Es gibt immer wieder Moden im Netz. Aktuell stellen viele – darunter auch Promis – Fotos von sich ins Netz. Aber bearbeitete Fotos: Mit der FaceApp lassen sich Porträtaufnahmen nach allen Regeln der Kunst nachbearbeiten – und auf Knopfdruck das eigene Gesicht altern. Das sieht verblüffend echt aus. Aber: Die App kommt aus Russland – und einige fürchten, es könnten Daten nach Russland abfließen. Aber stimmt das?

Für ein „Wow!“ oder „Was?“ ist die FaceApp ganz sicher gut. Denn mit wenigen Handgriffen und ein paar mal Tippen hier oder da lässt sich jedes Gesicht verändern oder verfremden: Nachträglich ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Mal schauen, ob einem ein Bart steht. Oder einen Eindruck davon bekommen, wie man selbst (oder andere) mit 70+ aussieht. FaceApp kann alles – und das bringt ohne jeden Zweifel Spaß. Doch es gibt derzeit intensive Diskussionen, was den Datenschutz betrifft. Ein Fall für das FBI sei die App, sagt US-Demokrat Chuck Schumer.

Auch nicht bedenklicher als Facebook

Die App geht gerade viral. Unter dem Hashtag #FaceAppChallenge posten viele – darunter auch Promis – durch KI errechnete Zeitsprung-Fotos. Wie sehen wir in 30 Jahren aus? Allerdings fließen Daten aus der App auf die Server des Betreibers des Angebots. Damit haben nun viele Probleme. Sie befürchten, wir würden alle ausspioniert.

Die Kollegen von Mimikama haben einen Fakten-Check gemacht. Sehr lesenswert – und auch überzeugend. Demnach ist FaceApp nicht gefährlicher oder bedenklicher, als Fotos bei Facebook hochzuladen. Völlig nachvollziehbar. Denn Facebook, Google, Twitter und Co. haben ungleich mehr Daten von uns – nicht, dass das gut wäre. Aber die FaceApp ist nicht schlimmer.

Nicht mal das Argument stimmt, dass die Daten (=Fotos) nach Russland gehen. Denn sie werden auf Servern von Amazon in den USA gespeichert.

Eine Auszeichnung als datenschutzfreundliche App bekommt die FaceApp zwar ganz sicher nicht. Vor allem, weil die AGBs nicht DSGVO-konform zu sein scheinen. Aber welches Interesse sollte das Unternehmen an den Aufnahmen haben? Aufnahmen, die es in derselben Qualität überall öffentlich im Netz gibt – und zwar in Hülle und Fülle?

Wer auf Nummer Sicher gehen will: Finger weg!

Ich finde es beruhigend, dass die App Geld kostet: Nach drei Tagen kostenlosem Ausprobieren kosten die interessanten Funktionen extra. 20 EUR im Jahr. Die Anbieter der App sind also nicht auf Werbung oder dergleichen angewiesen.

Wäre die App kostenlos, gäbe es gar keinen anderen Weg als dass Daten erhoben und verwertet werden. Doch so sehe ich keinen Nutzen: Die (vergleichsweiswe wenigen) Daten, die anfallen, lassen sich nicht zu Geld machen. Warum sollte jemand für Fotos von Unbekannten etwas bezahlen?

Die Diskussion darüber, welche Daten da abfließen und zu welchem Zweck ist gut – allerdings sollte man sich diese Frage generell stellen. Facebook, Twitter, Amazon – sie alle erheben ungleich mehr Daten und bekommen diese von den Usern in der Regel nur zu gerne frei Haus geliefert. Diese Unternehmen monetarisieren die Daten ohne jeden Zweifel. Bei FaceApp sind das Vermutungen.

Wer kein Risiko eingehen will, sollte die Finger von FaceApp lassen – aber auch von allen anderen Diensten, die ähnlich arbeiten. Etwa Alexa, Siri oder Google Assistant. Auch sie liefern ständig Daten in der Cloud ab.