Verschlüsselung in der Cloud: So schützt ihr eure Daten richtig

von | 22.10.2021 | Netzwerk, Office

Die Cloud? Die ist doch sicher, vor allem liegen die Daten verschlüsselt auf den Server? Warum müssen wir darüber reden? Müssen wir nicht, sollten wir aber! Schützt eure Daten zusätzlich durch eigene Verschlüsselung!

Natürlich sind die meisten Cloud-Anbieter alleine schon aus Eigeninteresse so weit, dass die Daten der Kunden verschlüsselt abgelegt sind. Damit habt ihr als Kunde und Nutzer nichts zu tun, und das ist genau der Punkt: Eine Eingangstür, zu der nicht nur ihr, sondern auch der Vermieter einen Schlüssel haben, ist eben doch nicht ganz sicher. So ungefähr könnt ihr die Verschlüsselung bei einem Cloud-Anbieter beschreiben: Der hat den Schlüssel und kann so theoretisch eure Daten lesen.

Zero-Knowledge-Verschlüsselung: Der wahre Schutz

Ein weiteres Schloss anzubringen, ist im Standard nicht möglich, aber dafür gibt es inzwischen deutlich bessere Dienste als früher. Die Lösung heißt „Zero-Knowledge-Verschlüsselung“ oder auch „Client-Side-Encryption“ – dabei werden eure Daten bereits auf eurem Gerät verschlüsselt, bevor sie die Cloud erreichen.

Die besten Tools für sichere Cloud-Verschlüsselung

Cryptomator ist 2026 der klare Favorit: Open Source, kostenlos für Desktop-Systeme und nur 10 Euro einmalig für mobile Apps. Das Tool erstellt verschlüsselte „Tresore“ in eurer Cloud, die sich wie normale Laufwerke verhalten. Cryptomator funktioniert mit allen gängigen Cloud-Diensten – OneDrive, Google Drive, Dropbox, iCloud und sogar lokalen Netzwerkspeichern.

AxCrypt bietet eine elegante Lösung für Einzeldateien. Die kostenlose Version verschlüsselt Dateien mit AES-256, die Premium-Version (ab 35 Euro/Jahr) ermöglicht Sharing und erweiterte Features.

Boxcryptor gibt es zwar noch, wurde aber 2022 eingestellt und wird nur noch bis Ende 2026 unterstützt. Wer noch darauf setzt, sollte dringend wechseln.

Moderne Alternativen: Cloud-Dienste mit eingebauter Zero-Knowledge-Verschlüsselung

Noch eleganter sind Cloud-Dienste, die Zero-Knowledge-Verschlüsselung direkt mitbringen:

pCloud Crypto erweitert den beliebten pCloud-Service um clientseitige Verschlüsselung. Für 47 Euro/Jahr bekommt ihr 500 GB verschlüsselten Speicher.

Icedrive aus Großbritannien bietet standardmäßig Zero-Knowledge-Verschlüsselung und ist deutlich günstiger als die Konkurrenz.

Tresorit richtet sich an Unternehmen, aber auch Privatnutzer profitieren von der militärgraden Sicherheit.

So funktioniert die Verschlüsselung in der Praxis

Wenn ihr Cryptomator verwendet, erstellt ihr zunächst einen „Tresor“ – einen verschlüsselten Container in eurer Cloud. Dieser Tresor wird mit einem starken Passwort geschützt. Alle Dateien, die ihr in den gemounteten Tresor-Ordner legt, werden automatisch mit AES-256-Verschlüsselung versehen, bevor sie in die Cloud hochgeladen werden.

Der Clou: In der Cloud landen nur kryptische Dateinamen und verschlüsselte Inhalte. Selbst wenn Hacker Zugriff auf euren Cloud-Account bekommen oder Geheimdienste den Anbieter zur Herausgabe zwingen – ohne euer Passwort sind die Daten wertlos.

Worauf ihr achten solltet

Performance: Moderne Verschlüsselungs-Tools sind deutlich schneller geworden. Mit aktuellen Prozessoren merkt ihr kaum einen Unterschied beim Öffnen verschlüsselter Dateien.

Passwort-Management: Verwendet unbedingt einzigartige, starke Passwörter für eure Verschlüsselungs-Tools. Ein vergessenes Passwort bedeutet Datenverlust – es gibt keinen „Passwort zurücksetzen“-Button bei Zero-Knowledge-Verschlüsselung.

Backup der Schlüssel: Viele Tools bieten Wiederherstellungsschlüssel an. Druckt diese aus und lagert sie sicher.

Sharing: Plant vorher, wie ihr verschlüsselte Dateien mit anderen teilen wollt. Nicht alle Tools machen das gleich komfortabel.

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die meisten Cloud-Anbieter meinen es ehrlich mit der Sicherheit. Trotzdem: Warum das Risiko eingehen? Mit den heutigen Tools ist zusätzliche Verschlüsselung kinderleicht geworden. Ein bisschen Aufwand für deutlich mehr Sicherheit – das sollte euch eure Daten wert sein.

Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026