Seit dem 29. Juni kannst du dir bei WhatsApp einen Benutzernamen reservieren. Das Ziel: Bald gibst du neuen Kontakten nicht mehr zwingend deine Nummer, sondern den „Handle“. Ein überfälliger Schritt – mit einem Haken, den du kennen solltest.
Wir kennen das alle: Wir treten einem Gruppen-Chat bei, Eltern-Chat, Sportverein, das Orga-Team fürs Klassentreffen. Du denkst: „Okay, jetzt bin ich drin.“ – und bist Mitglieder einer Community. Doch was die meisten in diesem Moment nicht auf dem Schirm hast: Jede und jeder in dieser Gruppe sieht ab sofort deine Handynummer. Auch die 40 Leute, die du noch nie im Leben gesehen hast.
Genau dieses stille Datenleck schließt Meta/WhatsApp jetzt. Seit dieser Woche rollt Meta für seinen populären Messenger weltweit eine Funktion aus, die andere längst haben: Individiuelle Benutzernamen.
Warum überhaupt die Rufnummer bei WhatsApp?
Um zu verstehen, warum das ein größerer Schritt ist, als es klingt, ein kurzer Blick zurück. WhatsApp ist 2009 als simple Alternative zur SMS gestartet. Und bei der SMS wie beim Telefonieren war die Rufnummer eben die „Adresse“. Diese Logik hat WhatsApp konsequent übernommen – und nie wieder fallen gelassen.
Das Problem dahinter: Eine Rufnummer, vor allem die Mobilfunknummer ist alles andere als belanglos. Nicht nur, dass man hier angerufen werden kann, an der Handynimmer hängen auch Online-Banking, SMS-Codes, dutzende Konten (etwa bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung) und vieles andere mehr.
Trotzdem geben wir (oft unfreiwillig die Rufnummer her, obwohl wir doch nur einem Gruppen-Chat beitreten wollen.
So reservierst du deinen Namen
Künftig geht es auch anders: Du legst einen Benutzernamen (Handle) fest, und neue Kontakte erreichen dich dann darüber – ohne deine Rufnummer zu kennen oder je zu sehen.
Ein großer Vorteil. Wenn Du Interesse hast, sicherst du dir am besten sofort deinen Wunschnamen:
- WhatsApp im App Store oder Play Store auf die neueste Version updaten
- In den Einstellungen auf „Konto“ und dort auf „Benutzername“ tippen
- Wunschnamen eingeben, prüfen lassen, speichern
Auf manchen iPhones taucht der Punkt auch oben über den Chats auf oder direkt, wenn du dein Profilbild antippst. Siehst du ihn noch gar nicht? Kein Grund zur Sorge. Der Start läuft in Wellen, nicht alle bekommen die Funktion am selben Tag. WhatsApp meldet sich von selbst, sobald du dran bist.
Wichtig: Reservieren und Nutzen sind zwei Paar Schuhe. Aktuell sicherst du dir erst mal nur den Namen. Als echten Ersatz für die Rufnummer zur Identifikation schaltet WhatsApp ihn aber erst im Lauf des Jahres frei, schrittweise von Land zu Land. (Wann genau, ist nicht bekannt.)
Diese Regeln gelten
Der Benutzername muss drei bis 35 Zeichen lang sein und mindestens einen Buchstaben enthalten. Erlaubt sind Kleinbuchstaben, Ziffern, Punkt und Unterstrich. Mit „www“ darf er nicht anfangen, auf eine Domain-Endung wie .com nicht enden – damit sich niemand als Webseite tarnt. Namen von Promis, Marken und großen Organisationen sind gesperrt. Den Handle eines Stars schnappst du dir also nicht, was Betrug und Phishing verhindern soll.
Wer als Creator oder Unternehmen unterwegs ist, kann seinen Instagram- oder Facebook-Namen mitnehmen. Dafür koppelst du dein WhatsApp- mit deinem Meta-Konto. Ist dein Wunschname dort schon vergeben, bleibt er bei WhatsApp blockiert, bis du die Konten verknüpfst und nachweist, dass er dir gehört.
Username Key: der Riegel gegen Spam
Ein Benutzername hat eine Kehrseite: Wer ihn kennt (oder errät), kann dir direkt schreiben. Für genau diesen Fall gibt es den „Username Key“, auf Deutsch Benutzernamenschlüssel – einen kurzen Zusatzcode.
Aktivierst du diese Funktion, reicht der Name allein nicht mehr, um Kontakt herzustellen. Wer dich zum ersten Mal über den Namen anschreibt, muss auch diesen Schlüssel kennen (etwa, indem Du Deinem Gegenüber deinen Benutzernamen und quasi den Einladungs-Code gibst).
Bestehende Kontakte mit deiner Nummer erreichen dich weiter ganz normal. Mein Rat: Bei einem kurzen, leicht zu erratenden Namen gleich mit aktivieren.
Der Haken, den du kennen solltest
Klingt soweit prima. Beim genauen Hinsehen lohnt sich aber der nüchterne Blick. WhatsApp feiert die Funktion als großes Datenschutz-Upgrade. Erfunden hat Meta das nicht: Telegram kennt öffentliche Benutzernamen seit Jahren, Signal lässt die Nummer seit 2024 hinter einem Namen verschwinden.
Vor allem aber schützt der Name nur in eine Richtung. Andere Nutzer sehen deine Nummer nicht mehr – Meta selbst kennt sie weiter. Zur Anmeldung bleibt sie Pflicht. Wer also glaubt, jetzt anonym unterwegs zu sein, irrt. Anonym wird dein Gegenüber im Chat, nicht der Konzern dahinter.
Hier lohnt der ehrliche Vergleich, weil oft Signal und Threema in einem Atemzug genannt werden. Das stimmt nur halb. Threema aus der Schweiz kommt komplett ohne Telefonnummer aus – deine Identität ist dort eine zufällige ID. Signal dagegen verlangt zur Anmeldung weiter eine Nummer und versteckt sie nur. Also exakt das, was WhatsApp gerade nachholt.
Und das Datenschutzrecht?
Ein Punkt, der vor allem Unternehmen interessiert: Am grundsätzlichen DSGVO-Thema ändern Benutzernamen wenig. Der heikle Teil war nie, dass dein Chatpartner deine Nummer sieht. Es war die Adressbuch-Synchronisation – WhatsApp gleicht die Nummern all deiner Kontakte mit Meta ab, auch die von Menschen, die nie eingewilligt haben oder selbst gar kein WhatsApp nutzen.
Genau das läuft unverändert weiter. Ein Privatsphäre-Feature für Privatnutzer also, kein Compliance-Werkzeug fürs Büro.
Mein Fazit
Kein Quantensprung – aber eine echte, längst überfällige Verbesserung. Und sie erreicht in einem Rutsch rund drei Milliarden Menschen, mehr als jede spezialisierte Datenschutz-App es je könnte.
Mein Tipp: Sichere dir deinen Wunschnamen ruhig jetzt, bevor er vergeben ist. Kostet nichts. Nutze nur nicht überall denselben – gleicher Name auf WhatsApp, Instagram und Facebook, und deine Profile lassen sich mühelos zusammenführen. Darauf weist auch das BSI hin.
Unterm Strich bleibt eine simple Faustregel: mehr Kontrolle gegenüber Fremden – ja. Mehr Privatsphäre gegenüber Meta – nein. Wer das im Kopf behält, trifft die bessere Entscheidung. Und sichert sich trotzdem den schönen Namen, solange er noch frei ist.