Der Ton in der Politik wird schärfer – zumindest in Großbitannien. Da haben Parlamentarier dem Social Network nun „Gangstermethoden“ vorgeworfen: Facebook übernehme keine Verantwortung und spiele ständig nach eigenen Regeln. Wer wollte da vehement widersprechen?

In Großbritannien unternimmt man deutlich mehr gegen Facebooks Machenschaften als in Deutschland. Entschlossener. Einfallsreicher. So hat ein Ausschuss des Parlaments vor wenigen Wochen einen Sonderermittler beauftragt, der dann auch prompt brisante Unterlagen beschlagnahmt hat. Jetzt fordern Abgeordnete des britischen Parlaments, Facebook solle endlich vollumfänglich Verantwortung übernehmen – und sich nicht wie ein „Digitaler Gangster in der Online-Welt“ verhalten.

Wie bitte? Ein Vertreter der politischen Zunft wagt eine derart ungeheuerliche Einschätzung – und spricht sie auch noch öffentlich aus?

Scharfe Kritik an den Praktiken von Facebook

Laut Wikipedia erwirtschaften Gangster „ihren Lebensunterhalt durch kriminelle Handlungen wie Diebstahl und Raub, Drogen- und Waffenhandel, Erpressung und Korruption“. Nun, das scheint auf Facebook nicht so ganz zuzutreffen und ist daher zweifellos eine Überspitzung.

Gemeint ist zweifellos etwas anderes: Facebook respektiert nur seine eigenen Regeln. Geltendes Recht, Gesetzgebung, Absprachen, Vorschriften, moralische Vorstellungen oder Anstand interessieren das Unternehmen nicht sonderlich. Erlaubt ist alles, was das Unternehmen nach vorne bringt. Untersagt sind nur Dinge, die in den „Nutzungsbedingungen“ stehen – und solche Beschränkungen gelten natürlich in erster Linie für die User.

Facebook hat sich diesen – zugegebenermaßen recht heftigen – Vergleich selbst eingebrockt. Ich kenne kaum ein Unternehmen, das derart stoisch an den eigenen Vorstellungen festhält, die Gestaltungshoheit von gewählten Parlamenten ignoriert und jeder ernsthaften Kritik aus dem Weg geht. Die Zahl der Regel- und auch der Gesetzverstöße ist endlos.

Facebook überwacht kritische User

Und wer es wagt, Facebook zu kritisieren – vor allem auf Facebook! -, der landet laut Berichten von CNBC auf einer schwarzen Liste. „Be on the lookout“ heißt die (BOLO). Einzelne Kommentare reichen, um als „Gefährder“ zu gelten.

Das angeblich Soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg – es hat sozusagen seine eigene Stasi. Auf die Idee muss man erst mal kommen, so etwas einzurichten.

Es wird wirklich Zeit, es Facebook nicht mehr durchgehen zu lassen, als „Plattform“ zu gelten. Facebook ist weit mehr als das. Facebook ist auch, aber längst nicht nur ein Medium. Also müssen auch entsprechende Regeln gelten. Fake News. Hatespeech. Politische Einflussnahme. Illegaler Datenaustausch. Mangelnde Transparenz über gespeicherte Daten. Brechen von Versprechen. Unerlaubtes Zusammenführen von Daten. Aufbau und Ausbau von Monopolen. Und das, ohne sich rechtfertigen zu wollen.

Ja, das hat was vom Gehabe eines Clans. Je mehr Zeit wir verstreichen lassen, bis eine echte Regulierung einsetzt, um so schlimmer wird e