Seit einigen Tagen fahren sie auch über deutsche Straßen: Von Apple losgeschickte Fahrzeuge mit Kamera auf dem Dach. 80 davon allein in Deutschland. Sie fotografieren Gebäude, Straßenschilder und Straßenkreuzungen. Kommt uns bekannt vor? Richtig: Vor zehn Jahren ist Google Streetview gestartet. Damals war der Aufschrei groß. Diesmal überschaubar. Wie das?

Google Streetview ist vor fast 10 Jahren in Deutschland gestartet. Was hat sich eigentlich seitdem getan? Hat Google das Angebot erweitert?

In anderen Ländern der Welt schon. Bei uns in Deutschland: Nein. Wer sich in Google Maps den Streetview-Dienst nutzt, also die Panoramaaufnahmen anschaut und virtuell durch Köln, Berlin oder München steuert, sieht zehn Jahre alte Aufnahmen. Google hat die Aufnahmen in Deutschland nicht aufgefrischt oder verbessert, geschweige denn neue Orte mit ins Programm aufgenommen.

Während andere Länder nahezu lückenlos mit Streetview abgebildet werden, ist Deutschland nur lückenhaft präsent. Der Grund überrascht kaum: Der Ärger in Deutschland mit verpixelten Fassaden. Google ist der Aufwand einfach zu hoch. Deswegen liegt der Dienst bei uns mehr oder weniger brach.

Sie sinnvoll ist ein Map-Dienst mit Verpixelung

Manch einer fragr sich: Macht das den Dienst nicht nutzlos?

Nutzlos nicht gleich unbedingt, aber doch weniger sinnvoll als möglich. Denn wie sinnvoll ist es, wenn man sich die Umgebung eines Hotels anschauen möchte – und sieht nur verpixelte Gebäude? Und wer sich heute für eine Wohnung interessiert und in Google Streetview umschaut, kann nicht sicher sein, dass es heute wirklich in der Straße so aussieht wie Streetview den Eindruck erweckt.

Das ärgert auch viele Vermieter oder Menschen, die ihre Häuser verkaufen wollen: Einmal verpixelt, für immer verpixelt. Eine „Entpixelung“ auf Antrag gibt es nicht. Google sagt offiziell: Die Daten sind nicht mehr da. In Wahrheit will sich Google wohl eher Aufwand ersparen. Das zeigt aber schon, wie kontrovers die Sache in der Bevölkerung gesehen wird.

Nun auch Apple

Und jetzt kommt Apple und will das alles wiederholen? Im Augenblich hört man doch eher weniger Protest als damals bei Google Streetview.

Das stimmt. Die Zeiten haben sich geändert. Aber auch gegen Apples Lookaround gibt es durchaus Proteste. Die Aufnahmen, die Apple macht, sind qualitativ deutlich besser als die von Google vor zehn Jahren. Unter anderem deshalb, weil Apple auch Laser verwendet, um Straßen und Gebäude exakt zu vermessen.

Erst mal nutzt Apple die Daten nur, um das Kartenmaterial von Apple Maps besser zu machen. Die Fotoaufnahmen aus Deutschland sollen erst mal gar nicht veröffentlicht werden. Erst Anfang nächsten Jahres wird entschieden, ob die Aufnahmen aus Deutschland überhaupt und in Deutschland veröffentlicht werden. Einen Antrag auf Verpixelung können Betroffene aber auch jetzt schon stellen.

Verpixelung: Ja oder Nein?

Ich bin immer für Datenschutz – aber die Verpixelung von Fassaden habe ich nie verstanen. Wir haben in Deutschland ein Recht auf Panoramafreiheit. Bedeutet: Was von öffentlichen Straßen oder Plätzen sichtbar ist, das darf auch fotografiert und veröffentlicht werden. Nun sind die Kameras auf den Kamerawagen von Google und Apple etwas erhöht angebracht.

Außerdem steht nirgendwo, dass alle Fotos aller Gebäude in Deutschland in Datenbanken gespeichert werden dürfen. Deswegen hat Google Goodwill gezeigt und sich auf die Verpixelung eingelassen. Ich finde es unverständlich. Jeder kann die Fassaden sehen. Warum nicht in einem praktischen Service anbieten? Diese Form von Datenschutz und Privatsphäre finde ich übertrieben. Dann müsste man sich viel mehr über Satelliten- oder Luftaufnahmen ärgern, die auch in den Hintergarten blicken – und zeigen, ob ein Haus einen Pool hat oder nicht. Hier gibt es aber merkwürdigerweise keine Proteste.