Die Digitalisierung verbraucht eine Menge Energie - das Handy dabei am wenigsten

Wieviel Energie verbraucht das Internet?

In Dubai findet gerade die UN-Weltklimakonferenz statt. Grund genug, sich über den Energiebedarf und CO2-Fußabdruck des Internets Gedanken zu machen.

Weltklimagipfel: Politiker, Aktivisten und Experten stecken ihre Köpfe zusammen, um zu beraten, wie sich Klimaziele erreichen lassen. Doch viele Bereiche sind blinde Flecken. Einen Bereich haben die Allerwenigsten auf dem Zettel: die Digitalisierung. Dabei ist die Digital-Branche eine der am schnellsten wachsenden Branchen weltweit – aber niemand guckt richtig hin.

Wer fragt sich schon, ob und wie viel Energie eine E-Mail verschlingt – oder das Streamen der Lieblingsserien. Und so viel kann ich vorwegnehmen: Es sind erstaunliche Energiemengen und damit verbunden auch CO2-Ausstoß. Unser Netzdenker Jörg Schieb hat sich näher mit dem Thema beschäftigt.

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Das Smartphone – ist das kleinste Problem

In der Tat macht sich doch kaum jemand Gedanken darüber, welcher Aufwand nötig ist, um mit dem Smartphone online zu sehen.

Das Smartphone selbst ist das kleinste „Problem“: Jeden Tag einmal aufladen – das verbraucht kaum Strom. Je nach Größe des Geräts und Akkus kann das variieren. Aber durchschnittlich sind es 3 bis 6 Wattstunden pro Tag. Ein Föhn verbraucht im laufenden Betrieb mindestens 10x so viel Strom.

Das Aufladen des Handys ist also kaum der Rede wert. Es kostet 2,2 Cent am Tag. Also etwa 8 EUR Strom pro Jahr, wenn man es jeden Tag einmal auflädt. Dagegen ist nicht viel zu sagen. Doch der wahre Energieverbrauch, wenn wir ein Handy benutzen, ist viel höher: Die Herstellung der Geräte verschlingt Unmengen an Energie, um die Ressourcen zu besorgen und die Geräte schlussendlich herzustellen und auszuliefern.

Das ist viel mehr Energie als das Handy selbst an Strom im Betrieb verbraucht. Wirklich relevant ist, was während der Benutzung im Hintergrund passiert: Google-Anfragen, Apps laden und benutzen, Social Media konsumieren, Streamen… Und schon verbraucht das Handy so viel Energie wie ein Kühlschrank – nicht bei uns, aber in der Cloud.

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Soviel Energie verbraucht das Internet

Der meiste Stromverbrauch – und damit auch CO2-Ausstoß – ist mit der Nutzung von Internet und Online-Diensten verbunden.

Es gibt Tausende von gigantischen Rechenzentren weltweit. Die gehören Konzernen wie Google, Meta, Apple, Amazon, Microsoft – aber auch Netflix, Telekom oder Vodafone. Dazu kommen die Rechenzentren der Provider, jede Mobilfunkstation ist ein kleines Rechenzentrum. Es braucht aber auch Rechenzentren in wichtigen Knotenpunkten, und, und, und…

Da macht man sich keine Gedanken drüber. Das alles verbraucht Strom, für die Server, vor allem aber für die Kühlung. Da kommt ein immenser Bedarf zusammen: Rund 200 Teratwattstunden Strom pro Jahr. Das sind bereits 3% des gesamten Stromverbrauchs weltweit.

Wäre das Internet ein Land, es wäre in Sachen Stromverbrauch auf Platz 6, nach Ländern wie USA, Russland, Japan, Indien oder China, aber vor Deutschland.

Da noch längst nicht alle Rechenzentren mit regenerativen Energien betrieben werden, ist damit ein riesiger CO2-Ausstoß verbunden. Und das ist deshalb relevant, weil das Internet in dieser Hinsicht rasant wächst. In 10 Jahren werden sich alle Werte verdoppelt haben. Mindestens.

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Von der Google-Suchanfrage bis zum Streaming

Ich möchte mal ein paar Beispiele nennen: Was verbraucht eine Google-Anfrage, was alltägliche Dinge wie Streaming?

Eine einzelne Suchanfrage bei Google verbraucht bei Google 0,3 Wattstunden. Das wirkt so, als wäre das nicht viel. Wer 100 Suchanfragen an einem Tag macht, kann eine 3-Watt-Sparleuchte 1h lang leuchten lassen. Doch es gibt 5 Mrd.(!) Suchanfragen am Tag.

Das erfordert bei Google schon 1500 Megawattstunden, pro Tag!! Das ist so viel wie 25.000 Haushalte. Nur für Suchanfragen. Streaming verbraucht viel mehr Energie. Ich nenne Streaming immer den „SUV im Internet“.

Über 60% aller im Internet kursierenden Daten sind Videos und Streaming. Daher verbraucht Streamen viel Energie, nicht nur zu Hause, sondern auch im Netzwerk. Streaming ist für 1% des weltweiten CO2-Ausstoß verantwortlich. Müsste man den Strom selbst erzeugen, etwa auf einem Heimtrainer-Rad, müsste man 60 Minuten Strampeln, um 20 Minuten Streamen zu können – in hoher Auflösung.

Denn 1h Streamen verbraucht 220-370 Wattstunden, je nachdem, ob man auf einem Mobilgerät oder einem riesigen Smart-TV schaut. In 4k/UHD ist es noch mehr. Am ineffektivsten ist aber der Bitcoin. Der benötigt komplette Kraftwerke.

Google ist 1998 gestartet - und hat sich schnell zu populärsten Suchmaschine gemausert
Eine Google-Suchanfrage verbraucht etwa 0,3 Wh

Was passieren müsste

Die Politik muss dafür sorgen, dass Rechenzentren klimaneutral operieren. Mit Strom aus regenerativen Energien. Die Abwärme aus Rechenzentren muss intelligent genutzt werden, etwa zum Heißen.

Aber wir Verbraucher müssen auch erfahren, ob Rechenzentren bei Cloud-Anbietern klimaneutral arbeiten oder nicht. Wir sollten auch erfahren, wieviel Energie wir verbraucht haben oder verbrauchen. Nur so können wir entscheiden, welcher Cloud-Anbieter in dieser Disziplin gut ist.

Jeder Autohersteller muss solche Angaben machen, warum die Cloud-Anbieter nicht? Wer sparen will, stellt keine unsinnigen Fragen bei Google, streamt nur dann in hoher Auflösung, wenn es auch was bringt (auf einem großen Fernseher).

Schraubt die Helligkeit im Display etwas herunter. Es sind aber oft die kleinen Dinge, die viel bringen. Wenn’s geht, nicht im Mobilnetz streamen, sondern zu Hause im WLAN. Ungenutzte Dokumente und Fotos, aber auch alte E-Mails, die man nicht mehr benötigt, in der Cloud löschen, denn auch die verbrauchen Energie. Das Internet ist eine tolle Sache, doch wir können dafür sorgen, dass nicht völlig unnötig Energie verbraten wird.

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