Stell dir vor, du möchtest ein wichtiges Telefonat führen, aber jemand steht direkt neben dir und schreit so laut, dass niemand mehr etwas versteht. Genau nach diesem Prinzip funktioniert Jamming – nur eben bei Funksignalen. Und gerade zeigt der Iran mit seiner Störung von Starlink-Terminals, wie effektiv diese Technik sein kann.
Jamming: Die elektronische Lärmkanone
Jamming bedeutet auf Deutsch so viel wie „Störsendung“ oder „Funkstörung“. Dabei werden gezielt Funksignale durch das Aussenden von Störsignalen unbrauchbar gemacht. Das Prinzip ist simpel: Ein Jammer sendet auf der gleichen Frequenz wie das zu störende Signal, aber mit deutlich höherer Leistung. Das ursprüngliche Signal geht dabei im elektronischen Rauschen unter – wie eine Flüsterstimme in einem Rockkonzert.
Die Technik ist keineswegs neu. Schon im Zweiten Weltkrieg haben Militärs gegnerische Funkverbindungen gestört. Aber heute ist Jamming ausgeklügelter und verbreiteter denn je.
Wie funktioniert Jamming technisch?
Beim Jamming kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Die einfachste Form ist das sogenannte Breitband-Jamming: Der Störsender feuert auf einem breiten Frequenzbereich elektromagnetische Signale ab und übertönt damit alles in diesem Spektrum. Das ist effektiv, verbraucht aber enorm viel Energie.
Raffinierter ist das Spot-Jamming. Hier wird nur eine ganz bestimmte Frequenz mit hoher Präzision gestört. Das spart Energie und ist schwerer zu erkennen. Noch ausgefuchster ist das Sweep-Jamming, bei dem der Störsender wie ein Scanner über verschiedene Frequenzen wandert und diese nacheinander blockiert.
Eine besonders tückische Variante ist das Deceptive Jamming. Dabei werden nicht einfach nur Störsignale gesendet, sondern gefälschte Informationen übertragen. Navigationssysteme können so beispielsweise falsche Positionsdaten erhalten und Fahrzeuge oder Flugzeuge in die Irre leiten.
GPS-Jamming: Wenn die Navigation versagt
Eine der häufigsten Jamming-Anwendungen zielt auf GPS-Signale. Die Satellitensignale, die unsere Smartphones, Autos und Flugzeuge zur Navigation nutzen, sind relativ schwach. Mit handelsüblichen GPS-Jammern, die nicht größer als eine Zigarettenschachtel sind, lassen sich diese Signale in einem Umkreis von mehreren hundert Metern komplett blockieren.
Kriminelle nutzen GPS-Jammer etwa, um Diebstahl-Tracking bei gestohlenen Fahrzeugen zu verhindern. LKW-Fahrer setzen sie manchmal ein, um Flottenüberwachung zu umgehen. Beides ist in Deutschland und den meisten Ländern streng verboten, kommt aber trotzdem vor.

WLAN und Mobilfunk: Alltägliche Jamming-Ziele
Auch WLAN-Netzwerke und Mobilfunkverbindungen lassen sich jammmen. Bei WLAN nutzen Angreifer oft sogenannte Deauthentication-Attacken: Sie senden gefälschte Trennungsbefehle, sodass sich Geräte ständig vom Netzwerk abmelden müssen.
Mobilfunk-Jamming ist komplexer, weil moderne Netze wie 4G und 5G über verschiedene Frequenzbänder arbeiten und ständig die Frequenz wechseln (Frequency Hopping). Professionelle militärische Jammer schaffen es trotzdem, mehrere Frequenzbänder gleichzeitig zu stören.
Aktuelles Beispiel: Iran vs. Starlink
Besonders aktuell ist der Einsatz von Jamming im Iran gegen Starlink-Terminals. Das Satelliten-Internet von Elon Musks SpaceX sollte Menschen im Iran Zugang zum freien Internet ermöglichen – gerade während Protesten eine wichtige Kommunikationsquelle.
Die iranische Regierung hat daraufhin massiv in Jamming-Technologie investiert. Mit leistungsstarken Störsendern versucht sie, die Verbindungen zwischen den Starlink-Terminals am Boden und den Satelliten im Orbit zu unterbrechen. Berichte zeigen, dass diese Störungen teilweise erfolgreich sind, besonders in städtischen Gebieten und in der Nähe von Regierungseinrichtungen.
Starlink arbeitet im Ku- und Ka-Band, also bei sehr hohen Frequenzen zwischen 12 und 30 Gigahertz. Jamming in diesem Bereich erfordert spezielle Ausrüstung und viel Energie. Der Iran setzt dabei vermutlich auf stationäre Störsender mit hoher Leistung, die strategisch in Städten platziert sind.
Die Katz-und-Maus-Spirale
Interessant ist: Starlink kann auf Jamming reagieren. Die Satelliten können ihre Sendeleistung erhöhen, Frequenzen wechseln oder die Signale auf die Terminals fokussieren (Beamforming). Es entsteht ein technisches Wettrüsten, bei dem beide Seiten ständig nachbessern müssen.
Jamming-Abwehr: Was kann man tun?
Gegen Jamming gibt es verschiedene Gegenmaßnahmen. Frequency Hopping lässt Sender blitzschnell zwischen verschiedenen Frequenzen springen. Adaptive Antennen können Störsignale ausfiltern und sich auf das gewünschte Signal konzentrieren. Satellitensysteme wie Starlink nutzen zudem starke Verschlüsselung und Fehlerkorrektur.
Militärische Systeme setzen auf Anti-Jamming-Technologien, die Störsignale erkennen und automatisch auf andere Frequenzen ausweichen. Manche Systeme können sogar die Quelle des Jamming-Signals orten und gezielt ausschalten.
Rechtslage: Jamming ist illegal
In Deutschland und den meisten Ländern ist Jamming streng verboten. Das Telekommunikationsgesetz verbietet das Stören von Funkdiensten, und Verstöße können mit hohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Nur staatliche Stellen dürfen unter sehr engen Voraussetzungen Störsender einsetzen, etwa Gefängnisse zur Verhinderung illegaler Handynutzung.
Trotzdem boomt der Schwarzmarkt für Jamming-Geräte. Online lassen sich GPS-Jammer und WLAN-Störer problemlos bestellen, auch wenn Besitz und Nutzung illegal sind.
Fazit: Unsichtbare Bedrohung im Äther
Jamming zeigt, wie verletzlich unsere funkbasierten Technologien sind. Ob GPS, WLAN, Mobilfunk oder Satelliteninternet wie Starlink – all diese Systeme können mit relativ einfachen Mitteln gestört werden. Das Iran-Beispiel demonstriert, wie Regierungen Jamming als Zensurwerkzeug einsetzen. Gleichzeitig entwickelt sich die Technik zur Abwehr ständig weiter. Der Kampf um die Kontrolle über den Funkäther bleibt spannend.