HEIF/HEVC: Das steckt hinter dem neuen Bildformat auf dem iPhone

von | 03.08.2018 | iOS

HEIF und HEVC sind längst mehr als nur neue Dateiformate auf dem iPhone – sie haben die Art revolutioniert, wie wir Fotos und Videos speichern. Während die Technologie 2017 noch in den Kinderschuhen steckte, ist sie heute der Standard für moderne Bildkompression.

Fotos und Videos verschlingen nach wie vor enormen Speicherplatz auf dem iPhone. Ein 4K-Video oder ProRAW-Foto kann schnell mehrere Gigabyte groß werden. Umso wichtiger sind effiziente Kompressionsverfahren, die seit iOS 11 zum Standard gehören: HEIF für Fotos und HEVC für Videos.

HEIF steht für „High Efficiency Image Format„, HEVC für „High Efficiency Video Coding“ (auch bekannt als H.265). Diese Formate komprimieren Dateien bis zu 50% effizienter als die Vorgänger JPEG und H.264, ohne sichtbaren Qualitätsverlust.

Von der Nische zum Standard: Die Erfolgsgeschichte

Was 2017 noch als experimentelles Feature galt, ist heute Industriestandard. HEIF und HEVC werden mittlerweile von praktisch allen modernen Geräten und Betriebssystemen unterstützt:

Windows 11 unterstützt beide Formate nativ
Android 10+ kann HEIF und HEVC problemlos verarbeiten
Adobe Creative Suite arbeitet seit 2020 nahtlos mit beiden Formaten
Google Fotos, Dropbox und andere Cloud-Dienste konvertieren automatisch
• Moderne Smart-TVs und Streaming-Geräte spielen HEVC standardmäßig ab

Warum die Kompression so effektiv funktioniert

Der Trick liegt in der deutlich intelligenteren Datenanalyse. Während JPEG jeden Bildbereich gleichmäßig komprimiert, analysiert HEIF die Bildinhalte:

Gesichtserkennung: Wichtige Bereiche wie Gesichter werden weniger stark komprimiert
Bewegungsprognose: HEVC erkennt bei Videos wiederkehrende Muster und speichert sie nur einmal
10-Bit-Farbtiefe: Mehr Farbnuancen bei gleichzeitig kleineren Dateien
HDR-Unterstützung: Hoher Dynamikumfang ohne Qualitätsverlust

Praktische Vorteile im Alltag

Die Speicherersparnis macht sich besonders bei intensiver Nutzung bemerkbar. Ein typisches Beispiel: Ein 10-minütiges 4K-Video in HEVC benötigt etwa 1,8 GB statt 3,6 GB in H.264. Bei Fotos sind die Unterschiede noch dramatischer – ein iPhone 15 Pro Max schießt ProRAW-Fotos mit 75 MB, während das HEIF-Pendant nur 15 MB groß ist.

Besonders profitieren:
Content Creator, die täglich hunderte Fotos schießen
Reisende, die Speicherplatz optimal nutzen wollen
Familien, die alle Momente festhalten möchten
Profis, die RAW-Qualität mit praktikabler Dateigröße brauchen

Die wenigen verbliebenen Stolpersteine

2026 gibt es kaum noch Kompatibilitätsprobleme, aber einige Ausnahmen bleiben:

Ältere Software (vor 2019) kann Probleme machen
Spezialisierte Fachprogramme in Industrie oder Wissenschaft
Sehr alte Drucker oder Fotolabore ohne Updates
Legacy-Systeme in Unternehmen

Das iPhone bietet deshalb weiterhin die Option „Maximale Kompatibilität“ in den Kamera-Einstellungen, die auf JPEG/H.264 zurückgreift.

Zukunftsausblick: Noch bessere Formate am Horizont

Apple arbeitet bereits an der nächsten Generation. AVIF (AV1 Image File Format) verspricht weitere 20% Speicherersparnis gegenüber HEIF. Erste Tests laufen bereits in iOS 17.4, der Rollout erfolgt schrittweise.

Für Videos experimentiert Apple mit AV1-Encoding, das Netflix und YouTube bereits nutzen. Die Implementierung dürfte mit den nächsten iPhone-Generationen kommen.

Empfehlung für euren Alltag

Versetzt euer iPhone unbedingt in den HEIF/HEVC-Modus, falls noch nicht geschehen. Die Kompatibilitätsprobleme von 2018 gehören der Vergangenheit an. Ihr spart massiv Speicherplatz, ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen.

Nur in Ausnahmefällen – etwa bei der Arbeit mit uralter Software oder beim Upload in sehr spezielle Systeme – solltet ihr temporär auf „Maximale Kompatibilität“ umschalten.

Die Technologie hat gezeigt: Manchmal brauchen revolutionäre Verbesserungen einfach etwas Zeit, um sich durchzusetzen. HEIF und HEVC sind das beste Beispiel dafür.

Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026