Wir leben im Zeitalter der Selbstvermessung und Selbstoptimierung: Das Smartphone zählt jeden Schritt, die Smartwatch oder der Fitness Tracker misst den Puls – und nicht wenige von uns lassen sich auch beim Training, beim Atmen oder beim Meditieren anleiten. Von Apps. Ist das sinnvoll – oder völliger Unfug?
Was geht hinter dieser Stirn nur vor? Wenn man doch nur Gedanken lesen könnte… Tja, selbst dafür gibt es heute eine App. Zum Beispiel „Muse S“. Ein Entspannungs-Trainer im Smartphone. Die App ist gekoppelt mit einem Gerät, das aussieht wie eine Mischung aus Kopfhörer und Stirnband. Ein Elektroenzephalograf – ein EEG für den Hausgebrauch.
Stirnband misst Hirnströme
Das digitale Stirnband misst Hirnströme – und kann feststellen, wie entspannt ihr gerade seid – oder ob ihr euch gut genug konzentriert.

Ich habe das mal ausprobiert – natürlich nur aus beruflicher Neugierde: Puls, EKG, Atmung, Bewegung – man kann heute ja wirklich schon eine Menge selbst messen. Aber das hier, so ein EEG-Stirnband, das war mir neu.
Die Idee: Mit der dazugehörigen App können und sollen die User meditieren. Die Ansagen der Trainerin kommen über Kopfhörer. Das Stirnband überwacht die Aktivität, stellt also fest, ob man wirklich entspannt ist. Konzentriert. Und das ist dann in der App zu sehen.
App hilft beim Entspannen
Meditieren hat viel mit Entspannen zu tun. Hier sieht man, wie gut das klappt. Klingt nach Spielerei. Ist es teilweise auch. Aber nicht nur. Denn richtig angewendet, können solche Selbstoptimierungs-Gadgets und Apps durchaus etwas bringen, sagen immer mehr Experten. Eine kleine Korrektur hier oder da – eine Motivation. Das kann helfen.
Im Sportbereich leuchtet das schnell ein. Wer sich Ziele steckt, etwa Bewegungsziele, kann sie mit einem Fitness-Armband oder einer modernen Smartwatch mühelos überwachen. Die neueste Apple Watch Ultra 2 oder Samsung Galaxy Watch 7 bieten mittlerweile sogar Funktionen wie Sturzerkennung, Temperaturmessung und detaillierte Schlafanalyse.
Doch die Selbstüberwachung geht weiter. Bis in den Gesundheitsbereich hinein. Selbst eine Smartwatch mit eingebautem EKG gibt es heute. Die Apple Watch: Einfach Digital Crown drücken – und Finger draufhalten. Schon erstellt die Watch ein sogenanntes 1-Kanal-EKG. Die Watch erkennt und warnt vor bestimmten Herz-Rhythmus-Störungen.

EKG messen: Durchaus eine sinnvolle Sache
EKG messen – das machen normalerweise Ärzte. Und jetzt kann man das selbst mit einer Smartwatch. Ist das Spielerei – oder eine ernsthafte Hilfe? Das frage ich einen Kardiologen. Und der erklärt mir: EKG per Smartwatch ist ein wirklich wichtiges Diagnoseinstrument. Weil die Apple Watch hoch zuverlässig Vorhofflimmern erkennt.
Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache. Das Vorhofflimmern ist nicht die ganze Zeit da. Es kommt und geht. Ihr könnt dann, falls es zu Symptomen kommt, schnell auf die Uhr drücken und sagen: Schreib ein EKG. Und dann kann die Apple Watch hier die Rhythmusstörung richtig zuordnen.
Schon entsteht ein EKG für den Arzt. Mittlerweile können sogar Blutdruck und Blutsauerstoff gemessen werden – Features, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Also: So manche Funktion ist richtig eingesetzt durchaus sinnvoll – und kann Ärzte bei ihrer Arbeit unterstützen.
KI macht Health-Apps intelligenter
Seit 2024 hat sich einiges getan: Künstliche Intelligenz macht Health-Apps deutlich schlauer. Apps wie „Fitbit Premium“ oder „Samsung Health“ nutzen Machine Learning, um eure Gesundheitsdaten zu analysieren und personalisierte Empfehlungen zu geben. Die KI erkennt Muster in euren Schlaf-, Bewegungs- und Stressdaten und schlägt gezielt Verbesserungen vor.
Besonders spannend: Apps wie „MyFitnessPal“ können mittlerweile Mahlzeiten per Foto erkennen und Nährstoffe automatisch berechnen. „Headspace“ und „Calm“ bieten KI-gestützte, personalisierte Meditationsprogramme, die sich an euren Fortschritt anpassen.

Nützliche Gesundheits-Apps
Aus Sicht des Mediziners gibt es einige wirklich nützliche Apps: „Die Apps, die einen persönlich wirklich weiterbringen, ohne sich übertrieben auf ein Gerät fixieren zu müssen: Trinken, EKG, Meditation und Schlaf“.
Genug trinken mit „WaterMinder“ oder „Hydro Coach“. Besser atmen lernen mit „Breathe“ oder „4-7-8 Breathing“. Sich beruhigen mit „Insight Timer“ oder „Ten Percent Happier“. Den Schlaf kontrollieren mit „Sleep Cycle“ oder der integrierten Schlafanalyse von Apple Health und Google Fit. Den Blutdruck überwachen mit „Blood Pressure Monitor“ oder „Qardio“.
Viele kleine, teilweise sogar kostenlose Apps können helfen. Besonders praktisch: Die meisten arbeiten mittlerweile nahtlos mit den großen Gesundheitsplattformen zusammen – Apple Health, Google Health Connect oder Samsung Health.
Datenschutz bleibt das große Problem
Das Problem allerdings: Je mehr solche Apps im Einsatz sind, desto mehr Daten fallen an. Und die werden im Smartphone gesammelt. Wie hier: Apple Health. Bewegungsdaten. Puls. EKG. Blutdruck. Schlafmuster. Stresslevel. Alles zentral im Handy gespeichert.
Praktisch, um selbst nachschauen zu können – oder damit die Health-Apps Hand in Hand arbeiten. Aber auch nicht unbedenklich. Denn was, wenn eine App diese sensiblen Daten abgreift? Oder sie an Dritte verkauft? Deshalb sehr sorgfältig auswählen, welcher App ihr Zugriff auf die Gesundheitsdaten geben möchtet.
Achtet auf seriöse Anbieter, lest die Datenschutzbestimmungen und prüft, welche Berechtigungen Apps wirklich brauchen. Im Zweifel: Weniger ist mehr. Ein paar gut ausgewählte Apps sind besser als ein Sammelsurium fragwürdiger Tools.
Gedanken lesen können Apps zum Glück noch nicht. Aber mit der rasanten Entwicklung von Brain-Computer-Interfaces und fortschrittlichen EEG-Geräten wie Neuralink oder den neuesten Muse-Modellen wird auch das vermutlich nicht mehr allzu lange dauern.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026





