Vor genau 50 Jahren haben Wissenschaftler in den USA zum ersten Mal Computer an Universitäten per Telefonleitung miteinander verbunden. Ein Login aus der Ferne war möglich. Was für ein Ereignis! Damit war der Grundstein gelegt für das Internet – das dann schnell und entschlossen weiter entwickelt wurde. Aber das, was wir heute haben, war damals weder absehbar, noch geplant.

Internet? Für die meisten von uns heute selbstverständlich. Der Startschuss dafür ist genau vor 50 Jahren gefallen. Am 29. Oktober 1969 wollte der Informatiker Leonard Kleinrock in den USA die erste aller Nachrichten im Netz verschicken.  Ein Netz, das damals aus nur vier Universitäts-Computern bestand. Doch noch bevor der Wissenschaftler das Wort „Login“ eingetippt hatte, stürzte der Computer ab.

Am späteren Abend klappte es dann. Das Internet war geboren.

Von vier auf vier Milliarden Nutzer

Ausfallsicher sollte das anfangs fürs Militär gedachte Internet sein. Dann ein Rechnerverbund für Unis, später Behörden. In den 90er Jahren wurde das Internet dann für die Allgemeinheit geöffnet: Vizepräsident Al Gore hat die Sache 1993 vorangetrieben. Ab da gab es kein Halten mehr: Die Menschen strömten ins Netz – ebenso Unternehmen. Um die Jahrtausendwende wurde das Internet schnell zu einer ganz großen Sachen.

50 Jahre nach dem Startschuss nutzen allein in Deutschland 92 Prozent aller Menschen das Internet. Anfangs vier Menschen. Heute vier Milliarden.

Aber ist alles so gekommen, wie geplant? Ganz sicher nicht. So sollte das Internet zum Beispiel ausfallsicher, weil dezentral sein. Niemand konnte vorhersehen, dass sich einige wenige Megakonzerne entwickeln und bilden – Google, Amazon, Microsoft, Facebook -, die die Geschicke des Netzes maßgeblich bestimmen. Die einen Großteil der Angebote und Daten horten – und mit Sozialen Netzwerken nicht nur das Internet beherrschen, sondern auch die Medienlandschaft auf den Kopf gestellt haben.

Anders gekommen als gedacht

Ohne World Wide Web (WWW) hätte das Internet zweifellos nicht diese Erfolgsgeschichte hingelegt. Erfunden hat es – vor 30 Jahren – der Brite Sir Tim Berners-Lee. Damit ist es möglich geworden, Computer in aller Welt unabhängig vom Betriebssystem miteinander zu vernetzen.

Doch der Erfinder des Web ist nicht glücklich damit, wie sich das Netz entwickelt hat. Er beklagt, dass es von einigen wenigen Konzernen beherrscht wird – und vom Kommerz. Er hat sogar konkrete Ideen und Konzepte, wie die User das Web zurückerobern könnten.

Gedacht war das alles ganz anders: Die Erfinder des Internet wollten das Wissen der Welt allen schnell verfügbar machen. Das gibt es – mit Wikipedia. Aber ansonsten ist das Netz vor allem ein verdammt lauter Ort geworden. Ein Marktplatz für Waren, Gedanken, Ideen – auf dem alle stehen und alle laut schreien, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Egal ob in Texten , Bildern oder Videos.

Die großen Konzerne wie Google, Facebook oder Amazon profitieren davon. Doch wir alle müssen erleben, wie die Netzwerke geflutet werden mit Verrücktheiten, Belanglosigkeiten, Hass, Hetze, Dummheit, auch ungezählten ungenierten Versuchen der Manipulation. Und wie die Welt zu einem Ort der Komplettüberwachung wird.

All das war nicht gewollt – ist aber nach und nach gekommen.

Das soll nicht resigniert klingen. Das Internet bietet unglaubliche Möglichkeiten und macht viele fantastische Dinge wahr. Auch das haben sich die Erfinder sicher nicht träumen lassen.