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Immer mehr Gesichtserkennung im Netz

30.04.2018 | Von Jörg Schieb

Internet

Alle reden über Datenschutz und weniger Daten – und Facebook führt in Europa die Gesichtserkennung ein. Wieder ein, muss man sagen, denn nach Protesten wurde die 2012 wieder abgeschafft. Aber jetzt kommt sie wieder. Doch was ist mit der Gesichtserkennung möglich? Spooky – oder nützlich? Datenschützer schlagen jedenfalls Alarm. Und wo gibt es sonst noch Gesichtserkennung?

Augen. Nase. Kinn. Wangenknochen. Ohren. Jedes Gesicht ist individuell, sieht anders aus. Für Computer ist es heute kein Problem mehr, innerhalb von Sekundenbruchteilen ein Gesicht zu vermessen und in Datenbanken abzugleichen. Auch in einem Foto. Ist das Gesicht bereits bekannt, taucht es woanders auf? Genau das erledigt Gesichtserkennung.

Es gibt Situationen, da ist Gesichtserkennung praktisch. Zum Beispiel im Smartphone: Einige Modelle scannen nicht mehr den Fingerabdruck, sondern da reicht es, kurz auf das Display zu schauen, um das Gerät zu entsperren. Fertig.

Das neue Apple iPhone X hat diese Funktion zum Beispiel. Aber auch manche Windows-Rechner verfügen über eine Gesichtserkennung. Login per Gesichts-Scan. Nichts Neues also.

Facebook setzt auf Gesichtserkennung

Neu ist, dass ein Onlinedienst am liebsten die Gesichter von allein zwei Milliarden Usern speichern würde. Das ist der Plan von Mark Zuckerbergs Unternehmen.

Facebook hat schon seit 2011 eine Gesichtserkennung am Start. Doch 2012 wurde sie in Europa aufgrund starker Proteste abgeschaltet. Aber jetzt kommt sie wieder, ausgerechnet jetzt, nach all den Skandalen – und wo bei uns die Datenschutzgrundverordnung an den Start geht, die für mehr Datenschutz sorgen soll.

Die meisten Facebook-User haben in den vergangenen Tagen einen Hinweis bekommen: Neue Datenschutzregeln – und, ach ja, Gesichtserkennung können wir jetzt auch. Will Du, liebe Userin, lieber User, nicht gerne profitieren? Aktiviert wird die Gesichtserkennung nämlich nur dann, wenn wir ausdrücklich zustimmen.

Facebook erkennt auf Wunsch alle Gesichter

Vorteil, laut Facebook: Wer die Gesichtserkennung in seinem Profil aktiviert, der kann auf Fotos automatisch markiert werden. Das bedeutet konkret: Laden Freunde oder Fremde ein Foto hoch, auf dem ich zu sehen bin, bekomme ich automatisch einen Hinweis. Das kann durchaus nützlich sein, etwa wenn ich das nicht will.

Doch wer das zulässt, füttert Facebook ohne Not mit sensiblen Daten. Mit biometrischen Daten. Facebook kann noch leichter ermitteln, wer mit wem bekannt ist – etwa durch Gruppenfotos. Außerdem erhöht sich so das Risiko für Missbrauch erheblich. Etwa, wenn Facebook die Daten weitergibt, etwa an App-Anbieter.

Meine klare Empfehlung: Die Option abschalten. Die Nachteile überwiegend deutlich die Vorteile, sofern es überhaupt welche gibt.

Fraunhofer erkennt Stimmung, Alter und Geschlecht

Denn heutzutage lassen sich mit Software nicht einfach nur Gesichter erkennen – es ist deutlich mehr möglich.

Das Fraunhofer Institut zeigt anhand der im eigenen Haus entwickelten Gesichtserkennungs-Software, was heute alles möglich ist. Es lassen sich nicht nur Personen eindeutig erkennen, sondern auch bei fremden Personen Alter und Geschlecht ermitteln – und sogar der aktuelle Gemütszustand. Das alles natürlich nicht mit 100 prozentiger Trefferquote, aber dennoch beeindruckend.

Wenn Fraunhofer das kann, dann kann Facebook das grundsätzlich auch, Und zwar in Fotos, Videos und Live-Videos. Ich sage nicht, dass sie es nutzen. Aber es besteht zumindest die Möglichkeit.

Google Clips erkennt Gesichter

Google Clips ist eine Minikamera für zu Hause. Sie schaut quasi immer zu – und nimmt automatisch Momente auf, die sich als Schnappschuss eignen könnten. Dazu analysiert die winzige Webcam per KI die Gesichter, die sie gerade sieht. Immerhin ohne Cloud. Die Gesichtserkennung ermittelt, wer gerade im Bild ist – die Aufnahmen landen dann im entsprechenden Album.

Aber auch Google Fotos oder die Fotofunktion im iPhone beherrschen schon Gesichtserkennung. Sie sortieren die Aufnahmen vollkommen automatisch nach Gesichtern. Es entstehen persönliche Fotoalben. Das erleichtert natürlich das Auffinden passender Fotos, macht aber auch deutlich, wozu Gesichtserkennung heute bereits fähig ist.

 




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