Facebook bläst gerade mächtig der Wind ins Gesicht. Aktionäre, Politik, auch viele User protestieren oder überlegen, ob sie ihre Beziehung zu Facebook nicht beenden sollten. Und die Politik kommt in Bewegung, bringt sich in Stellung. Aber was genau passiert gerade, was bedeutet das für uns und reicht das alles auch?

Mark Zuckerberg räumt kleinlaut ein, einen Fehler gemacht zu haben – und Chefentwickler Chris Cox kündigt Verbesserungen beim Datenschutz an. Aber reicht das, sind das die nötigen Lösungen?

Ich denke: Nein. Mark Zuckerberg hat mal wieder gezeigt, dass er niemand ist, der Verantwortung übernimmt. Zuerst tagelang geschwiegen zum Cambridge Analytica Skandal, dann eine halbherzige Entschuldigung, die ihm niemand abnehmen kann, weil sie schlichtweg nicht ernst gemeint ist.

Nun werden einige Optionen dazu kommen, um einzelne Daten daran zu hindern, dass Dritte sie erhalten – sofern sich Facebook daran hält. Aber am eigentlichen Problem ändert sich rein gar nichts: Facebook will und wird auch in Zukunft im großen Stil Daten einsammeln, sie auswerten und zu Geld machen.

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EU DSGV soll’s richten

Hier kann die neue europäische Datenschutzgrundverordnung, die im Mai startet, einiges bringen. Die Spielregeln werden für Onlinedienste strenger. Sie müssen mehr Transparenz bieten. Auch die Verarbeitung der Daten ist strenger geregelt.

Es gilt abzuwarten, was das konkret für die User bedeuten wird. Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, aber es reicht noch lange nicht. Neue Technologien wie KI, die Macht der Algorithmen, die Steuerfrage – es gibt noch eine Menge zu regeln und zu ordnen.

 

Sich selbst schützen

Wer hundertprozentigen Schutz will, der kann und sollte seinen Facebook-Account löschen. Kommt aber für die meisten nicht in Frage. Also sollte man die wenigen Möglichkeiten nutzen, die einem bereits zur Verfügung stehen. Zum Beispiel in den – leider sehr gut versteckten und nicht besonders einfach zu handhabenden – Privatsphäreeinstellungen nachschauen, welche Daten an die Öffentlichkeit gehen dürfen, welche Daten man mit Apps teilen möchte, auch die persönlichen Interessen betreffend.

Hier kann man auch Apps „abknipsen“, also die weitere Versorgung von Daten unterbinden. Man kann auch festlegen, wer die eigenen „Likes“ sehen kann. Es gibt auch die Möglichkeit, mit Hilfe von Plug-Ins (Erweiterungen) dafür zu sorgen, dass wahllose Inhate, Artikel oder Fotos geliket werden, um Facebook zu verwirren. Das ist aber mehr ein Gag als am Ende wirklich effektiv.

Abwanderung und Aufstand

So ein bisschen hat man ja das Gefühl, Facebook habe seinen Zenit überschritten. Die Politik scheint endlich wach geworden zu sein, da werden die Zeiten garantiert schwieriger für Facebook. Aber auch die User nehmen nicht mehr alles kommentarlos hin. Jüngere verlassen Facebook sowieso, da es dort uncool ist – schließlich sind auch die Eltern dort.

Die nutzen lieber Snapchat. Doch es gibt auch eine Bewegung, die zum konkreten Verlassen von Facebook aufruft. Unter dem Hashtag #DeleteFacebook kann man sich informieren. Es entbehrt freilich nicht einer gewissen Komik, dass man mit Twitter gegen Faceboob protestiert.

Mit Brian Acton hat sie einen prominenten Frontmann: Der WhatsApp-Gründer hat WhatsApp für mehrere Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Heute ruft er zum Verlassen von Facebook auf, da Facebook kein Vertrauen mehr verdient hätte. Diese Aktion macht gerade die Runde. Doch es gibt mittlerweile einen regelrechten Aufstand gegen die Tech-Giganten, und der wird Techlash genannt.

Aufstand gegen die Tech-Giganten

„Techlash“ ist ein Kunstwort, das sich aus „Technologie“ und „Backlash“ zusammensetzt, dem englischen Wort für Gegenreaktion. Eine Gegenbewegung also gegen technische Konzerne. Früher war es ja so: Da gab es Tech-Evangelisten, also quasi Jünger, die alles bejubeln, was es an neuer Technologie gibt. Und auf der anderen Seite die Totalverweigerer, die alles Neue ablehnen.

Doch mittlerweile diskutieren viele unterschiedliche Berufsgruppen niveauvoll über die Chancen und Risiken der neuen Technologien. Es geht dabei um die berechtigte Kritik an der ungeheuren Marktmacht von Konzernen wie Amazon, die ungeheure Auswirkungen haben. Oder das Unbehagen, das mit dem grenzenlosen Einsatz von Mobilgeräten und die zunehmende Vernetzung einhergeht.

Und schließlich die Angst, die viele haben vor neuen Technologien wie KI, Robotern oder autonomen Fahrzeugen. Das ist eine gute Entwicklung: Die üblichen Phrasen („besser für alle“) werden ersetzt durch eine detaillierte Auseinandersetzung. Das ist dringend nötig.