Das Internet vergisst nichts. Eure Daten werden gespeichert, über Jahre und Jahrzehnte. So könnt Ihr Eure Rechte auf Auskunft wahrnehmen und die Kontrolle über eure digitalen Spuren zurückgewinnen.
Es ist nichts Neues, dass persönliche Daten die neue Währung im Internet sind. Da, wo Ihr vermeintlich Dinge kostenlos bekommt, müsst Ihr Daten freigeben und meist versteckt zustimmen, dass diese auch für Werbung, KI-Training und alle möglichen anderen Zwecke verwendet werden dürfen. Der oft zitierte Kommentar „Ich habe doch nichts zu verbergen“ mag nicht falsch sein, trotzdem: Ihr habt jedes Recht, die Datenflut einzuschränken. Dazu müsst Ihr aber erst einmal wissen, welche Daten von Euch gespeichert sind!
Gerade 2025 und 2026 haben gezeigt, wie wichtig diese Kontrolle ist. Mit dem Boom von KI-Tools werden eure Daten nicht mehr nur für Werbung genutzt, sondern auch zum Training von Sprachmodellen und zur Erstellung von Nutzerprofilen, die noch detaillierter sind als je zuvor. Unternehmen wie Meta, Google und TikTok haben ihre Datensammlung massiv ausgeweitet – oft ohne dass ihr es bewusst mitbekommt.
Das Recht auf Auskunft – erweitert und gestärkt
Was viele Anwender nicht wissen: Ihr habt ein gesetzlich verbrieftes Recht zu erfahren, welche Daten über Euch gespeichert sind. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) definiert das in Artikel 15 ganz klar: Ihr habt das Recht zu erfahren, OB ein Unternehmen personenbezogene Daten über Euch gespeichert hat. Wenn das der Fall ist, dann muss es Euch auch mitteilen, WELCHE das sind und WOFÜR sie verwendet werden. Eine solche Auskunft muss unentgeltlich erteilt werden.
Seit 2024 wurden diese Rechte durch den Digital Services Act (DSA) und den AI Act nochmals gestärkt. Unternehmen müssen jetzt auch transparent machen, ob eure Daten für KI-Training verwendet werden und welche automatisierten Entscheidungen auf Basis eurer Daten getroffen werden.
Die großen Anbieter haben im Datenschutzbereich ihrer Webseite meist einen eigenen Bereich, in denen Ihr die Auskunft anfordern könnt. Bei Meta (ehemals Facebook) ist der Prozess inzwischen deutlich umfangreicher geworden – ihr könnt nicht nur eure Posts und Likes abrufen, sondern auch sehen, welche Vorhersagen über euer Verhalten getroffen wurden. Bei Amazon findet Ihr die Seite „Meine Daten anfordern“ unter den Datenschutz-Einstellungen. Google hat sein „Google Takeout“ System 2025 nochmals erweitert und bietet jetzt auch Einblicke in KI-generierte Profile.
Bei neueren Plattformen wie TikTok, Discord oder BeReal müsst ihr oft etwas tiefer graben. TikTok hat seine Datenauskunft nach mehreren Strafen durch die EU-Kommission deutlich verbessert. Ihr findet die Option meist unter „Einstellungen“ → „Datenschutz“ → „Daten herunterladen“.
Oft müsst Ihr dann noch festlegen, welche Daten Ihr geschickt haben wollt, je nach Anbieter kann das nämlich eine ganze Menge sein. Amazon teilt hier beispielsweise nach Bestellungen, Abos, Suchen, App-Einstellungen, Alexa-Aufzeichnungen und sogar nach Bewegungsmustern auf. Bei Streaming-Diensten wie Netflix oder Spotify könnt ihr auch sehen, welche Inhalte zur Empfehlung verwendet werden.
Normalerweise dauert es einige Stunden bis zu 30 Tage, bis Ihr eine Nachricht bekommt, dass die Daten zur Verfügung gestellt wurden. Klickt auf den Link in der Benachrichtigung und ladet die Daten herunter.
Die Daten sind da – was nun?
Im Normalfall bekommt Ihr eine ZIP-Datei mit allen möglichen Dateien darin. Der gesetzliche Anspruch ist, dass die Daten dem Anfragenden in einer allgemein lesbaren Form zur Verfügung gestellt werden müssen. Das heißt lesbar, in einem gebräuchlichen Format wie PDF, CSV oder JSON, aber nicht notwendigerweise selbsterklärend.
Hier ein Tipp: Inzwischen gibt es Tools, die euch beim Analysieren helfen. Die Browser-Erweiterung „Data Viewer“ oder Online-Tools wie „MyDataDone“ können die Datenpakete übersichtlich darstellen. Auch ChatGPT oder Claude können euch helfen, CSV-Dateien zu analysieren – ladet aber nur anonymisierte Samples hoch, nie die kompletten Datensätze!
Besonders interessant sind oft die Dateien mit Namen wie „inferences“, „predictions“ oder „user_segments“. Hier seht ihr, in welche Kategorien euch die Algorithmen eingeordnet haben. Google weiß beispielsweise oft überraschend genau, in welcher Lebensphase ihr euch befindet, Meta erstellt detaillierte Persönlichkeitsprofile.
Eure Rechte durchsetzen
Ihr habt das Recht, falsche Daten korrigieren bzw. löschen zu lassen. Das könnt Ihr wieder über die Kontaktwege, die in der Datenschutzerklärung angegeben sind, anfordern. Seit 2024 müssen Unternehmen auch schneller reagieren – maximal 30 Tage für komplexe Anfragen, 72 Stunden für einfache Korrekturen.
Allerdings gilt hier eine Einschränkung: Eine Löschung könnt Ihr nur dann verlangen, wenn keine Speicherfristen (beispielsweise handels- oder steuerrechtlicher Art) eine Speicherung/Aufbewahrung erfordern. Das wird bei den meisten Shops der Fall sein. Anders verhält es sich, wenn Ihr nie eine Einwilligung gegeben habt, dass Eure Daten verarbeitet und gespeichert werden dürfen.
Neu ist auch das „Recht auf Portabilität“: Ihr könnt eure Daten nicht nur einsehen, sondern auch strukturiert exportieren und zu anderen Anbietern mitnehmen. Das ist besonders nützlich, wenn ihr von einem Social Network zu einem anderen wechseln wollt.
Proaktiv handeln
Statt nur reaktiv eure Daten anzufordern, könnt ihr auch proaktiv handeln. Nutzt Tools wie „Privacy Badger“ oder „uBlock Origin“ im Browser, aktiviert die Tracking-Protection in iOS und Android, und überprüft regelmäßig eure Datenschutz-Einstellungen.
Viele Anbieter haben 2025 auch bessere Transparenz-Dashboards eingeführt. Bei Google heißt es „My Ad Center“, bei Meta „Off-Facebook Activity“, bei Apple „Privacy Report“. Schaut regelmäßig dort rein – ihr werdet überrascht sein, was dort steht.
Die Datenauskunft ist euer gutes Recht – und ein wichtiger Schritt zu mehr digitaler Souveränität. Nutzt es!
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026