Refurbished IT: Lohnen sich generalüberholte Geräte?

von | 06.08.2019 | Hardware

Heutzutage gibt es kaum noch einen Haushalt ohne technisches Equipment. Laut aktuellen Studien hatten 2024 bereits 95 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen PC oder Laptop. Im Bereich der Smartphones sind es sogar 98,5 Prozent. Doch wer sich mit Hardware versorgen will, muss nicht zwangsweise immer zu Neugeräten greifen.

Die Anschaffung neuer, hochwertiger Geräte, insbesondere PCs, Laptops, Tablets und Smartphones, kann ohne Weiteres ein großes Loch in den Geldbeutel reißen. Während die Kosten von Zubehör wie Kopfhörer, Maus und Co. für die meisten Menschen noch erschwinglich sind, sieht das bei der Anschaffung größerer Hardware anders aus.

Leider sind immer wieder Anschaffungen nötig – denn keine Hardware hält ewig. Besonders in Zeiten hoher Inflation und steigender Lebenshaltungskosten suchen viele nach sinnvollen Alternativen.

Ungefähre Lebensdauer der Hardware

  • Lithium-Akkus von Notebooks und Handys: 500 bis 1000 Ladezyklen, theoretisch acht bis 20 Jahre haltbar, praktisch jedoch drei bis sechs Jahre;
  • Desktop PC: fünf bis acht Jahre;
  • Notebook/Laptop: vier bis sechs Jahre;
  • Smartphones: drei bis fünf Jahre (oft durch Software-Updates begrenzt);
  • Tablets: vier bis sechs Jahre;
  • Server (Enterprise-Klasse): sechs bis zehn Jahre;
  • SSD-Festplatten: fünf bis zehn Jahre;
  • Monitore: acht bis 15 Jahre;
  • Drucker (Laser/Tintenstrahl): fünf bis zwölf Jahre

Was sind Refurbished IT-Geräte?

Eine gute Alternative sind Geräte, die nicht fabrikneu sind, sondern generalüberholt. Also gebrauchte Hardware, die vom Hersteller oder einem spezialisierten Anbieter eingesammelt, gründlich überprüft und wieder auf Vordermann gebracht wird. Wie neu – aber eben nicht neu. „Refurbished“ ist der Fachbegriff dafür.

Oft handelt es sich dabei um Business-Geräte aus beendeten Leasingverträgen, Rückläufer aus dem Online-Handel oder Überbestände. Unternehmen geben die Geräte zurück, nicht weil sie altersschwach oder defekt wären, sondern weil sie routinemäßig durch neue ersetzt werden oder die Rückgabefrist genutzt wurde.

Nach der Rücksendung schließt sich ein sogenannter Audit-Prozess an, der sowohl die Überprüfung als auch eine detaillierte Beschreibung über die technische Ausstattung und die optische sowie technische Qualität enthält. Zum Audit-Prozess zählen unter anderem:

  • die gründliche Reinigung der Geräte innen und außen,
  • die professionelle Datenlöschung (DSGVO-konform),
  • ein ausführlicher Test aller Hardware-Komponenten,
  • Batterie- und Akkutests,
  • Software-Updates und Neuinstallation,
  • eventuelle Reparaturen einzelner Komponenten und
  • die Erfassung der Geräte im Bereich Technik und Qualität.

Der Boom der Refurbished-Branche

Der Markt für generalüberholte IT-Geräte ist in den letzten Jahren explodiert. Laut aktuellen Marktanalysen ist der deutsche Refurbished-Markt zwischen 2020 und 2025 um über 200 Prozent gewachsen. Anbieter wie AfB, Greenpanda oder auch die großen Online-Händler haben ihre Refurbished-Sparten massiv ausgebaut.

Besonders bei MacBooks, iPads und iPhones ist das Angebot an hochwertigen Refurbished-Geräten enorm gewachsen. Apple selbst bietet mittlerweile ein umfangreiches Certified Refurbished Programm an, das mit voller Garantie und oft kaum von Neuware zu unterscheiden ist.

Manche Refurbished Produkte sind so gut wie neu

Durch das 14-tägige Rückgaberecht für Verbraucher und das erweiterte Widerrufsrecht im Online-Handel landen viele Geräte als „gebraucht“ auf dem Refurbished-Markt, obwohl sie praktisch unbenutzt sind. Oft wurden sie nur ausgepackt, kurz getestet und dann zurückgesendet.

Auch Refurbished Business-Geräte aus Leasingbeständen sind aufgrund ihrer Hochwertigkeit und professionellen Wartung oftmals noch über einen langen Zeitraum nutzbar. Viele Unternehmen tauschen ihre IT-Ausstattung bereits nach drei Jahren aus, obwohl die Geräte noch jahrelang problemlos funktionieren würden.


Einteilung der Refurbished Geräte in Stufen

Nach dem Auditprozess werden die Geräte in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt:

  1. Wie neu (Grade A+) – Praktisch unbenutzte Geräte aus Retouren, Demoware aus Messe- und Ladenausstellungen. Sie sind optisch und technisch neuwertig und oft noch originalverpackt.
  2. Sehr gut (Grade A) – Professionell aufbereitete Geräte ohne sichtbare Gebrauchsspuren. Technisch einwandfrei mit voller Funktionalität und oft neuen Akkus.
  3. Gut (Grade B) – Geräte mit leichten Gebrauchsspuren wie kleinen Kratzern oder Druckstellen. Technisch vollständig funktionsfähig, aber optisch erkennbar gebraucht.
  4. Befriedigend (Grade C) – Deutliche Gebrauchsspuren, aber technisch einwandfrei. Diese Kategorie bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für preisbewusste Käufer.

Nachhaltigkeit als wichtiger Faktor

Neben dem Preisvorteil spielt die Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle beim Kauf von Refurbished-Geräten. Jedes generalüberholte Gerät verlängert den Produktlebenszyklus und reduziert den Elektroschrott erheblich. Laut Umweltbundesamt können durch den Kauf eines Refurbished-Laptops bis zu 70 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden, die bei der Neuproduktion entstehen würden.

Viele Unternehmen und Privatpersonen entscheiden sich bewusst für Refurbished-Geräte, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Die Circular Economy wird immer wichtiger, und IT-Refurbishing ist ein zentraler Baustein davon.

Vorteile von Refurbished IT-Geräten

Der deutlich günstigere Preis steht nach wie vor an erster Stelle bei Refurbished Produkten. Je nach Gerät und Zustand könnt ihr zwischen 30 und 70 Prozent gegenüber dem Neupreis sparen. Durch die gründliche Überprüfung, Reinigung und eventuelle Instandsetzung erhaltet ihr für deutlich weniger Geld ein technisch gleichwertiges Gerät.

Weitere Vorteile:

  • Geringere Ausfallrate: Kinderkrankheiten wurden bereits erkannt und behoben
  • Umfassende Tests: Jedes Gerät durchläuft systematische Qualitätsprüfungen
  • Garantie: Seriöse Anbieter gewähren mindestens 12 Monate Garantie
  • Nachhaltigkeit: Deutlich bessere Umweltbilanz als Neukauf
  • Sofortige Verfügbarkeit: Keine Wartezeiten wie bei neuen Modellen

Worauf ihr beim Kauf achten solltet

Da die Begriffe „refurbished“ und „generalüberholt“ rechtlich nicht geschützt sind, ist die Wahl des richtigen Anbieters entscheidend. Achtet auf diese Kriterien:

  • Mindestens 12 Monate Garantie (besser: 24 Monate)
  • Detaillierte Zustandsbeschreibung mit Fotos
  • Transparente Rückgabebedingungen (mindestens 14 Tage)
  • Zertifizierte Datenlöschung nach DSGVO-Standards
  • Akkutest-Ergebnisse bei mobilen Geräten
  • Kundenbewertungen und Erfahrungsberichte

Besonders bei Akkus ist Vorsicht geboten: Ein gutes Refurbished-Gerät sollte noch mindestens 80-90 Prozent der ursprünglichen Akkukapazität haben. Viele Anbieter tauschen die Akkus sogar prophylaktisch aus.

Tipp: Testet das Gerät in den ersten 14 Tagen ausführlich. Überprüft alle Anschlüsse, die Kamera, Mikrofon, Lautsprecher und natürlich die Akkulaufzeit. Falls ihr Probleme entdeckt, macht vom Rückgaberecht Gebrauch.

Wer auf das neueste Modell verzichten kann und Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legt, ist mit einem Refurbished IT-Gerät bestens bedient. Die Vorteile überwiegen deutlich, vorausgesetzt ihr wählt einen vertrauensvollen Anbieter und das passende Gerät für eure Bedürfnisse.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026