochwertigen Content zu produzieren.
Cross-Platform-Strategien: Erfolgreiche Creator nutzen X hauptsächlich als Discovery-Tool und leiten Traffic zu anderen, besser monetarisierbaren Plattformen.
Die Lehren aus dem Super-Follows-Experiment
Das Scheitern der ursprünglichen Super Follows zeigt: Monetarisierung braucht mehr als nur ein Bezahlsystem. Es braucht Creator-Tools, Community-Features und vor allem eine kritische Masse zahlungsbereiter Nutzer.
X hat 2026 immer noch seine Berechtigung als News- und Diskussionsplattform. Für Creator-Monetarisierung ist es aber nur noch eine von vielen Optionen – und längst nicht die beste.
Die Zukunft gehört wahrscheinlich plattformübergreifenden Creator-Tools und dezentralen Bezahlsystemen. Web3-Ansätze wie NFTs oder Creator Coins haben sich nicht durchgesetzt, aber das Bedürfnis nach mehr Unabhängigkeit von den großen Plattformen wächst.
Am Ende war die Super-Follows-Idee ihrer Zeit voraus – kam aber zu spät und auf der falschen Plattform.
Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026