Nur nicht zu früh gemeckert: Das von Apple vorgestellte und im Oktober in den USA startende Bezahlsystem Apple Pay ist interessanter, als es auf den ersten Blick scheint. Für mich ist Apple Pay sogar die eigentlich interessante Neuerung des jüngsten Produkt-Launches.

Mit dem Mobilgerät bezahlen, das ist keine neue Idee. Handyhersteller, Kommunikationsanbieter und Banken tüfteln schon länger an entsprechenden Lösungen. Durchgesetzt hat sich bislang noch keine davon. Aus gutem Grund: Die meisten Lösungen haben Mängel – und vor allem mangelt es an Verteauen und einer entsprechenden Verbreitung der Lösung. So etwas ist zum Misserfolg verdammt.

Gut durchdachte Lösung

Bei Apple Pay ist das anders. Diese Lösung ist gurch durchdacht – und könnte deswegen erfolgreich sein. Im neuen iPhone 6 ist ein NFC-Chip eingebaut – und der erlaubt das berührungslose Übertragen von Daten, etwa Zahlungsdaten an ein Kassenterminal. Doch der NFC-Chip im neuen iPhone 6 alleine ist nichts Besonderes, den haben heute viele Smartphones der oberen Preisklasse eingebaut. Allerdings kommt der Chip nur selten zum Einsatz.

Das soll Apple Pay ändern. Das neue Zahlsystem soll im Oktober in den USA starten und macht das Smartphone zur allseits bereiten, digitalen Geldbörse. Es reicht, zum Bezahlen das Smartphone unter das spezielle Lesegerät im Laden zu halten und den Zahlbetrag durch einfaches Auflegen eines registrierten Fingers zu bestätigen. Kein PIN-Code, kein Passwort, keine Unterschrift – einfach nur den Finger auflegen. Das geht blitzschnell – und ist der Sinn der Sache.

apple pay

So funktioniert ApplePay

Apple hat sich wirklich einiges einfallen lassen, um die Zahlungsprozesse zu vereinfachen und auch anders zu machen. Interessant ist: Wer mit ApplePay im Laden bezahlt – dort muss ApplePay natürlich akzeptiert werden -, der gibt dem Händler weder seine Kreditkartendaten heraus, noch seinen Namen preis. Das iPhone 6 überträgt keine persönlichen Daten, sondern übermittelt lediglich eine Art Transaktionsnummer. Eine Bestätigung, dass der Zahlvorgang abgeschlossen wurde. Der Händler erhält sein Geld (ohne konkret zu wissen von wem) und der Kunde bezahlt.

Eine deutlich diskretere Abwicklung als sonst üblich. Apple tritt dabei als Vermittler auf. Nach eigenen Erklärungen kennt auch Apple die Daten nicht, soll also nicht mitbekommen, was der Apple-User kauft und wie viel er ausgibt. Denn die Zahldaten werden direkt an die Kreditkartenfirmen übermittelt. Das könnte stimmen und wäre dann wirklich ein Fortschritt in Sachen Datensparsamkeit. Aber kontrollieren lässt sich das – zumindest derzeit – noch nicht. Die Kreditkartenfirmen hingegen wissen selbstverständlich auch weiterhin, was und wo man kauft und wie viel Geld man ausgibt.

Apple iPay hat Charme

Das Bezahlsystem von Apple hat durchaus die Chance sich durchzusetzen. Denn viele Menschen vertrauen Apple, zumindest wohl die meisten derer, die sich Apple-Produkte kaufen – und Vertrauen ist in Geldangelegenheiten eine wertvolle Währung. Was man nicht vergessen darf: Der Konzern hat bereits 800 Millionen zahlende iTunes-Kunden, die Tag für Tag Geld via Apple ausgeben, für Apps, Musik, Videos, Serien, Spiele und mehr. Im Abwickeln von Zahlungen ist Apple also durchaus erfahren.

Apple kontrolliert aber bei seinem neu eingeführten Zahlsystem nicht nur den Prozess im Hintergrund, sondern auch die Hardware, das Betriebssystem und die App, mit der bezahlt wird. Alles kommt aus einer Hand. Das ist für so einen Vorgang nicht das Schlechteste: Weil alles aufeinander abgestimmt ist, geht weniger daneben, gibt es weniger potenzielle Schwachsellen. Außerdem ist der eigentliche Zahlprozess wirklich genial einfach. Seine Kreditkarten fotografieren zu können, statt die Daten einzugeben – simpel, aber überzeugend.

Bedenken dürften bleiben

Was bei den meisten zurückbleiben dürfte, zumindest mir geht das so, ist ein gesundes Misstrauen. Will man wirklich einem US-Konzern so sehr vertrauen, dass man nicht nur die Hardware dort kauft und seine Daten im Gerät speichert (und in der Cloud), sondern auch noch alle Zahlungen über dieses Unternehmen abwickeln? Ich denke, damit haben die meisten Amerikaner weniger Probleme als wir Europäer. Zeit genug darüber nachzudenken haben wir, denn ApplePay startet zunächst erst mal nur in den USA. Wann es auch nach Europa kommt, steht noch nicht fest.