Ein kleiner Schraubenzieher: Ein ungewöhnliches Extra in der Schachtel eines modernen, neuen Smartphones. Doch jedem Fairphone liegt ein Mini-Schraubenzieher bei. Nicht als Gimmick, sondern als Werkzeug. Und als Symbol für die Besonderheit des Handys, das kaum einer kennt.  Das Anfang Oktober aber in neuer Version auf den Markt kommen soll – und eigentlich voll den Zeitgeist treffen müsste. Denn es schont die Umwelt.

Warum liegt ein Schraubenzieher bei?

Das Fairphone ist völlig anders konzipiert als die Geräte anderer Hersteller. Das Fairphone setzt auf Nachhaltigkeit und soll die Umwelt schonen. Ein Schraubenzieher liegt bei, weil sich das Fairphone kinderleicht reparieren lässt: Geht etwas kaputt, kann es blitzschnell ausgetauscht werden.

Egal ob Display, Kamera, Lautsprecher, Akku oder was auch immer: Die Ersatzteile sind günstig und können von jedem mit etwas Geschickt selbst eingebaut werden. Die Message ist klar: Auch Smartphones können nachhaltig sein. Müssen nicht gleich in die Tonne, weil etwas nicht mehr funktioniert – wie bei den anderen Herstellern wie Apple, Samsung oder Huawei.

Klimafreundlich mobil surfen

Es steckt natürlich noch etwas mehr dahinter: Der niederländische Hersteller wollte zeigen, dass es möglich ist, für 450 EUR ein Handy zu bauen, das ausreichend viel kann, aber umwelt- und klimafreundlich hergestellt wird. Mit Ressourcen aus überwachten Quellen – etwa Gold und Wolfram -, mit Plastik, das aus Recycling hergestellt wird.

Die Fabrikarbeiter bekommen faire Löhne. Und dann lässt sich eben alles reparieren. Ein Zeichen – gegen die Wegwerfmentalität, die es heute vor allem bei Smartphones gibt. Ein begrüßenswertes Konzept – aber sonderlich erfolgreich ist das Fairphone trotzdem nicht.

Keine Bedrohung für Edelmarken

Kaum einer kennt das Fairphone – obwohl doch heute vor allem junge Menschen nach allem hungern, was klimafreundlich ist. Hast Du eine Erklärung dafür, wieso das Fairphone nicht der absolute Durchstarter ist?

Gute Frage. Man muss sagen: Das Fairphone ist zweifellos gut fürs Gewissen – aber nicht eben ein Knaller-Smartphone. Die Kamera ist bestenfalls durchschnittlich. Keine Gesichtserkennung. Kein 5G. Mäßiger Prozessor. Bescheidenes Display. Kunden beklagen, dass die Geräte ausfallen. Bestenfalls ein Gerät aus der Mittelklasse – aber keins, das die Herzen von Smartphone-Fans schneller schlagen lässt.

Egal, könnte man denken: Wem Klimaschutz am Herzen liegt, dem ist das alles egal. Aber Fehlanzeige. Bei technischem Gerät sind die meisten dann doch eher anspruchsvoll. Nach meiner Beobachtung nutzen selbst Klimaaktivisten lieber die Edelmarken – einfach weil sie mehr Spaß bringen und mehr können. Ein Verkaufserfolg war das Fairphone jedenfalls nie – und dieses Schicksal scheint auch dem neuen Fairphone 3 beschieden.

Forderungen von Naturschützern

Aber welchen Stellenwert legen denn die anderen Hersteller auf Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Leider keinen so großen. Die große Leistung des Fairphones ist zu zeigen, dass es überhaupt geht. Dass es möglich ist, auf eine einigermaßen umweltverträgliche Herstellung zu achten und ein defektes Smartphone nicht gleich zum Sondermüll werden zu lassen.

Das ist eine Forderung, die Verbände wie der BUND aufstellen: Die Handy-Hersteller müssten verpflichtet werden, Altgeräte zurückzunehmen. Sie fachgerecht zu entsorgen oder wieder aufpoliert erneut zu verkaufen. Die Möglichkeit zur Reparatur vorzusehen – gesetzlich vorgeschrieben. Es gäbe eine Menge, was sich tun ließe – bei allen Herstellern. Nur: So lange der Gesetzgeber es nicht vorschreibt und die Nutzer es nicht verlangen, werden die Hersteller es auch nicht tun.

Mein Wunsch: Nicht so schnelle Produktzyklen. Jedes Handy müsste repariert werden können. Alle Altgeräte müssten kostenlos zurückgegeben werden können. Völlige Transparenz über die Produktion und die Umweltbelastung der Produktion. Dann könnten Konsumenten besser entscheiden.