KI tritt den Siegeszug an. Doch es braucht Regeln, was KI darf und was nicht – und welche Daten erhoben und gespeichert werden dürfen.

Künstliche Intelligenz ist ein Begriff, der schwer zu fassen ist. Im Kern natürlich schon, die KI im wissenschaftlichen Sinn. Aber der Begriff hat sich längst verselbständigt – wird als Mode- und PR-Begriff verwendet. Auf der IFA waren viele Geräte mit „KI“ gelabelt… Oft eine hoffnungslose Übertreibung und jedenfalls nicht der Bereich, über den wir uns Gedanken oder sogar Sorgen machen müssten.

KI ist kaum beherrschbar

Ein kritischer Blick auf KI in jeder Daseinsform ist immer dann nötig, wenn sie in unser Leben eingreift – und das passiert durchaus. Sehr häufig sogar. Wir wissen nur nicht, dass es sich um KI handelt. Welche Inhalte uns Facebook in der Timeline präsentiert, entscheiden KI-Algorithmen. Welche Antworten wir bekommen, wenn wir Assistenten wie Alexa, Cortana, Siri oder Google Home befragen, entscheiden KI-Systeme. In welche Stimmungslage wir uns gerade befinden, das beurteilen KI-Systeme – etwa bei Amazon.

Bisher dürfen sie das munter und nahezu schrankenlos. Der klassische Datenschutz greift kaum oder schwer, denn welche Daten fallen an, welche werden verarbeitet und welche Ergebnisse entstehen? Das wissen selbst die Betreiber von KI-Systemen nicht immer. Selbst wie und warum KI-Systeme Kreditanträge bearbeiten oder ablehnen, verstehen die Betreiber mitunter nicht mal selbst – hat mir der Leiter der Verbraucherzentrale NRW Wolfgang Schuldzinski in einem Interview (siehe Video) verraten.

Kennzeichnungspflicht und Datenschutz

Kurz: Es ist eine desaströse Situation. KI fällt Entscheidungen, von denen wir nichts wissen. Wir erfahren auch nicht, nach welchen Regeln. Wir erfahren nicht mal, dass KI im Einsatz ist. Das will die NRW-Ministerin für Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser, ändern. Sie spricht das Problem energisch an und hat erkennbar vor, die Spielregeln zu ändern. Es soll eine Kennzeichnungspflicht geben: Da wo KI drin ist, soll auch KI drauf stehen. Außerdem soll auch klar werden, nach welchen Mechanismen entschieden wird.

KI bietet eine Menge Chancen, birgt aber eben auch Risiken. So gibt es zum Beispiel das Problem der verdeckten Diskriminierung. Darum ist es so wichtig, klare Regeln für den Einsatz von KI aufzustellen. Das gilt ganz besonders für den Einsatz bei Onlinediensten und Sozialen Netzwerken. Denn diese Dienste nutzen wir alle tagtäglich – und die Entscheidungen greifen tief in unser aller Leben ein. Etwa, indem die öffentliche Meinung geprägt wird.

Zugegeben: Es ist nicht einfach, gesunde und funktionstüchtige Regeln aufzustellen. Aber es ist ein guter Anfang, die Verbraucher über die Hintergründe zu informieren. Denn das geschieht bislang praktisch überhaupt nicht.