Wenn das Mikrofon zu leise ist: Gain-Probleme lösen

von | 15.02.2021 | Hardware, Tipps, Windows

Podcasts, VLOGs, Live-Streaming, Videotelefonie – überall benötigt ihr ein hochwertiges Mikrofon. Wenn ihr euch nicht auf meist eher dumpfe Headset-Mikrofone verlassen wollt oder sogar audiophile Ansprüche habt, dann werdet ihr schnell auf ein professionelles Mikrofon wie das Shure SM7B, das Rode PodMic oder das Audio-Technica AT2020 zurückgreifen. Eine lohnende Investition, aber was, wenn diese plötzlich zu leise sind?

Die meisten professionellen Mikrofone haben keinen USB-Anschluss, sondern einen so genannten XLR-Anschluss. Dafür gibt es keinen direkten Anschluss an den PC: Ihr benötigt entweder eine Soundkarte, die das Mikrofon aufnehmen kann oder eine Digital Audio Workstation (DAW). Was diese aber meist nicht berücksichtigen: Viele der Mikrofone benötigen 48V Phantomspannung, die auch der USB-Port nicht liefern kann.

Eine komfortable Alternative sind Umsetzer von XLR zu USB wie das bewährte Shure X2U oder das neuere Shure MVX2U mit erweiterten Features. Diese wandeln die Spannung des USB-Ports entsprechend um und funktionieren gleichzeitig als Stromversorgung inklusive Phantomspannung und als Datenanschluss. Damit bekommt ihr auch den entsprechenden Pegel übertragen.

Das Problem: Zu geringer Gain

Trotz korrekter Verkabelung bleibt oft ein Problem: Das Mikrofon ist immer noch zu leise. Das liegt daran, dass viele XLR-Mikrofone, besonders dynamische Modelle wie das legendäre Shure SM7B, einen sehr niedrigen Output haben. Ihr müsstet entweder sehr nah ran oder extrem laut sprechen – beides nicht praktikabel für längere Aufnahmen.

Hier kommt das Thema Gain-Staging ins Spiel. Euer Audio-Interface oder eure Soundkarte muss das schwache Mikrofonsignal stark verstärken. Dreht ihr den Gain jedoch zu hoch auf, verstärkt ihr nicht nur das gewünschte Signal, sondern auch unerwünschtes Rauschen.

Die Lösung: Mikrofonverstärker

Wenn das Mikrofon zu leise ist, dann braucht ihr einen Mikrofonverstärker, der das vom Mikrofon aufgenommene Signal möglichst rauschfrei so anhebt, dass ihr nicht schreien müsst. Hier bietet sich das FetHead von Triton Audio an. Das ist ein kleiner Inline-Verstärker, der zwischen Mikrofon und Kabel gesteckt wird.

Der FetHead nimmt die Phantomspannung des Audio-Interfaces auf und nutzt sie für die Verstärkung des Signals um etwa 27dB. Das hebt den Pegel deutlich an, ohne dass ihr im Mix die Lautstärke (und damit das Rauschen) stark erhöhen müsst.

Alternativen zum FetHead

Mittlerweile gibt es mehrere Optionen für Inline-Mikrofonverstärker:

Cloudlifter CL-1: Ein direkter Konkurrent zum FetHead mit ähnlichen 25dB Verstärkung. Sehr beliebt in der Podcasting-Community und arbeitet ebenfalls mit Phantomspeisung.

sE Electronics DM1 Dynamite: Bietet sogar bis zu 28dB saubere Verstärkung und ist speziell für dynamische Mikrofone optimiert.

Rode AI-Micro: Eine moderne USB-C Lösung, die als Audio-Interface fungiert und bereits genügend Gain für die meisten Mikrofone mitbringt.

Moderne Audio-Interfaces mit High-Gain

Eine andere Lösung ist ein leistungsfähigeres Audio-Interface. Viele moderne Geräte haben bereits genügend sauberen Gain für anspruchsvolle Mikrofone:

  • Zoom PodTrak P4/P8: Speziell für Podcasting entwickelt mit viel Clean Gain
  • Focusrite Scarlett Solo/2i2 (4. Generation): Deutlich verbesserte Preamps gegenüber älteren Versionen
  • PreSonus AudioBox USB 96: Solide Einsteigeroption mit ausreichend Verstärkung
  • RME Babyface Pro FS: High-End Option für Profis

Praktische Tipps für bessere Aufnahmen

Neben der Hardware gibt es einige praktische Ansätze:

Mikrofonpositionierung: Geht näher ran! 10-15cm Abstand machen einen enormen Unterschied beim Pegel.

Poppschutz verwenden: Nicht nur für Plosivlaute, sondern auch um konstanten Abstand zu halten.

Room Treatment: Ein gut behandelter Raum erlaubt es, näher am Mikrofon zu sein, ohne Raumhall aufzunehmen.

Software-Lösungen: Tools wie NVIDIA Broadcast oder Krisp können in Echtzeit Rauschen reduzieren, sodass ihr mehr Gain fahren könnt.

Fazit

Professionelle Mikrofone brauchen oft mehr als nur den richtigen Anschluss. Ein zu leises Signal lässt sich elegant mit einem Inline-Verstärker wie dem FetHead lösen, oder ihr investiert gleich in ein moderneres Audio-Interface mit mehr Headroom. Die Investition von 100-200 Euro in besseres Gain-Staging macht oft mehr Unterschied als ein teureres Mikrofon.

Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026