Das Landgericht Hamburg und andere Gerichte haben in den letzten Jahren weitreichende Entscheidungen zur Haftung bei Links gefällt. Die Rechtslage ist kompliziert geworden – aber es gibt praktische Wege, wie ihr euch schützen könnt, ohne jeden Link einzeln zu prüfen.
Die Rechtslage beim Setzen von Links hat sich seit 2016 deutlich verschärft. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied damals, dass nicht nur der Betreiber einer Webseite für illegale Inhalte haftet, sondern unter bestimmten Umständen auch jeder, der darauf verlinkt. Diese Rechtsprechung betrifft vor allem kommerzielle Anbieter – also alle, die mit ihrem Blog, ihrer Webseite oder ihrem Social-Media-Auftritt Geld verdienen.
Das Problem mit praxisfernen Urteilen
Das Landgericht Hamburg verschärfte diese Linie 2016 noch weiter und verlangte vom Linksetzenden eine „zumutbare Nachforschung zur Rechtmäßigkeit der Zugänglichmachung“. Konkret bedeutete das: Wer einen Link setzt, muss sicherstellen, dass am Linkziel keine illegalen Inhalte zu finden sind. Das klingt erst mal vernünftig – ist aber in der Praxis völlig unrealistisch.
Wie sollt ihr prüfen, ob ein Foto korrekt lizenziert ist? Ob alle Texte urheberrechtsfrei sind? Ob die verwendeten Schriftarten legal eingebunden wurden? Das würde bedeuten, für jeden Link beim Zielbetreiber anzufragen und Belege einzufordern.
Wie die aktuelle Rechtslage 2026 aussieht
Inzwischen haben sich einige Dinge geklärt. Der Bundesgerichtshof und andere Instanzen haben die Hamburg-Linie teilweise korrigiert. Grundsätzlich gilt heute:
- Private Links sind meist unproblematisch. Wer privat auf Facebook oder Instagram verlinkt, muss sich keine Sorgen machen.
- Kommerzielle Anbieter tragen mehr Verantwortung, aber nicht die komplette Prüfpflicht.
- Offensichtlich illegale Inhalte dürft ihr nicht verlinken. Wenn klar erkennbar ist, dass eine Seite Raubkopien anbietet, seid ihr in der Pflicht.
- Bei Hinweisen auf Rechtsverletzungen müsst ihr reagieren und den Link entfernen.
Die EU-Plattformrichtlinie von 2022 und das deutsche Digitale-Dienste-Gesetz haben hier für mehr Klarheit gesorgt. Es gibt jetzt ein „Notice-and-Takedown“-Verfahren: Werdet ihr auf problematische Inhalte hingewiesen, müsst ihr „unverzüglich“ handeln – aber nicht präventiv alles prüfen.
So verlinkt ihr rechtssicher
In der Praxis könnt ihr euch mit diesen Strategien absichern:
1. Vertrauenswürdige Quellen bevorzugen: Verlinkt hauptsächlich auf etablierte Medien, Behörden, Unternehmen oder bekannte Plattformen. Das Risiko ist hier minimal.
2. Disclaimer nutzen: Ein Hinweis wie „Für verlinkte Inhalte übernehmen wir keine Haftung“ bietet zwar keinen vollständigen Schutz, kann aber hilfreich sein.
3. Regelmäßige Link-Checks: Prüft eure Links gelegentlich – nicht jeden Tag, aber wenn ihr sowieso Inhalte überarbeitet.
4. Schnell reagieren: Werdet ihr auf problematische Links hingewiesen, entfernt sie umgehend. Das zeigt guten Willen und reduziert das Haftungsrisiko.
5. Externe Links kennzeichnen: Macht deutlich, dass es sich um externe Inhalte handelt, für die ihr nicht verantwortlich seid.
Der clevere Gegenschlag des Heise-Verlags
Damals hat Jörg Heidrich vom Heise-Verlag die Absurdität der Hamburg-Entscheidung perfekt entlarvt. Er forderte vom Landgericht Hamburg schriftliche Belege, dass auf deren Webseite alles rechtmäßig ist – schließlich wollte Heise auf das Urteil verlinken.
Der Zeitdruck war bewusst knapp gesetzt: „Diese verbindliche Erklärung muss uns spätestens bis morgen, Freitag, 12 Uhr, vorliegen.“ Das Gericht konnte natürlich keine solchen Belege liefern – und hatte damit selbst demonstriert, wie unrealistisch die eigenen Anforderungen waren.
Diese Aktion hat damals viel Aufmerksamkeit erzeugt und zur späteren Korrektur der Rechtsprechung beigetragen.
Neue Tools und Technologien helfen
2026 gibt es auch technische Hilfsmittel:
Link-Checker-Tools: Automatisierte Services prüfen eure Links auf tote Verweise und offensichtlich problematische Inhalte.
KI-basierte Content-Analyse: Einige Tools können verdächtige Inhalte an Linkzielen automatisch erkennen.
Blockchain-basierte Rechteclearing: Erste Pilotprojekte ermöglichen es, die Rechtmäßigkeit von Inhalten digital zu verifizieren.
Praktische Tipps für den Alltag
Für die meisten von euch reicht gesunder Menschenverstand:
- Verlinkt nicht auf offensichtlich dubiose Seiten
- Reagiert schnell auf Beschwerden
- Nutzt bei kommerziellen Projekten einen entsprechenden Disclaimer
- Bevorzugt seriöse Quellen
Das Thema Link-Haftung zeigt exemplarisch, wie sich Internetrecht entwickelt: Erst kommen überzogene Urteile, dann korrigiert die Praxis die Rechtsprechung, und am Ende entsteht ein handhabbarer Kompromiss. Wer sich an die grundlegenden Regeln hält, kann heute wieder entspannt verlinken – ohne jeden Link einzeln juristisch zu prüfen.
Die Zeiten der Link-Paranoia sind vorbei. Aber ein gewisses Bewusstsein für die Verantwortung solltet ihr schon mitbringen.
Zuletzt aktualisiert am 05.04.2026



